Have Heart (20.07.19)

Have Heart (20.07.19)

Knapp 9.000 Besucher bei einer Hardcore-Show, zu früh veröffentlichter Ticketverkauf, Schwarzmarktbetrüger und ein Buhlen um Fotopässe – die acht Reunion-Shows von HAVE HEART machten schon im Vorfeld gut von sich reden. Kein Wunder, die knapp 10 Jahre Funkstille hatten bei der Band aus Boston eher zu einer Hochstilisierung denn zu Vergessenheit geführt, und es war schnell klar: da will jede*r dabei sein, der mit HAVE HEART auch nur irgendetwas verbindet.

Aber wie war’s denn nun letzten Endes? Da gut die Hälfte der Stageload-Redaktion in Köln vor Ort war, haben wir es uns nicht nehmen lassen, ein paar Statements einzufangen.

Have Heart waren damals großartig. Die Musik, die Lyrics und die Intensität der Shows haben so ziemlich alles verkörpert, was Hardcore in diesem Jahrtausend ausmachte. Alleine diese selbstgelegte Messlatte 10 Jahre später bei einer Reunion zu überspringen (und das ist in Köln gelungen!), ist eine enorme Leistung. Leider ist es dann aber nahezu unmöglich, darüber hinauszuwachsen. Und so wandern die Blicke schnell zu den kleinen Nicklichkeiten: dem Chaos beim Ticketvorverkauf, dem Hickhack beim Akkreditierungsprozess, dem völlig überfüllten Außenbereich, da man die Essigfabrik nicht verlassen durfte, Menschen, die „armed with a mind“ brüllen und dabei mit beiden Füßen voran von der Bühne springen, dem ritualartigen, sich immer gleichenden riesigen Pile-Up am Ende von „watch me rise“… Normalerweise Peanuts. Have Heart sind auch 2019 großartig. Nicht weniger, aber auch nicht mehr; wie auch? Daher war es früher also doch irgendwie besser, als man noch völlig geflasht von der Einzigartigkeit des Erlebnisses nach Hause fuhr. Sei’s drum, gelohnt hat sich der Abend trotzdem alle mal!

  • Tobias Luger

Mein erstes Mal Have Heart, Fazit: Angenehme Atmosphäre, guter Sound und eine beeindruckende Energie. Reife Leistung für eine Band, die eigentlich gar nicht mehr existiert. Wer schon im Vorfeld munter über eine Reunion oder gar eine neue Platte gemutmaßt hat, dürfte nach dieser Show kaum damit aufhören. Da können die Herren noch so oft beteuern, nichts Derartiges im Sinn zu haben.

  • Benjamin Fischer

In brütender Hitze zusammengepfercht erwartete man nun also sehnsüchtig Have Heart in der Essigfabrik in Köln. Da gab es absolut kein Entrinnen im wortwörtlichsten Sinne. Wer einmal raus ist, kommt da nicht mehr rein. In den USA bei Have Heart scheinbar Usus, die anderen Bands haben es auch verdient gehört zu werden. Ist ja auch irgendwie nett gemeint. Und wer sich nicht unbedingt für die anderen Bands interessiert, kann die Zeit bis dahin ja draußen im Freigehege verbringen oder am spärlich ausgestatteten Merch. Es gab immerhin nicht ganz so schöne T-Shirts und selbstgemalte Bilder für den guten Zweck. Have Heart war dennoch toll. Super Setlist und Microfonverschleiß von Pat Flynn.

  • Philip Kleinau

Mit Spark, Mil-Spec, Abuse Of Power und Spirit Crusher hatten sich Have Heart für ihre Kölner Show einige der besten Bands eingeladen, die Hardcore Punk momentan zu bieten hat. Leider war das nicht dem ganzen Publikum bewusst, weswegen – bis auf bei Spirit Crusher – die Reaktionen eher zurückhaltend waren. Nichtsdestotrotz lieferten allesamt gute Sets ab – besonders Mil-Spec, die in Köln erst ihre zweite Show überhaupt in Europa gespielt haben. Bei Have Heart brach dann natürlich jegliches Eis und alle Songs wurden vom Publikum lauthals mitgebrühlt. Etwas anderes war ehrlich gesagt aber auch nicht zu erwarten. Abgesehen von der für die Vorbands viel zu großen Bühne, war es also eine durch und durch gute Show, die viele Erinnerungen wieder wach werden ließ. Vor allem die, dass es vor 10 Jahren noch keine Smartphones gab, die gleich beim ersten Song von der Menge in die Höhe gehalten wurden. Fehlte nur noch der Bootleg-Stand vor der Location: Have Heart 2019, ich war dabei. Dennoch: Songs wie Armed With A Mind und Something More Than Ink sind auch aktuell noch überaus wichtig für die gesamte Szene und damit war es gut, dass Have Heart zumindest für eine Hand voll Shows zurückgekehrt sind.

  • Patrick Siegmann
Stageload Team vor der Have Heart Show 2019

Endlich war es wieder soweit, ganz Hardcore-Deutschland traf sich in Killer-Cologne um eine der wohl prägendsten Hardcorebands des 21. Jahrhunderts ein letztes Mal zu feiern. Für die einen war es das erste und zugleich letzte Mal, für andere womöglich ein krönender Abschluss einer Band, die sie vor über 10 Jahren bereits gesehen und geliebt haben. Ich persönlich habe Have Heart seit Tag 1 verfolgt und diverse Male live gesehen und auch in Köln haben sie mich nicht enttäuscht. Doch hatte das Ganze für mich irgendwo auch einen kleinen faden Beigeschmack. Klar ist es schön zu sehen, dass round about 1.300 Menschen aus allerlei Städten und sogar Ländern anreisen, um eine Band zu sehen und sie gebührend feiern. Unabhängig von der Show bzw. dem ganzen Ablauf des Abends, bei dem es wirklich absolut nichts zu beanstanden gab (Props an alle Beteiligten) war es trotzdem zugleich das reinste Schaulaufen. Hardcore ist keine Mode oder ein cooler Trend, es kommt nicht darauf an, wer die coolsten Tattoos oder das geilste Shirt hat. Es kommt darauf an, was man fühlt, mit der Musik verbindet und dass man sie im Herzen (weiter) trägt. Hardcore for Hardcore.

  • Manuel Lohschmidt

Nachdem die „Hardcore-Szene“ sich im Vorfeld mal wieder von ihrer besten Seite gezeigt hat, fand ich Have Heart dann doch besser als erwartet. Der Rest hat mich zugegebenermaßen sowieso nicht interessiert. Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich sie noch mal live werde sehen können, hätte ich mir das wohl trotzdem anders oder besser vorgestellt. Das liegt aber mehr an mir als an der Band – Time’s a bitch.

  • Sascha Schüler

Allem Hype und „Sehen und gesehen werden“ zum Trotz hatte ich richtig Lust auf die Show. Ein bisschen in der Vergangenheit schwelgen, Leute aus allen Ecken Deutschlands wiedertreffen und zu Songs ausrasten, die einen durch die Jugend getragen haben. Glücklicherweise wurde ich nicht enttäuscht. Viele aktive Fans, genug Platz zum Tanzen hinter den Stagedive-Reihen und eine erwartet gute Setlist ließen bei mir keine Wünsche offen. Klar, die letzte Deutschland-Show im Underground war schon etwas Besonderes und schwerlich übertreffbar, aber erinnert sich noch jemand ans Vainstream Rockfest oder ans Pressure Festival mit Ersatzsänger? Da hat die Nostalgie auch nach 10 Jahren nicht zugeschlagen und so reiht sich der Essigfabrik-Auftritt fast ganz vorne ins persönliche Have Heart Ranking ein.

  • Ines Kirchner

Das Header-Foto ist übrigens von unserem Team-Mitglied Kevin Bethke, der in Köln als Fotograf zugelassen war, damit aber nur seinen privaten Account befüllen darf. Hier geht’s zu seinen Fotos: https://www.instagram.com/xkbphotographiex/

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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