Punk Rock Holiday 1.9 (05.08.-09.08.2019)

Punk Rock Holiday 1.9 (05.08.-09.08.2019)

Tausende leere Gesichter, in die man blickt. Das Bier aus, keine Melonballs mehr. An den meisten Stellen sind nur noch braune Flecken in der Wiese und auch die Musik ist verstummt.

Das Punk Rock Holiday 1.9 ist vorbei. Tolmin in Slowenien kehrt zurück zur Normalität. Jetzt heißt es kurz trauern, duschen und ähnliches, schließlich wartet der Alltag. Glücklicherweise kann man aber natürlich gleich in den Vorfreudemodus für die nächste Ausgabe schalten und das Festival revue passieren lassen.

Montag, 05.08.2019:

Wie schon seit längerem üblich startet das PRH mit einer separaten Warm Up – Show. Fast traditionell werden hier auch Bands aus Slowenien ins Programm genommen. So durften diesen Tag die Lokalmatadoren Multiball eröffnen, gefolgt von Backstage (Slowenien), Golliwog (Slowenien), Templeton Pek (UK) und Fakofbolan (Kroatien) bereiteten sie den Weg für die beiden Hauptacts dieses Tages – und gleich vorweg, die waren eine herbe Enttäuschung.

Not On Tour gaben zwar noch Gas und hauten alles rein, dennoch hatte man immer das Gefühl, dass sich die israelischen Skatepunker einfach auf kleineren Bühnen besser zurechtfinden. Besser sollte es nicht werden, dabei war die Vorfreude auf Pulley (USA) sehr groß gewesen.

Dafür, dass der Sound äußerst bescheiden war, konnte zwar die Band (vermutlich) nichts. Aber dass sich Sänger Scott Radinsky offensichtlich mit allem, was er in die Finger kriegen konnte, zugedröhnt hatte, war dann einfach zu viel des Guten: Daumen ganz weit nach unten.

https://youtu.be/R8db4JME5pQ

Dienstag, 06.08.2019:

Endlich stand der offizielle Start des Festivals an, zuerst natürlich wie immer auf der Beach Stage: Good Blue Monday, Drunktank, One Step Away, TBA, The Mor(R)ons, ants!, Blowfuse und La Armada standen auf dem Programm am Strande der kleinen Tolminka, die hier in die Soca fließt. La Armada sollten hier noch einmal extra hervorgehoben werden. Wann bekommt man schon mal Hardcore aus der Dominikanischen Republik zu hören?

The Bennies (Australien) hatten dann die Ehre mit ihrem Skapunk das Festival „richtig“ zu eröffnen. Allerdings waren es Useless ID (Israel), die den ersten Abriss des Tages veranstalteten – und Good Riddance (USA) brachten ihn mit Nachdruck zu Ende.

Einen schwierigen Stand hatte dagegen Frank Turner. Vielleicht wäre der Brite mit einem früheren Slot besser bedient gewesen, wer weiß. Es war zwar eine wirklich gute Show, aber zwischen Good Riddance und Descendents hat man es einfach nicht leicht.

Jene Descendents (USA) sind ja bekanntlich nicht mehr die Jüngsten. Aber davon merkt man nach wie vor rein gar nichts, klasse.

https://youtu.be/NlA3HrmnNGM

Mittwoch, 07.08.2019:

Wenn man über den Campingplatz schlendert und am Fluss entlang das Festivalgelände verlässt, ein aufblasbares Einhorn auf den Schultern, dann hat man gut eineinhalb Stunden gemütliche Flussfahrt vor sich – und dafür lässt man auch mal die Beach Stage links liegen.

The Ferminants, Exploding Head Syndrome, Stanis, Call Me Malcolm, Pense, Captain Trips, The Raging Nathans und The Depoamines erfüllten den Strand mit Musik an diesem Tag.

Auf der Main Stage startete der Abend wie schon Tags zuvor mit Skapunk, der diesmal von Buster Shuffle (UK) serviert wurde. Was danach geschah, war dann wirklich kriminell. Masked Intruder enterten die Bühne und lieferten zu ihrem Poppunk eine grandiose Show ab. Publikumsbeteiligung wird bei den maskierten Verbrechern ja großgeschrieben, was auch der eigens mitgebrachte Polizist mit Nachdruck forderte.

Der Rest des Tages hatte dann eine doch überraschende Einteilung. Less Than Jake als Headliner vor Pennywise und Sick Of It All. Aber das funktionierte optimal. Pennywise zeigten, was immer noch ihnen steckt, denn mit weniger Wartezeit hatte Fletcher weniger Zeit, sich, wie vor zwei Jahren, volllaufen zu lassen. Sick Of It All zauberten eine sensationelle Hardcoreshow aufs Parkett, die das Publikum zum Ausrasten brachte. Wer hätte gedacht, dass nach einer vollgepackten Bühne bei der „Bro Hymn“ noch genügend Energie vor der Bühne vorhanden ist.

Less Than Jake sollten also alle Hände voll zu tun haben, um für einen würdigen Abschluss des Tages zu sorgen. Aber die Jungs aus Gainesville erledigten die Aufgabe problemlos. Von Gainesville Rockcity aus die Welt zu erobern liegt ihnen einfach im Blut.

https://youtu.be/rvi5qdhjSJ4

Donnerstag, 08.08.2019:

Die Beachstage hatte an diesem Tag wieder einen prall gefüllten Zeitplan und einen Überraschungsgast zu bieten. Fat Mike gab sich die Ehre und spielte bei den Openern Jake & The Jellyfish ein bisschen den Soundmann am Mischpult. Chronos Debe Morir aus Chile, For I Am, No Matter, CF98 und Resolutions folgten. Danach gab es noch zwei der absoluten Highlights des Line Ups der Beachstage. Mit Straightline enterten eine mittlerweile schon fast Institution des Festivals die Bühne und brachten die Menge zum ausflippen, wobei natürlich auch ihre PRH-„Hymne“ von den Vengaboys („BoomBoomBoomBoom“) einen großen Teil dazu beitrug.

Danach kam dann eine der Top-5-Bands dieses Jahres: Much The Same. Mit neuem Album und den Klassikern aus früheren Zeiten konnten sie voll überzeugen. Das Set, das mit „American Idle“ begann und mit „The Great Betrayal“ endete, war sensationell.

Der erste Act auf der Hauptbühne war an diesem Tag Dave Hause, danach standen dann Booze & Glory auf der Bühne – die einzige Band, bei der ich schon vor dem Festival wusste, dass ich sie nicht anschauen werde. Ich verstehe weder den Hype, noch was das auf diesem Festival sollte. So dachten wohl auch einige andere Besucher, denn folgenden Satz habe ich mehrfach gehört: „Wenn die Deutsch singen würden, dann würden die als Grauzone gelten.“ Aber gut, es ging ja auch vorbei und was danach geschah, das grenzte an Körperverletzung.

Mit Iron Reagan standen die diesjährigen Außenseiter auf der Bühne und prügelten gefühlte 50 Songs in 45 Minuten durch. Das war krass, hat riesig Spaß gemacht und trieb einem unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht. Ignite hatten somit ein hartes Los gezogen, denn das war schwer zu toppen. Aber Zoli und seine Gang stimmten die Menge nicht nur sehr gut auf den Headliner ein. Und der war kein Geringerer als NOFX. Tja, über die muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Es war, wie immer, ein tolles Erlebnis. Die üblichen schlechten Scherze, ein Potpourri aus den Hits der letzten 30 Jahre und viel Alkohol. Wunderbar.

https://youtu.be/lPXc2gmNg0s

Freitag, 09.08.2019:

Den letzten Tag eröffneten auf der Beachstage Wild Animals. Danach kamen die Brasilianer 69 Enfermos, denen leider durch eine defekte Gitarre einiges an Spielzeit verloren ging. Die Norweger der Anti-Lam Front waren danach ein weiteres Highlight. Grandiosen Punk in norwegischer Sprache hört man auch nicht alle Tage. Custody, Krang, Sidewalk Surfers und Hit The Switch komplettierten das Line Up.

Auf der Main Stage machten Cigar den Anfang und wer diese Skatepunker noch nicht gesehen hat, der sollte das bei jeder sich bietenden Gelegenheit nachholen. Der Titel ihres Albums „Speed Is Relative“ ist nicht zu Unrecht so gewählt. Alleine, was deren Drummer abzieht, ist enorm beeindruckend.

Mit Pears und PUP folgten dann zwei derzeit sehr gefragte Bands, bevor die vorletzte Band des diesjährigen Punk Rock Holidays auf die Bühne durfte und Teenage Bottlerocket hatten zu jeder Minute die Meute voll im Griff. Speziell war, dass Ray Carlisle seinen Sohn Milo dabei hatte, der den Auftritt mit einem fulminanten Schlagzeugsolo eröffnen durfte. Den Abschluss machten dann wie schon vor zwei Jahren Propagandhi. Ein relativ hartes Set wurde frenetisch gefeiert und ein paar Klassiker wie „Back To The Motor League“ kamen genauso gut an, wie neue Hits a la „Failed Imagineer“. Wer kann, der kann.

https://youtu.be/CqWsreZl_dw

Beendet wurde das Festival dann mit der Karaokeparty auf der Beachstage, bei der die Band Pigs Parliament zur Begleitung der freiwilligen Sänger auf der Bühne stand und Hit um Hit spielte.

Das Punk Rock Holiday im slowenischen Tolmin ist einfach unvergleichlich. Das Ambiente, das Publikum und auch das Line Up sind fast nicht zu toppen. Auch in Gesprächen mit Fans oder Bands bestätigt sich die Begeisterung immer wieder. Ich freu mich wie ein Schnitzel aufs nächste Jahr, dann wird das PRH übrigens zehn Jahre alt. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen.

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Berichte
Top-Alben Pascow - Diene der Party, H2O - Nothing to prove, Muff Potter - Bordsteinkantengeschichten, NOFX - Punk in drublic, Wizo - Uuaarrgh!
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