Converge, Rotten Sound – 20.06.2013, Magnet Club Berlin

Converge, Rotten Sound – 20.06.2013, Magnet Club Berlin

Knapp 6 Monate nach ihrem letzten Besuch spielten Converge an diesem Donnerstagabend wieder in Berlin. Dieses Mal mit den Finnen von Rotten Sound und nicht im Kreuzberger SO36, sondern in dem um ein Vielfaches kleineren Magnet Club nahe der Spree. Fand der Auftritt damals noch an einem der kältesten Wintertage statt, so war es jetzt der bislang heißeste Tag dieses Jahres in Berlin mit abendlichen Temperaturen um die 33°C. Ideale Voraussetzungen für einen intensiven Abend in einer sehr kleinen Location also.

Bereits vor der Tür des Magnet Clubs konnte der aufmerksame Beobachter erkennen, dass viele bärtige Träger von Dying Fetus-, Gorefest- oder Nasum-Bandshirts wohl hauptsächlich für die Grindcore-Legenden Rotten Sound angereist waren. Als die besagten Finnen dann um 21 Uhr die Bühne betraten, flogen bereits nach wenigen Minuten geschwitzte Haare umher. Naturgemäß kurz und brutal war die Setlist, welche innerhalb von einer Dreiviertelstunde sämtliche Luft der Location in eine kaugummiartige Tropensuppe verwandelte. Kaum zu glauben, dass die Jungs um Sänger Keijo Niinimaa dabei einen so kraftvollen Auftritt abliefern konnten.

Währen der verdienten Pause flüchtete sich ein Großteil der Besucher in den kleinen Innenhof des Clubs, um ein wenig der kostbaren Frischluft zu erlangen. Unter die Gäste im Außenareal hatte sich derweil ein gewisser Dallas Green (City And Colour) gemischt, welcher vermutlich mit seinem ehemaligen Alexisonfire-Kollegen Wade McNeil und dessen jetziger Band Gallows in der Stadt war. Am gleichen Abend spielten die Gallows nämlich nur einen Steinwurf entfernt mit keinen Geringeren als Boysetsfire im Astra Kulturhaus (hier die Photos).

Um 22 Uhr füllte sich der Veranstaltungsraum wieder. Während die abschließenden Vorbereitungen für die anstehende Performance noch im Gange waren, konnte man unmittelbar neben Bühne und vorderen Zuschauerreihen Converge-Frontmann Jacob Bannon bei seinem Aufwärmprogramm beobachten. Der drahtige Kampfsportler war dabei zu jeder Zeit von Fans und Crew ansprechbar und schien in guter Stimmung zu sein. Diese Nähe zu den Künstlern verdankte man der räumlichen Gegebenheit: der gesamte Raum ist mit einer (geschätzten) Größe von nicht mehr als 150m² und einer barrierefreien 50cm niedrigen Bühne äußerst intim und gemütlich.

Converge sind eine der Bands, die vom ersten Ton des ersten Taktes an die gesamte Menge zum Durchdrehen bringt. Randvoll war der Magnet nun, ausverkauft und von Beginn an beeindruckte die Show der Band aus Boston. Zum Opener „Concubine“ zerriss ein Gast prompt sein T-Shirt, ein anderer übte sich im Minutentakt und mit Playboy-Hasenohren bewaffnet im Stagediving. Ein weiterer Konzertsportler zog es häufiger vor, Stagedives anzutäuschen und stattdessen einige Minuten auf der Bühne zu verbrinngen. Überhaupt hatte man das Gefühl, der gesamte Raum sei während der nahtlos folgenden Songs „Fault And Fracture“ und „Dark Horse“ vollkommen in Bewegung. Die Band gab wie immer alles und das Publikum konnte mithalten. Jacob Bannon glaubt man jedes Wort und jede Geste, wenn er katzenartig und mit unfassbaren Kraftreserven auf der Bühne alle spüren lässt, was er an seiner Musik so sehr liebt: die rohe und authentische Energie.

Titel wie „Home Wrecker“ und „Empty On The Inside“ gingen an niemandem im Raum spurlos vorbei. Auch die Band rang um Atem, ging aber immer einen kraftraubenden Schritt weiter und würdigte schließlich das Publikum mit häufigen Danksagungen und sympathischen Anekdoten der vergangenen Shows in Berlin. Die Zuschauer wiederum zogen es vor, alle Hemmungen fallen zu lassen. Schweißnasse Körper klebten aneinander und verlorene Flip-Flops wurden zu Wurfgeschossen, während an der Decke die Ausdünstungen kondensierten und als Regen zur Menge zurückkehrten. Das Wetter draußen erschien dagegen wie eine laue Sommerbrise.

Nach dem letzten Titel des Abends, „Heaven In Her Arms“, war es Converge zunächst kaum möglich eine Zugabe zu spielen. Der Grund: ihre komplette Ausrüstung war einfach zu nass. Ein paar Kabelwechsel später und nach ausgiebiger Interaktion mit den Zuschauern verabschiedeten sie sich mit „The Broken Vow“ von Berlin. So gerne man noch weitere Zugaben gehört hätte, so sehnsüchtig erwarteten alle Sauna-Gänger die mittlerweile durch schwere Gewitter abgekühlte Nachtluft. Scheinbar waren Converge genauso begeistert, denn noch am gleichen Abend schrieb die Band auf ihrer Facebook-Seite: „Thank you Berlin, sincerely. Awesome show.„.

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