La Dispute, Touché Amoré, uvm.

La Dispute, Touché Amoré, uvm.

LA DISPUTE und TOUCHE AMORE gehören mit Sicherheit zu den meistbeachteten Hardcore-Acts derzeit. Die beiden Bands verbindet nicht nur eine wachsende Fanbase, sondern auch die Freundschaft zueinander- unter anderem resultiert in der Split-EP „Searching for a Pulse/The Worth of the World“.
Die breite mediale Aufmerksamkeit zu ihrem Zweitling „Parting the Sea between Brightness and Me“ (die durchweg positiven Kritiken sprachen für sich) ermöglichten TOUCHE AMORE jetzt eine ausgedehnte Tour um den Globus – was bietet sich da mehr an, als die gemeinsam mit ihren Kumpels von LA DISPUTE zu bestreiten. Außerdem ins Boot gepackt wurden DEATH IS NOT GLAMOROUS und, in deutschen Landen, RITUAL und SOUL CONTROL – der perfekte kleine Hardcorezirkus für die Rockschuppen der Republik also.
Am Samstag, dem 29.07., stand jetzt das Stuttgarter JuHa West auf dem Plan. Die Show war schon Tage vorher restlos ausverkauft – kein Wunder bei so einem Line-Up für so wenig Geld. Die fünf Bands wurden heute nämlich auch noch von MAN OVERBOARD unterstützt.
Die müssen dafür auch pünktlich zur sehr undankbaren Zeit von 19 Uhr auf die Bühne. Draußen ist‘s noch hell und die meisten Leute noch nicht mal da – liegt vielleicht an der S-Bahn, die auf der Strecke zum Juha ein Auto mitgenommen hat. MAN OVERBOARD lassen sich den Spaß trotzdem nicht verderben und machen das Beste aus ihrem zwanzigminütigem Set.
Auch für die darauf folgenden SOUL CONTROL lässt der knappe Zeitplan nicht viel zu – 20 Minuten energische Stagetime, das war’s schon auch. Same with RITUAL – die Bands geben sich redlich Mühe, kriegen aber in den kurzen Bühnenzeiten die Menge nicht bewegt. Das liegt sicher nicht zuletzt an der ausgefallenen Klimaanlage – auch ohne großes Getanze entsteht in dem quadratischen Konzertraum des JuHas zunehmend eine andere Klimazone. Draußen locken dagegen angenehme 15 Grad und die letzten Sonnenstrahlen, was sich für die meisten Gäste dann doch als der bessere Platz für ein Bierchen anbietet. Irgendwie will ja auch nicht so richtiges Showfeeling aufkommen, wenn’s draußen noch hell ist.
Schließlich ist die Sonne weg und zu DEATH IS NOT GLAMOROUS hält sich der Großteil der knapp 250 Gäste dann schließlich im Innern des Juhas auf. Der Konzertraum ist gut voll, einige versuchen von der Tür aus einen Blick auf die fast ebenerdige Bühne zu bekommen, vergeblich – das JuHa West ist für so viele Leute eher schlecht geeignet. Sänger Christian Medaas hetzt von links nach rechts und zurück, doch auch zum schnellen Hardcore-Punk der Norweger macht niemand außer die üblichen paar Typen in der ersten Reihe mit – es ist in dem Mock tatsächlich auch kaum auszuhalten. Ist schon erstaunlich, wie man schwitzen kann, ohne sich zu bewegen.
Plötzlich scheint aber ein Ruck durch die Menge zu gehen – DEATH IS NOT GLAMOROUS bauen noch ab, da ist der Raum schlagartig bis an die Grenzen gefüllt. Spannung wie Luft sind greifbar, man merkt: Fast alle haben auf TOUCHE AMORE gewartet, und jetzt ist es auch egal, dass das Shirt schon vor dem ersten Song komplett durch ist. Unprätentiös stehen die fünf Kalifornier auf der Bühne, machen Soundcheck, und verwandeln den Saal ganz nebenbei in einen energiegeladenen Mob, als Sänger Jeremy Bolm verkündet: „Good ev‘ning everyone, we’re Touche Amore!“
Von da an ist das Juha am Toben: TOUCHE AMORE steigen mit den ersten zwei Stücken ihres Neulings ein, „Tilde“ und „Pathfinder“, und von Sekunde eins bewegt sich eine amorphe, verrückt gewordene Masse unkontrollierbar durch den Saal. Der Schweiß tropft von der Decke, die Menschen schmeißen sich umher, und um Jeremy Bolm bildet sich ein Knäuel von Schreiwütigen, die dem Frontmann von der ersten Zeile an die meiste Arbeit abnehmen. Im Gemenge scheint jeder die Texte zu kennen, was für atemberaubende Momente sorgt: Das Ende von „Honest Sleep“ oder die Schlusszeilen von „Method Act“ bauen sich zu einer wütenden, kollektiven Predigt des Publikums auf, dass schließlich die halbe Bühne belegt. Die Band scheint überglücklich über eine solche Resonanz zu sein und legt eine astreine Show hin. Der Sound ist super, die Songs sauber gespielt, das Set beinhaltet Highlights beider Alben, zwischendurch kommt natürlich auch LA DISPUTE-Frontmann Jordan Dreyer für zwei Stücke von der „Searching for a Pulse/The Worth of the World“-EP auf die Bühne. Zu „Home Away from Here“ betont Jeremy Bolm noch einmal, um was es jedem Einzelnen gehen sollte: „Find a place where you are happy at, that’s what it’s all about. We found this place in the band and are so grateful to play in clubs with our friends where guys like you make us feel like home.” Ein aufrichtiges Dankeschön für ein begeistertes Publikum, das die fünf Amerikaner wirklich zu überwältigen schien. Die Show endet nach einer intensiven halben Stunde mit „Amends“ als außerplanmäßige Zugabe.
So geil der Auftritt auch war, er wurde schon fast zum Nachteil für LA DISPUTE. Zwar sind viele auch wegen dem Quintett aus Michigan gekommen, halten es im Konzertsaal aber nicht mehr aus. Vor den Türen trocknen noch die T-Shirts, während LA DISPUTE ihr Set beginnen. Sicher, es ist immer noch viel los, aber man merkt, dass die Anstrengung vom intensiven Auftritt von TOUCHE AMORE in den Knochen sitzt. Da passt es ja ganz gut, dass LA DISPUTE im Gegensatz zu ihren Freunden insgesamt ein langsameres Tempo fahren, was den Gästen einen guten Ausklang des Abends bietet. Die fünf lassen nichts anbrennen, spielen mit Songs wie „Andria“, „Then again you were right“ oder „See you in Vancouver“ ein gut gemischtes Set und kriegen das Publikum streckenweise auch wieder zum Tanzen. Natürlich kommt auch Jeremy Bolm nochmal für einen Song von der gemeinsamen EP auf die Bühne. Überraschung für viele: Ihren YouTube-Hit „Such small Hands“ lassen LA DISPUTE bewusst aus. Durchaus verschmerzbar, schade eher dass sie „The Last Lost Continent“ nicht wenigstens teilweise bringen.
Schließlich ist die Show vorbei, es ist knapp halb 12. Noch früh genug, um in Ruhe den Schweiß trocknen zu lassen, am Merch mit den Bands abzuhängen und den Abend gemächlich zu beenden. So endet ein ehrliches, mitreißendes Hardcore-Konzert – unter Freunden, zumindest für eine Nacht.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
Die besten Konzerterlebnisse Bier in der Hand, Gänse auf der Haut

Kommentare

  1 kommentar

  1. Seb

    mann ey, das war sowas von geil!

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