Ieperfest 2014 – Tag 1

Ieperfest 2014 – Tag 1

Regen, Wolken, Regen, Sonnenschein, Wolken, Regen begleiten mich die Fahrt über nach Ieper in Belgien. Das Städtchen in Flandern war im Ersten Weltkrieg Schauplatz erbitterter Kämpfe an der Frontlinie und Zeuge der ersten Giftgaseinsätze. Heute ist Ieper ein weiteres Mal Gastgeber für Europas (und darüber hinaus) Hardcoreszene.

Zum 22. Mal findet dieses Jahr Europas traditionsreichstes Hardcore Festival hier statt. Nach den Anfängen des Ieperfests im Innenhof der Musikschule, den nächsten Schritten auf dem Parkplatz des Schwimmbads und vor ein paar Jahren dem Umzug auf ein Feld am Ortsausgang, hat man dieses Jahr den nächsten Wachstumsschritt gewagt und eine dritte Bühne eingeführt.
Main Stage Open Air, Marquee Stage in einem großen Zelt und „The Trench“: ein kleines Zelt, in das gut 200 Leute passen. Alle Bühnen ohne Graben, so dass ein enger Kontakt zwischen Bands und Publikum möglich wird.

Endlich angekommen auf dem Gelände (wegen der Anfahrt musste ich leider auf einige Bands, die bereits morgens/mittags gespielt haben, verzichten), erwartet mich auch dort erstmal Regen und vor allem Matsch. Immer ärgerlich für ein Festival, aber die Organisatoren haben zum Glück vorgesorgt: Zwei Stunden später ist der Hauptweg vom Gelände runter bereits mit Holzschnitzeln so präpariert, dass man nicht mehr nur rutschen, sondern wieder gefahrlos gehen kann.

Die erste Band des Tages für mich ist Backtrack. Zu deren Auftritt hört es pünktlich auf zu regnen. Die Band wird auf ihrer Europatournee allenorts abgefeiert, so auch hier. Für die frühe Uhrzeit ist extrem viel vor der Bühne los, Stagedives, Singalongs, der Matsch spritzt. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Material von ihrem zweiten Longplayer Lost in Life, der kürzlich auf Bridge 9 erschienen ist. Den Leuten gefällts, der Band auch. Die sieht man auch im Laufe des Tages sich weiter auf dem Gelände amüsieren.

Auf der Hauptbühne folgen als nächstes die Dead Kennedys. Aus Tour-organisatorischen Gründen auf einem frühen Nachmittagsspot, zu dem es auch noch pünktlich beginnt zu regnen. Die Stimmung ist zunächst ersteinmal verhalten. Erst bei Kill the Poor, das nach ca. einem Drittel des Sets kommt, taut man publikumsseitig etwas auf, obwohl viele Besucher sich erstmal noch in den Zelten untergestellt haben. In der zweiten Hälfte des Sets folgen dann Hit an Hit (Nazi Punks Fuck Off, California über alles, Holiday in Cambodia), die auch gebührend gefeiert werden. Zur Belohnung schließt dann pünktlich zum Ende auch der Himmel seine Pforten.

Von den drei Bühnen spielen die zwei Zeltbühnen immer parallel. Alle Bands zu sehen ist also völlig unmöglich. Dazu kommt noch jede Menge weitere Ablenkung mit Merchzelt, diversen Essen Outlets und dem More Than Music Zelt. Von vielen bekannten Gesichtern mal abgesehen.

Um 18:00 Uhr ist das Gelände schon sehr gut gefüllt. Geschätzte 2500 Besucher schauen sich Ringworm an; wobei die Aussage „80% sind nur da, um später erzählen zu können, sie hätten die Band gesehen“ passt ganz gut. Relativ wenig Bewegung im Publikum über weite Strecken des Sets und ein ordentlicher Halbkreis vor der Bühne.

Die Nachfolge auf der Hauptbühne tritt eine Band an, die für maich quasi direkt aus den 90ern wieder aufgetaucht sind. EIn Blick auf Wikipedia zeigt, dass Dog Eat Dog durchaus in den Jahren dazwischen noch aktiv waren, an ihren Erfolg mit All Boro Kings allerdings nie so richtig anknüpfen konnten. Kein Wunder, dass der Fokus des Sets auch ganz klar auf dem ersten Album und dem Nacholger Play Games liegt. Die Band wird vom Publikum mit aufblasbaren Saxofons begrüßt und die Party nimmt sein lauf. Egal, ob man Hits wie Who’s the King, Rocky oder No Fronts 5, 10 oder 20 Jahre nicht mehr gehört hat; sie funktionieren auch heute noch und die Band hinterlässt in vielen Gesichtern ein Grinsen.

Auf der Trench Stage bilden Blind To Faith aus Belgien den Abchluss des Tages und hier zeigte sich, dass die Entscheidung, ein kleine Bühne einzuführen, genau richtig war. So ein kompromissloser Abriss wäre auf einer größen Bühne mit SIcherheit nicht möglich gewesen. Das Zelt platzt aus allen Nähten und weder Band noch Publikum scheinen unbedingt mit heilen Knochen wieder rauskommen zu wollen. Die Boxentürme sind einge Male gefährlich am Wanken und es stapelen sich Musiker, Publikum und Instrumene in beliebiger Reihenfolge.

Während sich die Dunkelheit über das Gelände senkt, betreten Converge die Hauptbühne. Und hier zeigt sich dann deutlich ein Unterschied. Obwohl das Material einige Ähnlichkeiten zu Blind To Faith aufweist, brauchte das Publikum deutlich mehr Zeit, um warm zu werden. Hatte man vor zwei Jahren noch mit Jane Doe das Set eröffnet, liegt dieses Mal der Schwerpunkt deutlich auf dem letzten Album All We Love We Leave Behind. Jacob Bannon wirbelt wie immer über die Bühne und als Zugabe gibts dann sogar noch Concubine mit ordentlich Beteiligung aus dem Publikum.

Jesu spielen als Headliner im Marquee Zelt. Wahrscheinlich ist dies ein Auftritt hauptsächlich für Fans. Die langen Doom / Downtempo Songs von Jesu haben – die richtige Stimmung vorausgesetzt – sehr viel Atmosphäre, auch auf Platte. Live tritt die Band hier zu zweit auf: Gitarre und Bass mit einem Drumtrack vom Band. Dadurch wirkt alles sehr statisch. Das Druckvolle, Dynamische eines Schlagzeugers fehlt so völlig. Eine Videoprojektion im Hintergrund sorgt für zusätzliche Atmosphäre; für mich aber fehlte hier eindeutig ein Schlagzeuger.

Headliner des Tages sind No Warning. Eine kleine Sensation: Nicht nur ist es die erste Show der Band seit 2005, sondern auch die erste Europa Show überhaupt. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch, nicht wenige sind gerade für No Warning überhaupt nach Ieper gekommen. Etwas Skepsis ist dabei: Viel zitiert ist Ben Cooks Aussage zum Release der Reunion 7Inch 2013, als er in einem Interview zu möglichen Liveplänen sagte „I have no interest playing live. I don’t want dudes yelling in my face or jumping on me.“
Man kann also gespannt sein. Die Bühne ist voll, nicht wenige der anderen Musiker wollen sich dieses Ereignis entgehen lassen.
So schlimm, wie im Interview angekündigt ist es zwar nicht, aber man merkt deutlich, dass Ben meist Abstand zum Publikum hält, manchmal sogar nahezu lustlos wirkt. Der Rest der Band spielt ein routiniertes, solides Set; nicht mehr, nicht weniger. Für diese exklusive Show eigentlich ein bisschen wenig. Der Fokus des Sets liegt ganz klar auf der Ill Blood. Ihr Zweitwerk Suffer, Survive, das damals durch Warner Music vertrieben wurde, wird selbstkritisch als Mainstream Platte, mit ein-zwei guten Songs bezeichnet.
Das Publikum feiert die Band trotzdem: ein großer Pit, Stagedives en mass inklusive einiger sehr böse anzusehender Abstürze. Große Singalongs halten sich allerdings auch hier in Grenzen. Der etwas unbegeisterte Eindruck von der Band wird auch dadurch bestätigt, dass das reguläre Set – ohne Zugabe – bereits nach 45min statt der im Programm angekünigten 60min beendet wird.

Die Erwartungen für das No Warning Comeback waren vielleicht doch ein wenig hoch; alles in allem aber ein sehr gelungener Auftakt für das Ieperfest 2014. Morgen soll die Sonne scheinen und Morning Again, Gorilla Biscuits und Cold World stehen als Headliner auf dem Programm.

Hier geht’s weiter mit Tag zwei: www.stageload.org/berichte/ieperfest-2014-tag-2

Bilder des Tages (Fotografen Tobias Luger & Kevin Vankeirsbilck):

Regen, Wolken, Regen, Sonnenschein, Wolken, Regen begleiten mich die Fahrt über nach Ieper in Belgien. Das Städtchen in Flandern war im Ersten Weltkrieg Schauplatz erbitterter Kämpfe an der Frontlinie und Zeuge der ersten Giftgaseinsätze. Heute ist Ieper ein weiteres Mal Gastgeber für Europas (und darüber hinaus) Hardcoreszene.Zum 22. Mal findet dieses Jahr Europas traditionsreichstes Hardcore Festival hier statt. Nach den Anfängen des Ieperfests im Innenhof der Musikschule, den nächsten Schritten auf dem Parkplatz des Schwimmbads und vor ein paar Jahren dem Umzug auf ein Feld am Ortsausgang, hat man dieses Jahr den nächsten Wachstumsschritt gewagt und eine dritte Bühne eingeführt.Main Stage Open Air, Marquee Stage in einem großen Zelt und "The Trench": ein kleines Zelt, in das gut 200 Leute passen. Alle Bühnen ohne Graben, so dass ein enger Kontakt zwischen Bands und Publikum möglich wird.Endlich angekommen auf dem Gelände (wegen der Anfahrt musste ich leider auf einige Bands, die bereits morgens/mittags gespielt haben, verzichten), erwartet mich auch dort erstmal Regen und vor allem Matsch. Immer ärgerlich für ein Festival, aber die Organisatoren haben zum Glück vorgesorgt: Zwei Stunden später ist der Hauptweg vom Gelände runter bereits mit Holzschnitzeln so präpariert, dass man nicht mehr nur rutschen, sondern wieder gefahrlos gehen kann.Die erste Band des Tages für mich ist Backtrack. Zu deren Auftritt hört es pünktlich auf zu regnen. Die Band wird auf ihrer Europatournee allenorts abgefeiert, so auch hier. Für die frühe Uhrzeit ist extrem viel vor der Bühne los, Stagedives, Singalongs, der Matsch spritzt. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Material von ihrem zweiten Longplayer Lost in Life, der kürzlich auf Bridge 9 erschienen ist. Den Leuten gefällts, der Band auch. Die sieht man auch im Laufe des Tages sich weiter auf dem Gelände amüsieren.Auf der Hauptbühne folgen als nächstes die Dead Kennedys. Aus Tour-organisatorischen Gründen auf einem frühen Nachmittagsspot, zu dem es auch noch pünktlich beginnt zu regnen. Die Stimmung ist zunächst ersteinmal verhalten. Erst bei Kill the Poor, das nach ca. einem Drittel des Sets kommt, taut man publikumsseitig etwas auf, obwohl viele Besucher sich erstmal noch in den Zelten untergestellt haben. In der zweiten Hälfte des Sets folgen dann Hit an Hit (Nazi Punks Fuck Off, California über alles, Holiday in Cambodia), die auch gebührend gefeiert werden. Zur Belohnung schließt dann pünktlich zum Ende auch der Himmel seine Pforten.Von den drei Bühnen spielen die zwei Zeltbühnen immer parallel. Alle Bands zu sehen ist also völlig unmöglich. Dazu kommt noch jede Menge weitere Ablenkung mit Merchzelt, diversen Essen Outlets und dem More Than Music Zelt. Von vielen bekannten Gesichtern mal abgesehen.Um 18:00 Uhr ist das Gelände schon sehr gut gefüllt. Geschätzte 2500 Besucher schauen sich Ringworm an; wobei die Aussage "80% sind nur da, um später erzählen zu können, sie hätten die Band gesehen" passt ganz gut. Relativ wenig Bewegung im Publikum über weite Strecken des Sets und ein ordentlicher Halbkreis vor der Bühne.Die Nachfolge auf der Hauptbühne tritt eine Band an, die für maich quasi direkt aus den 90ern wieder aufgetaucht sind. EIn Blick auf Wikipedia zeigt, dass Dog Eat Dog durchaus in den Jahren dazwischen noch aktiv waren, an ihren Erfolg mit All Boro Kings allerdings nie so richtig anknüpfen konnten. Kein Wunder, dass der Fokus des Sets auch ganz klar auf dem ersten Album und dem Nacholger Play Games liegt. Die Band wird vom Publikum mit aufblasbaren Saxofons begrüßt und die Party nimmt sein lauf. Egal, ob man Hits wie Who's the King, Rocky oder No Fronts 5, 10 oder 20 Jahre nicht mehr gehört hat; sie funktionieren auch heute noch und die Band hinterlässt in vielen Gesichtern ein Grinsen.Auf der Trench Stage bilden Blind To Faith aus Belgien den Abchluss des Tages und hier zeigte sich, dass die Entscheidung, ein kleine Bühne einzuführen, genau richtig war. So ein kompromissloser Abriss wäre auf einer größen Bühne mit SIcherheit nicht möglich gewesen. Das Zelt platzt aus allen Nähten und weder Band noch Publikum scheinen unbedingt mit heilen Knochen wieder rauskommen zu wollen. Die Boxentürme sind einge Male gefährlich am Wanken und es stapelen sich Musiker, Publikum und Instrumene in beliebiger Reihenfolge.Während sich die Dunkelheit über das Gelände senkt, betreten Converge die Hauptbühne. Und hier zeigt sich dann deutlich ein Unterschied. Obwohl das Material einige Ähnlichkeiten zu Blind To Faith aufweist, brauchte das Publikum deutlich mehr Zeit, um warm zu werden. Hatte man vor zwei Jahren noch mit Jane Doe das Set eröffnet, liegt dieses Mal der Schwerpunkt deutlich auf dem letzten Album All We Love We Leave Behind. Jacob Bannon wirbelt wie immer über die Bühne und als Zugabe gibts dann sogar noch Concubine mit ordentlich Beteiligung aus dem Publikum.Jesu spielen als Headliner im Marquee Zelt. Wahrscheinlich ist dies ein Auftritt hauptsächlich für Fans. Die langen Doom / Downtempo Songs von Jesu haben - die richtige Stimmung vorausgesetzt - sehr viel Atmosphäre, auch auf Platte. Live tritt die Band hier zu zweit auf: Gitarre und Bass mit einem Drumtrack vom Band. Dadurch wirkt alles sehr statisch. Das Druckvolle, Dynamische eines Schlagzeugers fehlt so völlig. Eine Videoprojektion im Hintergrund sorgt für zusätzliche Atmosphäre; für mich aber fehlte hier eindeutig ein Schlagzeuger.Headliner des Tages sind No Warning. Eine kleine Sensation: Nicht nur ist es die erste Show der Band seit 2005, sondern auch die erste Europa Show überhaupt. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch, nicht wenige sind gerade für No Warning überhaupt nach Ieper gekommen. Etwas Skepsis ist dabei: Viel zitiert ist Ben Cooks Aussage zum Release der Reunion 7Inch 2013, als er in einem Interview zu möglichen Liveplänen sagte "I have no interest playing live. I don't want dudes yelling in my face or jumping on me."Man kann also gespannt sein. Die Bühne ist voll, nicht wenige der anderen Musiker wollen sich dieses Ereignis entgehen lassen.So schlimm, wie im Interview angekündigt ist es zwar nicht, aber man merkt deutlich, dass Ben meist Abstand zum Publikum hält, manchmal sogar nahezu lustlos wirkt. Der Rest der Band spielt ein routiniertes, solides Set; nicht mehr, nicht weniger. Für diese exklusive Show eigentlich ein bisschen wenig. Der Fokus des Sets liegt ganz klar auf der Ill Blood. Ihr Zweitwerk Suffer, Survive, das damals durch Warner Music vertrieben wurde, wird selbstkritisch als Mainstream Platte, mit ein-zwei guten Songs bezeichnet.Das Publikum feiert die Band trotzdem: ein großer Pit, Stagedives en mass inklusive einiger sehr böse anzusehender Abstürze. Große Singalongs halten sich allerdings auch hier in Grenzen. Der etwas unbegeisterte Eindruck von der Band wird auch dadurch bestätigt, dass das reguläre Set - ohne Zugabe - bereits nach 45min statt der im Programm angekünigten 60min beendet wird.Die Erwartungen für das No Warning Comeback waren vielleicht doch ein wenig hoch; alles in allem aber ein sehr gelungener Auftakt für das Ieperfest 2014. Morgen soll die Sonne scheinen und Morning Again, Gorilla Biscuits und Cold World stehen als Headliner auf dem Programm.Hier geht's weiter mit Tag zwei: www.stageload.org/berichte/ieperfest-2014-tag-2Bilder des Tages (Fotografen Tobias Luger & Kevin Vankeirsbilck):
Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, auch mal Interviews oder Reviews
Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
Die besten Konzerterlebnisse Hellfest 2003 - Syracuse, NY; Have Heart, Edge Day 2009 - Boston, MA

Kommentare

  2 kommentare

  1. blega

    mal ganz ehrlich. haste wirklich erwartet, dass no warning 1 stunde (eine ganze stunde!) zocken? im leben nich! 😀

  2. Tobias Luger

    Nö. aber es passte als weiterer Baustein ins Gesamtbild…

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