Metal Meets Artcore VI – Every Time I Die, Last Witness, uvm

Metal Meets Artcore VI – Every Time I Die, Last Witness, uvm

Geht niemals mit Kater auf ein Konzert. Das macht einfach keinen Spaß. Das Wetter am 10.11. war zugegeben auch nicht besonders spaßig, etwas zwingen musste man sich also schon,  um den Weg ins JuHa West anzutreten. Einmal da, gab’s aber auch eigentlich keinen Grund, den Abend vor der Tür zu verbringen: Was das Metal Meets Artcore Festival da jedes Mal zur kalten Jahreszeit in das kleine, aber sehr konzertfrequentierte Jugendhaus in Stuttgart bringt, ist echt sowas wie das Klassentreffen der harten Schule: Internationale Acts aus Hard- und Metalcore bilden fast nur den Rahmen für einen bunten Markt regionaler Künstler, Plattenlabels und Tätowierer, die Pinsel wie Nadeln schwingen und ihre Werke an den Mann bringen.

Schon bevor also die Musi spielt, hat man genug zu gucken: Malereien, Fotoalben, Artworks, CD-Wühlboxen. Fast schon zu viel zu verarbeitende Eindrücke für den schnapsgeschädigten Schreiber, dummerweise. Der Glühwein ist warm, bringt aber irgendwie auch nichts gegen die ätzende Mischung aus Kreislauf-Nullpunkt und dumpf herum schwebendem Kopf. Selbst zum Kontern schon zu spät. Verdammt.

Chrono aus Ludwigsburg haben das Schicksal, den Opener zu machen – das Newcomer-Quintett muss seinen brachial-melodisch-technischen Metalcore fast schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit loslassen, die raucht nämlich erstmal fertig. Zunehmend wird’s aber voller, worauf Empires Fade und darauffolgend Counterparts die Hardcore-Walze anschmeißen, um Stuttgart platt zu machen. Das Getriebe rattert und dampft, das Publikum steigt dankbar ein – von Anfang an reichlich Bewegung an der Front. Problem eines eher kleinen Zuschauerraums allerdings ist natürlich,dass er schnell voll ist – und wer sich nicht in gefährliche Nähe zu den umherfliegenden Gliedmaßen vorne trauen möchte, kann nicht viel sehen. Eventuelle Katergeschädigte hielten es in der vom Moshpit erzeugten Hitzeluft aber eh nicht allzu lange aus…

Es ist also schön voll, und auch schön warm – super eigentlich für den Winter. Nachvollziehbar aber trotzdem, dass die Leute mal durchatmen wollen, sobald es etwas entspannter wird: Zum Punkrock der Gnarwolves aus Brighton wird heute nicht abgegangen. So sehr die Band auch Spaß an ihrem eigenen Set hat und das zackig wie unterhaltsam durchzieht – die meisten schnappen lieber draußen Luft, und wer drin geblieben ist, ist froh, sich einfach mal mit Mitsingen zu begnügen.

Die Windmühlen werden erst wieder zu Last Witness angeschmissen. Die britischen Hardcore-Groller drehen die Regler wieder Richtung Headliner – Richtung Chaos, Bier, und einer Menge Krawumm: Richtung Every Time I Die. Bisher hatte man auf deutschen Shows den Eindruck,  die exzentrischen wie explosiven Southern-Core-Salven des Fünfers aus Buffalo stießen hierzulande nur in einem seeehr exklusiven Kreis auf Anklang, weshalb die Band in der Vergangenheit auch immer mal wieder verlauten ließ, nicht mehr nach Germany zu kommen. Zum Glück haben sie sich das noch einmal anders überlegt, denn Stuttgart hatte diesmal echt Bock: Zum letzten Akt war der Saal voll und die Meute zumindest vorne ordentlich in Bewegung. Rumgespringe, Stagedives, Ruderboote, kollektive Bühnenpredigt zur vieltatöwierten Zeile aus „Floater“: ‘Drag the lake, you’ll find it full of love!‘ Mit einer geil gemischten Setlist und gut aufgelegten Amerikanern wie Stuttgartern der schweißtriefende Abschluss einer mal wieder sehr lohnenswerten mma-Ausgabe. Wenn da nur dieser Kater nicht gewesen wäre.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
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