Citizen, Turnover, Newmoon (26.01.16, Magnet & Frieden, Berlin)

Citizen, Turnover, Newmoon (26.01.16, Magnet & Frieden, Berlin)

Die Bekanntgabe ihrer Tour entfachte bei der Stageload-Redaktion wahre Begeisterungsstürme. Citizen und Turnover zusammen live unterwegs klang nach dem ultimativen Konzertjahresauftakt – löste Citizens „Everybody is going to Heaven“ schließlich hitzige Diskussionen und Turnovers „Peripheral Vision“ eine Lobhudelei nach der nächsten aus. So ist es kein Wunder, dass wir in Köln (klick) und Hamburg (folgt) mit Fotografen vor Ort waren und aus Berlin der folgende Bericht stammt.

„Ausverkauft ist keine Band“ dürfte im Vorfeld der passendste Spruch für Citizen x Turnover x Newmoon im Berliner Musik & Frieden gewesen sein. Bei einer Kapazität von nur knapp 200 Gästen hatten hauptsächlich die jüngeren Fans den Sinn des Vorverkaufs verstanden, drum sah der stets konzertgelangweilte Berliner nach der „Ausverkauft“-Verkündigung erstmal alt aus und das Geschrei nach Ticket-Wiederverkäufern war groß. Der Rest schätzte sich glücklich und war tatsächlich schon zu Showbeginn fast voll versammelt, sodass Newmoon den Abend vor einem gut gefüllten Raum eröffnen durften. Die größtenteils aus Midnight Souls-Mitgliedern bestehende Band ordnet sich selbst in Richtung Dreampop/Shoegaze ein und konnte mit ihrem Debüt „Invitation to Hold“ bereits Touché Amoré Sänger Jeremy Bolm begeistern, der die EP über sein Label „Secret Voice Records“ vertreibt.

Als Begleitung für die vier Citizen-Deutschland-Dates ergriffen die Belgier direkt die nächste Chance. Während des Sets wurde nicht viel geredet – dafür aber auf Deutsch gedankt – und sich voll und ganz auf die Musik konzentriert. Hatte definitiv eine gewisse Atmosphäre und verlieh den Songs auch noch einmal ein etwas anderes Kleid, so ganz wollte der Funke aber nicht überspringen. (Kann allerdings auch an den durchweg schwatzenden Tumblrkids neben mir gelegen haben.)

Batikshirts, verwaschene Jeans, Schnorres – Turnover leben Nostalgie augenscheinlich nicht nur musikalisch aus. Dass sie ihren eigenen alten Zeiten trotzdem nicht hinterhertrauern, wurde mit einem Blick auf die Setlist klar, die sich auf „Peripheral Vision“ und neues Material beschränkte. Der etwas rauere Live-Sound machte sich überraschend gut bei „Cutting My Fingers Off“, „I Would Hate You If I Could“ und Co. Das Publikum war der Band ebenso wohlgesonnen, jedoch nicht sonderlich textsicher oder gar enthusiastisch. Aber Mitwippen kann ja auch schön sein.

Zeit für Citizen, oder auch nicht: Sänger Mat hat nach dem Auftritt in Köln seine Stimme verloren, sodass Hamburg und Berlin zu „All-Star-Gigs“ wurden. Anstatt die Konzerte einfach abzusagen, versuchte die Band nämlich so gut wie möglich Mats Parts zu ersetzen. Im Klartext bedeutete das eine kürzere Setlist, Mehrarbeit für Gitarrist Nick sowie Unterstützung von Freunden wie Eric und Austin von Turnover. Natürlich war das Publikum angeregt, ebenfalls lautstark mitzusingen, was jedoch nur semi-gut klappte. Selbst Hits wie „Sleep“ oder „Roam the Room“ waren erstaunlich leise und nur in den seltensten Fällen kam wirklich Stimmung auf. Vielleicht spielte hier die Enttäuschung über den natürlich doch anders als erwarteten Auftritt mit, vielleicht ist man abgehtechnisch aber auch einfach zu verwöhnt von der Hardcoreszene. Citizen kann man das jedenfalls nichts übel nehmen. Ein Canceln der Show hätte schließlich erst recht niemanden zufriedengestellt.

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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