Beach Slang, Petal (05.02.16, Cassiopeia, Berlin; mit Bildergalerie)

Beach Slang, Petal (05.02.16, Cassiopeia, Berlin; mit Bildergalerie)

Ihr Debütalbum mit dem furchtbar langen Titel “The Things We Do to Find People Who Feel Like Us” fand den Weg in zahlreiche Bestenlisten und schon im letzten Jahr ging es für die Amerikaner auf ausgedehnte Europatour. Das hält Beach Slang allerdings nicht davon ab, 2016 ein weiteres Mal über den Atlantik zu fliegen. Bei über 20 Shows ist Berlin natürlich auch dabei und so füllt sich das Cassiopeia Anfang Februar mit einer sehr abwechslungsreichen Menschenmenge: Ärzte-Fan, Punkrockkid und Hardcore-Cassiopeia-Stammgast scheinen mit Beach Slang ihre Schnittmenge gefunden zu haben.

Die Vorband Petal ging an den meisten Besuchern zunächst spurlos vorbei – nicht nur, dass recht spontan der Konzertbeginn von 21 auf 20.30 Uhr vorverlegt wurde und dementsprechend nicht alle die Gelegenheit hatten, pünktlich vor Ort zu sein. Nein, die Schlangen an Kasse, Garderobe und Bar waren auch so lang, dass man Petal allein deswegen verpassen konnte. Komischerweise drang auch kein Klang nach oben, der den ein oder anderen vermutlich noch mehr motiviert hätte, den Weg in den Keller anzutreten.

Nun denn, voll im Cassiopeia-Untergeschoss wurde es dann aber pünktlich zu Beach Slang. Besonders in der Mitte und hinten herrschte dichtes Gedränge, vorne gab’s etwas mehr Luft – wahrscheinlich aufgrund der Angst vorm Pogo-Getümmel. Dabei war bemerkenswert wenig los im Publikum und man hatte zwischendurch das Gefühl, die Coversongs (Jawbreaker, The Replacements) wurden mehr gefeiert als die Originale. Dass das Konzert trotzdem den Besuch wert war, ist vor allen Dingen Sänger James zu verdanken. Der selbstbetitelte „Angus Young in Hogwarts-Montur“ könnte auch „Entertainer“ auf seiner Visitenkarte vermerken, schließlich riss er einen Witz nach dem anderen und sträubte sich auch nicht, für den ein oder anderen Group Hug die Bühne zu verlassen. Gegen Ende des Sets, wo die Musik tatsächlich langsam etwas eintönig wurde, wartete man denn auch mehr auf die lustigen Ansagen als auf den nächsten Song. Schließlich steigerte sich mit jedem Lied James‘ Bier-Konsum, der vermutlich nicht unerheblichen Einfluss auf die „Comedyshow“ hatte. Der Matt Berninger des Punkrock dürfte jeden Tag mit einem ordentlichen Kater aufwachen – allerdings auch grundzufrieden mit seinem Musikerleben, das wurde an diesem Abend überzeugend an die Menge weitergegeben.

Fotos: Adina Scharfenberg

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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