The Menzingers, Spanish Love Songs, Mannequin Pussy (31.01.2020)

The Menzingers, Spanish Love Songs, Mannequin Pussy (31.01.2020)

Mildes Wetter und ein traumhaftes Line-Up auf dem ehemaligen Gelände der Kultfabrik – gute Voraussetzungen für einen mindestens ebenso guten Abend. Und so herrschte schon zu Opener Mannequin Pussy ausgelassene Stimmung. Der Vierer aus Philadelphia beackerte mit seinem Mix aus Punkrock, Chaos und Glitzerkleidchen die Bühne, als gäbe es kein Halten. Ob das zum Teil übersteuerte Mikro von Sängerin Marisa Dabice teil der Darbietung war, lässt sich schwer sagen. Definitiv aber traf die Mischung aus eingängigen Melodien, gepaart mit regelmäßigen Gefühlsausbrüchen auf ein gut gelauntes Münchner Publikum. 

Für den zweiten Act des Abends, Spanish Love Songs, wurde auf alle Fälle saubere Vorarbeit geleistet und die Zuhörer waren auf Betriebstemperatur als der Hüne Dylan Slocum mit seinen Kumpanen die Bühne enterte. Ihr Emo-Punk fügte sich hervorragend ins Line-Up. Netterweise hatte das Quintett aus Los Angeles genau eine Woche vor Veröffentlichung schon ihr neues Album “Brave Faces Everyone” mit im Gepäck. So konnten sie auch im inzwischen vollen Technikum feststellen, dass das neue Material wie z.B. “Kick”, gut beim Publikum ankommt. Stilistisch hat man sich nicht allzu sehr vom Vorgängeralbum “Schmaltz” entfernt, so viel sei schon mal gesagt. Und bei Songs wie z.B. “Sequels, Remakes and Adaptions” oder “Otis/Carl” sind die Zuhörer inzwischen erstaunlich textsicher. 

Der Hauptact des Abends, The Menzingers, hatte durch ihren Support leichtes Spiel und wurden euphorisch beim Betreten der Bühne gefeiert. Erst vergangenes Jahr hatte der Vierer aus Scranton im Bundesstaat Pennsylvania das aktuelle Album “Hello Exile” rausgebracht. Songs wie “America (You’re Freaking Me Out)” oder “High School Friend” durften entsprechend nicht fehlen. Das die Amerikaner gerne nach München kommen, sollte klar sein – immerhin punktet die Stadt schon allein mit dem Stadtteil “Menzing”, gefolgt von der “Menzinger Straße” und diversen “Menzinger”-Gaststätten. Ob sie diesmal Zeit hatten genannte Lokalitäten aufzusuchen?

Menzingers lieferten in jedem Fall einen durchaus ausgewogenen Mix aus letzten Veröffentlichungen und Songs wie “I don’t wanna be an asshole anymore”, “Thick as Thieves” oder dem Clash-Cover “Death or Glory”. Dabei sangen sogar die hintersten Reihen während dem Biernachschub ab und an mit. Krönender und passender Abschluss zur Zugabe bildete natürlich der Rausschmeißer “After the Party”. Und damit wurde die Meute dann ins wohlverdiente Wochenende entlassen. Auch wenn das ehemalige Partyviertel der Stadt inzwischen großteils Wohn- und Bürogebäuden weichen musste, ist es ein Trost zu wissen dass ein bisschen Subkultur erhalten geblieben ist und hoffentlich nicht ganz so schnell auszusterben droht. 

 

Headerbild vom Spanish Love Songs-Auftritt in Hamburg, fotografiert von Florian Nielsen

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