Never Say Die!-Tour (23.11.2019)

Never Say Die!-Tour (23.11.2019)

Alles Jahre wieder machte die Never Say Die! Tour im Münchener Backstage halt. Pünktlich um 17:30 Uhr ging der Vorhang für Great American Ghost auf. Das Quartett aus Boston hat erst vergangenen September ihr aktuelles Album „Hatred Stems From The Seed“ herausgebracht und machte als Opener eine gute Figur. Der Sound war optimal und auch der Raum vor der Bühne schnell gefüllt – bekanntlich nicht selbstverständlich so früh am Abend.

Nach einer betont kurzen Pause ging es mit Alphawolf aus Melbourne weiter. Band und Publikum wirkten, als gäbe es keine Zeit zu verlieren. Licht aus, losprügeln, Circle Pit – das volle Programm gleich beim ersten Song. Anschließend machte sich kurz Verwirrung breit, die zum Teil später in Enttäuschung münden sollte. Denn Our Hollow, Our Home betraten die Bühne, obwohl laut Facebook-Veranstaltung Polar dran gewesen wären. Vom Sound her könnte man sie als die britische Antwort auf Any Given Day bezeichnen. Und wer sie nicht kannte, hielt anfangs wohl die Vocals von Sänger Connor Hallisey für zu leise abgemischt, da er kaum bis gar nicht zu hören war. Bei seinen cleanen Parts stellte sich allerdings raus, dass der Tonmann gar keine Schuld trug. Halliseys „shouts“ sind einfach eher heiser, herausgepresste Töne, die eher an Strangulation als an Gesang erinnern.

Bevor dann tatsächlich Polar an der Reihe waren, nutzte ein Sprecher von „Hope for a Day“ die kurze Unterbrechung um auf die Arbeit der Organisation aufmerksam zu machen, die sich unter anderem auf Suizidprävention und Aufklärung über psychische Erkrankungen konzentriert. „It’s OK not to be OK“ lautet der Leitspruch der Organisation, die auch von Polar unterstützt wird. Die Jungs aus England stunden ihren Vorgängern im Nichts nach und Adam Woodford schrie sich die Seele aus dem Leib. Auch erste Crowdsurfer waren zur Halbzeit der Show zu sehen.

 

Den Titel des Merchandise-Favorits beim diesjährigen Lineup schienen derweil King 810 ergattert zu haben. Die vier Amerikaner aus Flint/Michigan – besser bekannt als „Murdercity“ – waren zugleich das heimliche Highlight der Tour. Mit ihrem Midtempo-Metal erzeugten sie eine Atmosphäre, die alles bis dahin fröhliche im Keim erstickte. Der verstärkt Bass- und Drumlastige Sound untermalte David Gunns Gesang perfekt. Während er sich akrobatisch über die Bühne wälzte, wirkte er, als würde ihm die letzte verbliebene Sicherung allmählich durchbrennen. Das Quartett genretechnisch einzuordnen fällt schwer – die Musik pendelt irgendwo zwischen Metal und zeitgenössischem Improtheater auf Arte. Dem Publikum gefiel es allerdings und feierte den Auftritt mit Midtempo-Moshpits und auch der anwesende Norbert Buchmacher grinst.

Nachdem sich die düsteren Wolken verzogen hatten, brachten die australischen In Hearts Wake mit ihren eingängigen Melodien wieder etwas Sonne ins Backstage und die München wieder zum Schwitzen. Sehr zur Freude der Securities folgte eine beträchtliche Menge an Zuschauern dem Aufruf von Sänger Jake Taylor zum Crowdsurfen. An dieser Stelle auch mal ein Lob an die Jungs im Graben: Es wurde jeder fein säuberlich in Empfang genommen, selbst Taylor legte mal mit Hand an. Währenddessen verbreitete das Quintett aus Byron Bay weiterhin Strandatmosphäre und so flog auch die ein oder andere Frisbee ins Publikum.

Wie sehnlichst einige den Headliner erwarteten, konnte man daraufhin an den Fangesängen erahnen und Crystal Lake ließen sich nicht zwei Mal bitten. Die Japaner brannten ein gleißend helles Feuerwerk ab und beschworen ihren inneren Oni herauf. Mit ihrer Mischung aus Metal- und Deathcore setzten sie dem ganzen Abend das Sahnehäubchen auf und Sänger Ryo Kinoshita stellte mit seinen Growls alle vorausgegangenen Sänger in den Schatten. Obendrein reichte ihm eine einfache Geste, um eine Wall of Death zu erzeugen, die sich von der Bühne bis zum Mischpult durchzog. Als erster asiatischer Headliner dieser Tour überhaupt, haben Crystal Lake so definitiv ein Statement gesetzt.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
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Top-Alben Social Distortion - Sex, Love and Rock 'n' Roll, Chuck Ragan - Covering Ground, First Blood - Rules
Die besten Konzerterlebnisse Boysetsfire im Sunny Red, Chuck Ragan in der St. Matthäus Kirche, Aerosmith am Königsplatz, Terror im Underworld/London

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