Sbäm Fest Fall Edition – The Final Chapter (1.-2.11.2019)

Sbäm Fest Fall Edition – The Final Chapter (1.-2.11.2019)

Der Alte Schlachthof im österreichischen Wels ist mittlerweile ein beliebtes Ziel für Punk-Fans. Hier gibt sich das Who Is Who der Szene die Klinke in die Hand. Leider zum letzten Mal fand nun aber die Sbäm Fest Fall Edition statt – und weitere schlechte Nachrichten sollten folgen.

So sagten Guttermouth einige Tage vor dem Festival mal wieder eine Europa-Tour ab. Nicht der erste Vorfall dieser Art, den die Festival-Macher auch nicht unkommentiert stehen lassen wollten:  „We have some shitty news … we found out (a while ago) that there’s a second show of Guttermouth (playing the states) on the same day that they used to play SBAM Fest. We confronted the band immediately with this „rumor“ but we didn’t receive any feedback. No cancellation from the band itself until now. But many of you know that they have canceled their European plans last minute in the past years. So … surprise … they cancelled again. We are really sorry about that and we’ve tried everything.“

Der nächste Tiefschlag sollte folgen, denn einen Tag vor dem Festival wurde bekannt, das auch Raised Fist ihren Auftritt gecancelt hatten – im Gegensatz zu Guttermouth allerdings familiären Gründen. Gleichwohl stand man in Wels nun plötzlich ohne Headliner und Co-Headliner für Tag zwei da. Kurzerhand wurden also Iron Chic zum Headliner befördert und Heathcliff sowie Snuff (Allstars) an Bord geholt.

Die Ehre, das Festival zu eröffnen, hatten nach all den Querelen dann die Lokalmatadoren von The Happy Terrorists mit ihrem sehr Ska-lastigen Punkrock. Danach waren The Special Bombs an der Reihe, über die man auch in unserem Sonntagsbrunch einiges nachlesen kann.

Eine anfänglich sehr gewöhnungsbedürftige Band sind derweil Glue Crew. Punkrock mit Dialekt – in ihrem Fall Punkrock auf Österreichisch – steht halt nicht allzu oft auf der Tagesordnung. Ihr Auftritt aber war sehr sehenswert und auch Wham Bam Bodyslam wussten mit ihrem Folkrock zu überzeugen.

Erstes persönlich Highlight, auf das ich mich schon sehr gefreut hatte, waren dann Not Available aus dem Schwabenland. Wenn man sich auf einen Schlag 25 Jahre jünger fühlt, und sieht, dass auch die Menschen um einen herum genau so feiern, wie die Band auf der Bühne, dann weiß man diese Leidenschaft zu honorieren.

The Dirty Nil waren dagegen einfach gar nichts für mich. Aber das auch sie ihre Daseinsberechtigung haben, sah man an den Reaktionen der übrigen Anwesenden. Rentokill – eine Band, die seit gut zehn Jahren nichts Großartiges von sich hören lassen hatte, entpuppte sich daraufhin als einer der stärksten Acts dieses Festivals. Nach diesen wurde es dann hart, denn das, was Death By Stereo vom Stapel ließen, war gewaltig, schnell und mitreißend zugleich.

Auch der vorletzte Slot am 1. November war hochkarätig besetzt, No Fun At All kann man schließlich gut und gerne zu den absoluten Größen des Skatepunk zählen. Zum Auftakt gab es gleich mal ihre komplette Debütscheibe „Vision“ auf die Ohren. Man merkte allerdings, dass sich der ein oder andere mit dem Geknüppel dieser neun Songs schwertat. Aber als dann die Hits wie „Out Of Bounds“ oder „Master Celebrator“ aus den Boxen dröhnten, war die Stimmung am Kochen.

Zuletzt der Streitfall namens The Bouncing Souls. Grundsätzlich haben die Herren aus New Jersey ein Repertoire aus Singalongs und Hits, um einen Abend sogar ohne Bier zur Megaparty zu machen. Wenn man aber aufmerksam die Show vefolgte, dann kam von der Bühne einfach zu wenig. Irgendwie wirkte der Auftritt wie ein standardisiertes Abspulen von Songs. „Hopeless Romatic“, „Here We Go“ oder „True Believers“ wurden natürlich alle gespielt, aber trotzdem sprang der Funke nicht wirklich über.

 

Den „Problemtag“ eröffneten The Devils Rejects, bevor schon der erste „Notnagel“ auf die Bühne ging. Heathcliff aus dem Großraum München zeigten den Anwesenden dann aber, was man mit Leidenschaft und Liebe zur Musik auf die Beine stellen kann. Ein starker Auftritt, nur leider zu kurz.

Die darauffolgenden Escape Artists – endlich mal eine Band mit Frontfrau – und die nächste Band Igel vs Shark, waren zwar musikalisch beide nicht mein Fall, aber auch hier konnte man einfach erkennen, auf was es ankommt – Spaß und Freude an dem, was man macht.

Die nächste Band, die die Fans auch sichtlich begeistern konnte, waren Swallow´s Rose. Auch über sie könnt ihr in unserem Sonntagsbrunch weitere Infos einholen. Die Niederbayern zeigten eine tolle Show und konnten mit ihrem qualitativ sehr hochwertigen Punkrock alle überzeugen. Nur diese elendigen Ramones-Coverversionen, braucht es die wirklich?

Guns N Wankers dagegen taten sich schwer, das war einfach etwas zu langweilig, was Duncan Redmonds und seine zwei Kollegen da zeigten. Ganz anders Buster Shuffle – hör mir auf, was war das für eine tolle, energetische Show. Ihr punkiger Ska mit viel Klavierunterstützung riß die komplette Halle im Handumdrehen mit.

Den Anfang vom Ende läuteten die Australier Clowns ein, die ja auch ein heißer Anwärter für den Titel Album des Jahres sind – nd mit ihrer fetten Hardcore-Punk-Phow untermauerten sie diesen Anspruch auch live.

Snuff (Allstars) – dieser Name kam überraschend und durch die Absagen von Guttermouth und Raised Fist auf die Karte. Da Duncan Redmond ja eh schon vor Ort war, hatte man sich kurzerhand dazu entschlossen, einen etwas abgemagerten Snuffauftritt ins Programm zu nehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Ohne Posaune oder Orgel klangen die Songs zwar anders, aber wer die Melodien von „Nick Northern“ oder „Whatever Happened To The Likely Lads“ sowieso im Kopf hat, der hat die fehlenden Instrumente einfach selber hinzugefügt. Das war super und auch sehr lustig. Danke dafür, Mister Redmond.

 

Schwieriger wurde es mit Rantanplan. Als damals die LP „Kein Schulterklopfen (gegen den Trend)“ erschien, war das eine Art Offenbarung. Und „Köpfer“ toppte diese Erkenntnis sogar. Leider ist mir dann aber die Leidenschaft für diese Band etwas abhanden gekommen. Der Zugang zu ihrer Musik ist nicht mehr so da wie früher und daher fand ich den Großteil des Auftritts nicht berauschend. Die alten Songs sind in meinen Augen einfach besser. Dennoch hat es mich sehr gefreut, die Paulianer mal wieder live zu sehen.

Iron Chic als Headliner, damit hatte wohl vor ein paar Tagen keiner gerechnet. Es ist ehrlich gesagt auch schwierig, sich mit dem Gedanken abzugeben, denn eigentlich sind sie nicht zwingend erste Wahl, um einen Festivaltag abzuschließen. Dennoch haben New Yorker einen super Auftritt hingelegt und ein tolles Fest zu einem tollen Abschluss gebracht.

 

 

 

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
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