Jon Snodgrass, Joe McMahon (18.10.2019)

Jon Snodgrass, Joe McMahon (18.10.2019)

Die gelb gefärbten Blätter fallen langsam zu Boden und die Tage werden spürbar kürzer. Und so passte der Abend mit Jon Snodgrass, Joe McMahon wie die Faust aufs Auge, um für ein wenig innerliche Lagerfeuerromantik zu sorgen.

Der Weg zum Heppel & Ettlich führt vorbei an diversen Bars und Menschen, die sich an diesem Freitag langsam für die Party-Nacht in Stimmung brachten. Etwas versteckt befindet sich die Kleinkunstbühne im oberen Stockwerk eines Hamburger-Restaurants. Pünktlich um 19.30 Uhr öffneten sich die Pforten und so konnte man die Stunde bis zum Konzert-Beginn an der Bar oder mit Essen verbringen. Allmählich füllte sich der Raum, sodass er nach kurzer Zeit von Gesprächen, Lachen und klingenden Bierflaschen erfüllt war. Dass Jon Snodgrass die Bühne betrat, fiel zu nächst fast gar nicht auf. Der “Typ mit Brille von Drag the River” freute sich auf jeden Fall wieder, in München zu sein, – gehöre die Stadt nach San Diego und Boston schließlich auch zu einer seiner Lieblingsstädte. Seine Setlist für den Abend gestaltete sich durch Zurufe und er erfüllte ohne zu Zögern die Songwünsche, die entweder aus seinen Soloprogrammen, seiner Band Scorpios oder diversen Kollaborationen entstammten. Sei es “Jessica’s Suicide” oder “Slicked-Back Wig Hair”, so gut wie kein Wunsch blieb unerhört.

Joe McMahon, der in den Staaten mit seiner Band Smoke or Fire unterwegs ist und zuletzt auch bei Nothington aushalf, gesellte sich schließlich auch dazu. Der Wahl-Münsteraner brachte 2016 sein Debütalbum “Another Life” heraus. Im Gegensatz zu Snodgrass gab es zwar kein Wunschkonzert, dennoch hinterließ McMahon die Zuhörerschaft wunschlos glücklich. Jeder Song, sei es “Yesterday”, das Nothington-Cover „In the End“ oder “It all went black”, wurden von einer kleinen Entstehungsgeschichte begleitet.

Was währenddessen Jon Snodgrass hinter den Kulissen trieb, bleibt unklar; jedenfalls tat er sich schwer, den Weg zur Bühne zu finden, als sein Kompagnon ihn hinaus bat. Aber “Buddys”, ein Song, den Snodgrass eigentlich gemeinsam mit Frank Turner aufgenommen hat, wurde dennoch souverän abgeliefert.

Ebenfalls im Publikum vorhanden und einem ähnlichem Schicksal wie Joe McMahon erlegen, befand sich Cory Call, der den Sprung über den Teich gewagt hatte, um in Deutschland ein neues Zuhause zu finden. Früher bei der Americana Roots Rock Combo “Arliss Nancy”, formte Cory in München die Melodic Punk Band “Little Teeth”, die erst dieses Jahr ihr Debüt über Gunner Records heraus gebracht hatte. Und da sich Call und McMahon ohnehin aus Bostoner Tagen kennen, ließ man es sich nicht nehmen, für einen Song gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

So war der Abend geprägt von Liedwünschen und Jamsessions, bei der Snodgrass doch darum bat, dass irgendjemand seine spontanen Songideen aufnehme, um sie ihm per Email zu schicken. Highlight und krönender Abschluss des Abends war es dann, als Snodgrass dem Liedwunsch “Via Munich” nachkam. Von McMahon begleitet, gaben die beiden den Tony Sly-Klassiker zum Besten, um den Song unplugged und inmitten des Publikums zu beenden. Und genauso schnell, wie Jon Snodgrass den Abend eröffnete, genauso schnell nahm er auch an der Bar Platz. Wer mochte, durfte sich ihm anschließen oder noch immer mit “Walking down the streets of Munich” auf den Lippen tun, wonach einem der Sinn stand.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
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Top-Alben Social Distortion - Sex, Love and Rock 'n' Roll, Chuck Ragan - Covering Ground, First Blood - Rules
Die besten Konzerterlebnisse Boysetsfire im Sunny Red, Chuck Ragan in der St. Matthäus Kirche, Aerosmith am Königsplatz, Terror im Underworld/London

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