Dornenreich, Heretoir und Wassermanns Fiebertraum – 05.05.2014, K17 Berlin

Dornenreich, Heretoir und Wassermanns Fiebertraum – 05.05.2014, K17 Berlin

Es ist Montag, es ist halb 8 und immer noch taghell. Irgendwie passt das gar nicht zu dem, was heute im Friedrichshainer K17 anstehen sollte: Die geballte deutsch-österreichische Ladung Melancholie, Wut, Trauer und Depression, alles vereint in der Musik der Bands Dornenreich, Heretoir und Wassermanns Fiebertraum. Die Location ist zudem genau richtig für Konzerte dieser Art, also musste es ja gut werden.

Eines vorweg: Hinter dem exotisch anmutenden Namen Wassermanns Fiebertraum verbirgt sich nicht etwa ein mittelalterliches Fidel- und Lauten-Quartett, sondern eine aufstrebende Post-Rock-Truppe aus Wien und Regensburg. Die Jungs spielen Musik, die klingt, als hätten Alcest ihre beiden letzten Alben zusammengemischt und die Vocals nahezu völlig weggelassen. Soll heißen, sehr gut, aber wenn nach den atmosphärischen instrumentalen Langstrecken voller Gittarren-Geflirre dann mal Gesang einsetzt, dann klingt er – zumindest live – irgendwie seltsam, fremd, fast unpassend zur Musik. Dennoch klangen die Songs der Band, die zwar in diesem Jahr erst drei Jahre alt wird aber schon mit Größen wie Light Bearer die Bühne teilte, sehr angenehm, und man kann sich die Alben durchaus mal zu Gemüte führen.

Circa gegen 21 Uhr legten die schwermütigen Heretoir los, zunächst mit einem unbetitelten Lied vom neuen, ebenfalls noch namenlosen Album, das dieses Jahr erscheinen wird. Das vorab veröffentlichte „Eclipse“, auch vom neuen Album, führte dann zu einem endgültigen Wach-werden des zuvor etwas müden Publikums. Die geschätzten 150 Headbanger fanden gut, was ihnen präsentiert wurde. Das lag aber auch am sympathisch-zurückhaltenden Sänger David (aka „Eklatanz“), der mit bulliger Statur und schwarzer Rasta-Mähne viel böser aussieht, als er vermutlich je werden könnte. Der sonst als Bassist und Mit-Sänger aktive Matthias „Nathanael“ S. (schwingt auch in Agrypnie und Thränenkind die dicken Saiten) wurde an diesem Abend durch Agrypnie’s Frontschreier Thorsten „Der Unhold“ Hirsch ersetzt. Was auch immer der Grund hierfür ist, die Entscheidung war nicht verkehrt.

Die Titel der folgenden Werke „Graue Bauten“ und „Weltenschmerz“ vermitteln trotz ihrer Bedeutungsschwere nicht ansatzweise die unglaubliche Traurigkeit und Verzweiflung, welche der Vokalist David über sein schauriges Geschrei ausdrückt. Gänsehautgarantie hoch 10. Als letzten Titel präsentierten Heretoir am Ende des kurzen Sets mit „Just For A Moment“ ein Cover der Depressive-Black-Metal-Kollegen Austere.

Nach so viel Grimm und Gram war der zu erwartende Auftritt der Headliner Dornenreich geradezu erquickend, wenn auch mit dem bitteren Beigeschmack versetzt, dass künftige Auftritte nicht unbedingt ein Muss sind. Denn das diesjährige Werk „Freiheit“ ist nach Aussage der Band (vorerst) das letzte in der Geschichte Dornenreichs. Der Titel des Albums spricht hier für sich. Doch keine Zeit für Trauer: Nach einer Bierpause von 20 Minuten erschien Sänger und Dornenreich-Hirn Jochen „Evíga“ Stock zusammen mit seinem Violinisten Thomas „Ínve“ Riesner die Bühne, welche mit Cajón und Akustikgitarre sichtlich auf eine ruhige Performance ausgelegt war.

Der akustische Teil des Sets bestand aus den Titeln „Freitanz“, „Im ersten aller Spiele“, „Des Meeres Atmen“ und „Meer“. Wie das zwischenzeitlich deutlich angewachsene Publikum es schon von den vergangenen Touren der Band gewohnt war, mischten sich Evígas eindringliche Flüsterstimme und die trotz aller Reduktion hervorragend emotionale Musik zu einem Gesamtkunstwerk, das eigentlich so gar nicht und dadurch wiederum absolut Black Metal ist.

Als Fan der ersten Stunden gelang es mir dennoch nicht, mich während dieser Performance nicht immer und immer mehr auf den lauten Teil des Abends zu freuen. Diesen leiteten Dornenreich mit „Der wunde Trieb“ ein, hier überraschend mit Unhold-Thorsten als Gastsänger, gefolgt von einer Setlist aus den Alben zwischen 2005 und 2014. Ältere Titel, etwa vom 2001er „Her Von Welken Nächten“ mussten noch bis zum viel zu frühen Ende des Konzertes warten. Dornenreich folgten hier (mal wieder) der vom Publikum (mal wieder) lautstark geäußerten Forderung nach „Schwarz Schaut Tiefsten Lichterglanz“, einem ewigen Klassiker. Köpfe nickten in Extase und Haare peitschten umher, Hände ballten sich in der Luft zur typischen Black-Metal-Faust. Herrlich.

Danach gab es nicht eine Zugabe, nein, sogar gleich drei. Nach einem leisen, den Puls wieder beruhigenden „Erst Deine Träne Löscht Den Brand“ schossen Dornenreich dann noch das sagenhafte „Trauerbrandung“ (ewiger Favorit!) und „Wer Hat Angst Vor Einsamkeit?“ raus. Was sollte man sich sonst noch wünschen? Höchstens, dass Dornenreich noch ein paar Stunden weiterspielen würden.

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