Miles Away, Defeater, Fires Of Waco + Support

Miles Away, Defeater, Fires Of Waco + Support

Seit zwei Monaten bin ich nun in Australien und neben deutschem Brot vermisse ich es  am meisten auf Shows zu gehen. Das hat soweit nicht funktioniert, da diese a) zu teuer waren oder  b) einen Tag nach dem ich aus der jeweiligen Stadt abgehauen bin stattfanden. Umso schöner war es zu sehen, dass Defeater und Miles Away zwei Tourstops in Brisbane einlegen, während ich mich dort aufhalte. Also hab ich mich am Freitag auf den Weg zu The Alley gemacht, einem kleinen Hinterhofschuppen mitten in Brisbane, fünfzehn Minuten Fußweg von meinem Hostel. Das ganze war eine extra eingelegte All-Ages Show, da Konzerte hier im Normalfall ab 18 Jahren sind, einen Tag später sollte das Tourpacket dann nochmal in einem anderen Laden ein „normales“ Konzert spielen. Da in Australien alles verdammt teuer ist, durfte ich erstmal 25 australische Dollar am Eingang hinlegen, aber vorne weg: Das sollte sich lohnen!

Einlass war um 18 Uhr, eine halbe Stunde später sollten Open Sea von der Gold Coast wenige Kilometer nördlich von Brisbane den Abend eröffnen. Die Band spielt eine interessante Mischung aus sphärischem und zugleich chaotischem Hardcore, der durchaus zu überzeugen weiß, wenn dem Sänger nicht grade wieder die Luft ausgeht. Diese ist nach oben also auf jeden Fall noch vorhanden, trotzdem war das Publikum recht zufrieden und nach kurzer Zeit begann sich der Raum auch rasch zu füllen.

Als nächstes waren Fires Of Waco (ebenfalls Australien) an der Reihe und man konnte so langsam erahnen, wie viele Leute sich auf den Weg gemacht hatten. An die 200 füllten den Raum fast bis zur letzten Ecke aus. Die Band selbst gefiel mit sehr melodischem, energiegeladenen Hardcore, der irgendwo zwischen The Golden Age und Bands wie Title Fight oder Polar Bear Club anzusiedeln ist. Auch die Aussagen des Sängers hatten Hand und Fuß und somit kann ich behaupten, dass jeder, der die Band nicht kennt mal ein Auge darauf werfen sollte.

Um acht Uhr war es dann so weit: Defeater betraten die „Bühne“, auf der gerade mal das Schlagzeug und mit Glück ein Gitarrist Platz finden konnte. Und die Jungs aus Massachssetts bewiesen einmal mehr, dass sie nach dem Ausscheiden von Bands wie Have Heart, Verse oder Modern Life Is War momentan wohl das Zugpferd schlechthin in Sachen modernem Hardcore sind. Sänger Derek eröffnete das ganze akustisch und emotional mit „I Don’t Mind“ vom im März erschienenen neuen Album und spätestens dort zeichnete sich ab: Platz wird es in dem kleinen Venue keinen mehr geben. Angefangen mit „The Red White And Blues“ verwandelte sich der Laden binnen Sekunden in einen Hexenkessel. Nach zwei Liedern wurde man zu einer Pause gezwungen da das Mikrophon gerissen war, die Gitarre und Bass kaum Platz hatten und das Publikum mit einem Augenzwinkern aufgefordert wurde ein bisschen runterzukommen, da Miles Away ja schließlich auch noch spielen wollten. „…but thank you so fuckin‘ much, this is one of the most amazing crowds I’ve ever seen.“ Einer überragenden Show stand demnach nichts mehr im Wege. Es wurde fast die komplette Lost Ground EP gespielt, einige Songs der Travels und natürlich gab es auch ein paar der neuesten Leckerbissen, „Dear Father“ und „Empty Glass“. Nach beinahe jedem Lied wurde sich für das „unglaubliche Publikum“ bedankt, und die politische und soziale Kompetenz von Dereks Aussagen sind wohl unumstritten. Unterm Strich war das einer der besten Auftritte, den ich bisher erleben durfte, was nicht zuletzt am australischen Publikum lag, Hut ab! Eine kleine Randnotiz: Ich habe Derek nach dem Konzert gefragt warum er auf Shows immer Touché Amoré zitiert – „Because it’s fun! They are some of my best friends and yeah, it works at that point.“

So sollten Miles Away den Abend dann also abschließen, doch merkte man hier, dass die „Local“ Heroes (die Heimatsatdt Perth ist einige tausend Kilometer entfernt) jeder der Anwesenden wahrscheinlich schon mindestens fünf mal gesehen hat (tatsächlich fragten Fires Of Waco für wen es das erste mal sei und es gab ein vereinzelts und beinahe beschämtes „Me!“ zu hören) und so war vielleicht nur noch die Hälfte der Leute anwesend, was Platz für vereinzeltes Violent Dancing und Two Step ließ, wofür sich Miles Away natürlich zur Genüge eignen. Somit sollte das ganze nicht zu einem so überragenden Erlebnis wie noch bei Defeater werden, trotzdem konnten die Jungs mit Songauswahl und Präsenz überzeugen. Angefangen mit „Ghostwriter“, „Final Chapter“ und „Sailor’s Grave“ und geendet wie zu erwarten mit „Brainwashed“ gab es zwischendurch eine anständige Mischung aus alten und neuen Stücken und jeder der Verbliebenen im Publikum schien jede einzelne Silbe zu kennen.

Somit konnte ich um 10 Uhr schweißgebadet, ohne Stimme, doch mit einem Grinsen im Gesicht The Alley verlassen und es lässt sich sagen, dass es australische Shows in sich haben, sollten diese immer so aussehen!

Fotos gibts auf Flickr von Mitch Tynan, einem australischen Fotografen, der mir freundlicherweise auf Nachfrage erlaubt hat seine Fotos zu verwenden. Link: www.flickr.com/photos/mitchtynanphotos/

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben American Football - American Football, Have A Nice Life - Deathconsciousness, Deafheaven - Sunbather, Duster - Stratosphere, Julien Baker - Turn Out The Lights
Die besten Konzerterlebnisse Iron Chic, Comadre, Julien Baker

Kommentare

  2 kommentare

  1. Marc

  2. Sascha Schüler

    Hier noch das volle Set als Video: http://www.youtube.com/watch?v=xKxB2mlNeWs

Hinterlasse einen Kommentar