Judge, Mass Worship, Thin Ice (22.09.2019)

Judge, Mass Worship, Thin Ice (22.09.2019)

Es gab vergangenen Sonntag viele Möglichkeiten, das sonnige September-Wochenende ausklingen zu lassen: Tatort schauen, sich mental auf Montag vorbereiten oder sich die Hardcore-Legenden Judge im Z-Bau in Nürnberg ansehen. Die passende Location, um vorher noch im Biergarten die angenehme Abendluft zu genießen. In Verbindung mit dem Wetter vielleicht sogar etwas zu perfekt wie sich später herausstellen sollte. 

Pünktlich um 20 Uhr eröffneten Thin Ice den Abend. Die erst 2019 gegründete Band aus Schweinfurt hat vor wenigen Wochen erst ihre erste Demo herausgebracht, eröffnete aber schon in den vergangenen Monaten für Bands wie Bold, Empowerment und nun eben Judge. Mit ihrem Sound, der an Risk It oder No Turning Back erinnert, passte die Band auch gut ins Gesamtkonzept. Leider entschlossen sich allerdings zu viele den Abend noch etwas länger draußen zu genießen, sodass kaum Stimmung aufkam. Hörenswert war das Set von Thin Ice aber allemal. Ein souveräner Opener, der nach einer Viertelstunde dann auch schon wieder die Bühne räumte. 

Vorab gab es bereits eine bittere Nachricht zu verdauen: Aufgrund gesundheitlicher Probleme von Scott Vogel, musste World Be Free die komplette Tour kurzfristig absagen. Die „Supergroup“ aus Mitgliedern von Gorilla Biscuits, Youth of Today, Strife, Berthold City und eben Terror wäre zum ersten Mal in Europa unterwegs gewesen. Dieser hochkarätige Support war mit Sicherheit auch ein weiterer Grund dafür, dass viele an dem Abend den Weg nach Nürnberg fanden.

Glücklicherweise fand man mit Mass Worship jedoch schnell einen Ersatz. Die vier Schweden hatten schon in Essen als Support ausgeholfen und praktischerweise einen freien Slot im Tourkalender stehen. In den sozialen Medien fand diese Lösung allerdings keinen so großen Zuspruch, da ihr düsterer Metal nicht so ganz ins Bild zu passen schien. Auch vor Ort in Nürnberg war die Reaktion des Publikums eher verhalten. Nur wenige fanden den Weg vor die Bühne, vielleicht eher aus Neugier, um zu sehen was die ehemaligen Mitglieder von Anchor da inzwischen fabrizieren. Bei einem Headliner wie Integrity oder Tragedy hätte die Geschichte vielleicht schon wieder anders ausgesehen. Aber es hat ausgereicht, das anstehende Debütalbum (erscheint im Oktober) zu promoten und die ein oder andere 7” wechselte am Merch dann auch den Besitzer. 

Nach einer kurzen Umbaupause und weiteren 15 Minuten in denen nichts geschah, war es um 22 Uhr dann endlich soweit: Vom imperialen Marsch aus begleitet, betraten Sänger Mike “Judge” Ferraro, Gitarrist John Porcelli, Bassist und Geburtstagskind Charlie Garriga und Drummer Sammy Siegler die Bühne. Inzwischen hatte auch das restliche Publikum seinen Weg dorthin gefunden, um dann Songs wie “Take Me Away”, “Bringin’ It Down” oder “The Storm” gemeinsam mit Mike ins Mikro zu brüllen. Ausverkauft war die Show freilich nicht, und so fand sich ab und an nur schwerlich eine Auffangstation für die Stagediver. Der Performance der Band sollte das nicht schaden. Auch wenn seit der Gründung 1989 inzwischen ein paar Jahre ins Land gegangen sind, die Jungs haben nach wie vor Bock, obgleich Mike es inzwischen etwas gemächlicher angeht. Zum Ausgleich bellt und knurrt er seine Lyrics mit einer Hingabe ins Mikrofon, dass man es ihm durchaus verzeiht. Und so prügelten Judge eine Setlist raus, die keine Wünsche offen ließ. Als Zugabe holt man ganz zum Schluss noch Andrew Kline von Berthold City/Strife mit auf die Bühne, um mit Warrior den Abend zu beschließen

Auch wenn bei vielen die Enttäuschung groß war, dass World be Free so kurzfristig abgesprungen sind, muss man den Veranstaltern zugute halten wie schnell ein Ersatz gefunden wurde. Natürlich nicht im entferntesten miteinander vergleichbar, aber spätestens bei Judge war sowieso alles wieder vergessen und jeder glücklich.

Headerbild vom Judge-Auftritt in Dresden, fotografiert von Kevin Bethke

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
Top-Alben Social Distortion - Sex, Love and Rock 'n' Roll, Chuck Ragan - Covering Ground, First Blood - Rules
Die besten Konzerterlebnisse Boysetsfire im Sunny Red, Chuck Ragan in der St. Matthäus Kirche, Aerosmith am Königsplatz, Terror im Underworld/London

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