Captain Planet, Ein Gutes Pferd, GRMM (09.12., B58, Braunschweig)

Captain Planet, Ein Gutes Pferd, GRMM (09.12., B58, Braunschweig)

Gerissene Saiten, Pech und Punk gab es am Freitag im ausverkauften B58 in zu bestaunen. Captain Planet waren nach langer Zeit wieder in Braunschweig und hatten sowohl mit ihrer Gesundheit als auch mit der Technik zu kämpfen.

Mit etwas Verspätung läuteten aber zunächst die local Indie/Emo/Punk-Heroes GRMM den Abend ein. Erst einen Monat zuvor hatte das Quartett sein Bühnendebüt gegeben. Und diese mangelnde Spielpraxis war den Jungs auch anzumerken. Die beachtliche Qualität der Songs schmälerte das freilich nicht. Besonders „Neubauten“ von der Debüt-EP offenbarte das Potenzial der Band. Als nächstes waren Ein Gutes Pferd aus Berlin an der Reihe – und so schnörkellos wie die Songs klangen, war auch der Auftritt.

Die wenigen Ansagen kamen knackig, pointiert und die punkigen Songs wurden satt in Richtung Publikum gedroschen. Wirklich innovativ klang das Ganze zwar nicht, aber die Präzision, mit der hier zu Werke gegangen wurde, war durchaus beachtlich. Auch wenn in den ersten Reihen schon ein bisschen gepogt wurde, warteten die meisten aber auf den Headliner des Abends: Captain Planet.

Nach kurzer Umbaupause betraten die fünf Hamburger dann auch endlich die Bühne. Der sichtlich angeschlagene Sänger Jan Arne van Twistern brach mit dickem Schal bewehrt immer wieder die Gesangsparts von „St. Peter“ ab. Seine Stimme konnte die für gewöhnlich Schwindel erregenden Höhen an diesem Abend unmöglich erreichen. Etwas ratlos ließ er seine Bandkollegen nach zwei Songs auf der Bühne zurück. Das Gemurmel wurde lauter bis Gitarrist Benjamin Sturm irgendwann um die Mithilfe des Publikums bat: „Wir schaffen das hier heute nur zusammen“. Besonders bei Songs wie „Pyro“, „Rambo“ oder vor allem 120 Sachen übernahmen die gut 200 Zuhörer souverän den Gesang. Der Refrain von „Ein Ende“ wurde so ungewollt zum Motto des Abends:

Weiter – bis die Stimme aufgibt, bis alles zerfällt

Doch diese Zeilen sollten nicht nur die körperliche Verfassung des Frontmanns unfreiwillig perfekt beschreiben, wie ein plötzlich qualmender Gitarren-Verstärker bewies. Als dann bei der obligatorischen Zugabe von „Baumhaus“ auch noch eine Gitarrensaite riss, wunderte das hier niemanden mehr.

Mangelnden Einsatz konnte man den Herren von Captain Planet wahrlich nicht vorwerfen. Ihr unerschütterliches Engagement in Kombination mit dem Enthusiasmus der geduldigen Zuhörer und Gesangsvertreter retteten letztlich den Abend. Überschwängliche Begeisterung kam unter diesen Umständen freilich nicht auf. Die Symbiose aus Band und Saal deutete aber an, wie explosiv der Abend mit Captain Planet in Topform hätte verlaufen können. Eine Gelegenheit zur Wiederholung unter glücklicheren Umständen haben sich alle Beteiligten redlich verdient.