The Rise Fest 2011

The Rise Fest 2011

Vor gut einem Jahr fand das The Rise Fest in Hannover zum ersten Mal statt und das Feedback der Besucher war atemberaubend. Immerhin füllte das The Rise eine Lücke in Norddeutschland, denn die großen Hardcore-Festivals lagen entweder mit dem New Noise im Süden der Republik, mit dem Light In The Dark im Westen oder mit dem Sucks‘n‘Summer im Osten. Auch kein Wunder war es bei Bands wie Ruiner, Carpathian, Just Went Black oder Ritual, dass schon am frühen Nachmittag das komplette Kontingent an Karten ausverkauft war. In diesem Jahr fand das The Rise Fest nun zum zweiten Mal statt. Mit erstklassigen Bands wie Soul Control, Lemuria oder Death Is Not Glamorous und Newcomern wie Sailing On oder Endbringer war auch dieses Jahr für jeden etwas dabei.

Sailing On eröffneten das Festival vor einer leider überschaubaren Ansammlung von Menschen. Das war sehr schade, denn die Karlsruher zählen wohl ohne Fragen zu den wahrscheinlich besten Newcomern in der deutschen Szene und verdienen so mehr Aufmerksamkeit. Gespielt wurden überwiegend Songs des gerade erschienen Debütalbums „Hinterland“ (die Band bietet es im Übrigen kostenlos zum Download an, also unbedingt runterladen) die wirklich überzeugten und das The Rise Fest so gut einleiteten. Endbringer, die als Zweite an der Reihe waren, hatten ebenfalls mit den nur sporadisch im Raum verteilten Zuschauern zu kämpfen. So war das Loch vor der Bühne sogar noch größer als zuvor bei Sailing On. Woran das lag kann ich mir nicht erklären, zwar servierten Endbringer den deutlich härtesten Hardcore an diesem Tag, aber die Leistung der Band war mehr als gut. Gespielt wurde neben Songs von dem im letzten Sommer erschienenen Debüt „Empoison The Harvest“ auch ein neuer Song namens „Baptists“. Dieser wird auf der kommenden 7“, die Ende des Jahres erscheint, zu finden sein. Der neue Sänger der Band, Kresho, brachte die alten wie auch den neuen Songs trefflich und überzeugend rüber. Ein guter Auftritt der Essener!
Mit 1000 Degrees stand gegen 16:30 Uhr eine Band auf der Bühne, die eigentlich niemand so wirklich kannte. Die Italiener schlugen mit ihrem experimentellen Post-Hardcore-Indie-Gemisch zwar irgendwie die Brücke zwischen den anderen Bands im Programm, kamen beim Publikum aber nicht wirklich gut an. Vielleicht lag das wirklich daran, das keiner die Band kannte, oder dass der Gitarrist im Ende des Sets einfach mal seine Eier aus der Hose holte.
Wie dem auch sei, Maury Wood, ebenfalls aus Italien, servierte ein tolles Set für Fans von Chuck Ragan, Frank Turner und The Gaslight Anthem. Warmer, herzerfüllter Punkrock mit Folk-Elementen, der von einem sympathischen Menschen vorgetragen wurde. Eine perfekte Mischung also. So bekam das Urgestein der italienischen Hardcore-Szene nicht wenig Applaus, auch wenn der Raum nur minimal mehr gefüllt war als zu Anfang des Tages.
Nachdem Worms Feed leider kurzfristig absagen mussten, waren nun Evenworse aus Schweinfurt an der Reihe und spielten ohne Kompromisse ihr Set. Selbst die angetrunkenen, älteren Semester die sich vor der Bühne breit machten wurden kurzerhand mit integriert, zur Freude des Publikums. Ein schlechtes Wort kann man am Auftritt der Jungs also nicht lassen, rauer Hardcore mit Sympathiebonus. Punkt.
Die Zeit, die durch den Ausfall von Worms Feed gewonnen wurde, rinn nun wieder dahin: Cheap Girls und Lemuria standen im Stau und waren so auch 10 Minuten nach dem Auftritt von Evenworse noch nicht da. Die Bühne war leer und das Publikum vergnügte sich an der Bar oder am Stand des Tofuclubs aus Recklinghausen.
Mit knapp einer halben Stunde Verspätung betraten Cheap Girls aber endlich die Bühne und zogen ihr Set schnurstracks durch, denn man musste ja Zeit wieder gut machen. Auch Lemuria entschuldigten sich während ihres Auftrittes mehrmals. Aber beiden Bands verzeiht man das gerne, denn die Auftritte waren mehr als gut und sorgten dafür, dass sich der Raum mehr und mehr mit Menschen füllte. Zum Glück, denn der Abend näherte sich so langsam dem Ende, immerhin standen nur noch drei Bands auf dem Programm.
Ritual und Soul Control spielten am Nachmittag dieses Tages schon auf dem Move Your Ass-Festival in Schneverdingen und so könnte man meinen, die Bands wären ausgelaugt. Da das Festival nach Meinung der Bands aber nichts weiter als eine öffentliche Probe war, konnte man auf dem The Rise alles geben. Ritual, gewohnt routiniert und energisch, spielten eine gute Mischung aus Songs der letzten drei großen Veröffentlichungen „Wolves“, „Beneath Aging Flesh And Bone“ und dem aktuellen „Paper Skin“. Während die neuen Songs sichtlich weniger gefeiert wurden als die älteren, war die Stimmung vor der Bühne dennoch die ganze halbe Stunde lang ausgelassen und gut. Man kann dieser Band live eben einfach nichts vorwerfen und besonders das abschließende „Reaping Loneliness“ krönte den Auftritt. Schade war es, dass bei Gitarrist Deni scheinbar der Wurm drin war und so der Auftritt kurz unterbrochen werden musste, da seine beiden Gitarren nicht wirklich mitspielen wollten an diesem Abend. Trotz alledem aber ein gelungener Auftritt, wie auch schon im letzten Jahr. Soul Control, die zusammen mit Ritual bereits drei Wochen tourten, glänzten durch gute Ansagen und eine Setlist, welche einen Querschnitt durch die ganze Geschichte der Band lieferte. Es gab also gleichermaßen etwas auf die Ohren, wie auch für die Augen. Sänger Rory war nämlich der freizügigste an diesem Abend und entledigte sich schon nach dem ersten Lied nahezu aller seiner Klamotten. Insgesamt ein druckvoller Auftritt, bei dem die alten wie neuen Songs der Band aus Rhode Island überzeugten. Selbst das moshende Duo vor der Bühne störte da wenig.
Den Abschluss des Tages bildeten Death Is Not Glamorous. Über die Qualität der Band aus Oslo braucht man nicht viele Worte verlieren. Live wie auch auf Platte ist die Kombo schon seit Jahren eine Institution. Dieses Bild manifestierte die Band auch an diesem Tag mit ihrem Auftritt. Obwohl es für Death Is not Glamorous der letzte Tag einer mehrwöchigen Tour mit La Dispute und Touche Amore war, wurde gefeiert – Auf wie auch vor der Bühne. Ein gelungener Abschluss des Tages, ohne Schnörkel und ohne Makel.

Es war ein langer aber guter Tag in Hannover mit vielen guten Bands, aber leider zu wenig Publikum. Woran das lag ist mir schleierhaft.
Vielleicht lag es daran, dass das The Rise Fest dieses Mal an Exklusivität vermissen lies. Viele der Bands die dieses Jahr spielten waren bereits mehrere Wochen auf Tour und die exklusiven Auftritte von Evenworse oder Endbringer zogen zu wenig Menschen an. Im letzten Jahr stand man da mit Just Went Black, Goldust oder Tackleberry besser da, die ja zu dem Zeitpunkt nicht auf Tour waren und so relativ exklusiv in Hannover spielten.
Leider war das Wetter auch nicht ganz so gut wie beim letzten Mal, wo einem die Sonne nur so auf den Pelz schien. So huschte das ein oder andere Mal ein Regenschauer über das Musiktheater Bad, der Gott sei dank nach wenigen Minuten aber schon wieder vorbei war.
Hoffen wir, dass das The Rise Fest im nächsten Jahr wieder mit mehr Exklusivität und mehr Zuschauern glänzt, es wäre wirklich zu wünschen. Aber es kann eben nur einmal perfekt laufen und im letzten Jahr war es wirklich zu perfekt.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  2 kommentare

  1. cr!t

    Auch wenn sich die Zielgruppen nicht allzu sehr überschneiden, kann es auch daran gelegen haben, dass im selben Zeitraum das Dockville-Festival in Hamburg, und das Rüt’n-Rock Festival im Emsland stattgefunden haben. Ich konnte z.B. nicht kommen, weil ich beim Rüt’n Rock geholfen habe.

  2. Patrick Siegmann

    Stimmt, das kann durchaus sein. Aber auch im letzten Jahr hat sich bestimmt irgendetwas überschritten.

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