Verse, Ritual, Soul Control, Anchor

Verse, Ritual, Soul Control, Anchor

Verse sind zurück. Keine andere Nachricht hat in den vergangenen Monaten die Hardcoreszene so gespalten wie diese. Die Band aus Providence, Rhode Island befindet sich auf Reunion-Tour in Europa, nachdem man vier Jahre lang keinen Fuß auf den europäischen Kontinent gesetzt hatte. Für viele, insbesondere jüngere Fans, natürlich der Moment, Verse endlich live erleben zu können. An diesem Montag waren die alten Helden nun in Braunschweig zu Gast, gemeinsam mit Soul Control und Ritual, mit denen man ja auf Tour war, und Anchor.

Den Anfang in Braunschweig machten in diesem Abend ebene jene Jungs von Anchor. Anchor, so kommt es mir jedenfalls vor, sind so gut wie dauerhaft auf Tour. Die Schweden sind damit wohl, und das bestätigte Verse-Frontmann Sean an diesem Abend auch noch mal mit einer Ansage, eine der hart arbeitensten und passioniertesten Bands die es momentan gibt. Und qualitativ, so muss man sagen, haben Anchor live, wie auch auf Platte, ordentlich was auf dem Kasten. Das Publikum kam leider nicht so wirklich in Fahrt, was vielleicht auch noch an der frühen Uhrzeit lag, immerhin war es erst kurz nach 8 und der Saal im B58 gerade mal knapp über die Hälfte gefüllt. Die Setlist der Kombo aus Malmö und Stockholm bestand überwiegend auf Songs der neusten LP „Recovery“, wobei bei „No Love“ natürlich der Gastauftritt von Sean von Verse nicht fehlen durfte. Auch wenn das Publikum so gut wie nicht beteiligt war und auch kaum gemoshed wurde, war das ein guter Auftritt ohne Schnörkel und Ausfälle.

Soul Control sind auf ihrer dritten Europa-Tour. 2009 war man mit Balance unterwegs, 2011 mit Ritual und nun mit Verse und erneut Ritual. Für die Band, die wie auch Verse aus Rhode Island kommt, war es sicherlich wunderbar, nur mit guten Freunden auf Tour zu sein und das sah man Soul Control an. War das Publikum am Anfang noch recht zurückhaltend, kam es durch tolle Ansagen und die gute Show von Sänger Rory doch nach den ersten zwei, drei Songs gut in Fahrt. Die Band auf der Bühne hatte Spaß und so auch die Zuschauer davor. Ein Rund um gelungener Auftritt, auch wenn Soul Control einen Stil von Hardcore spielen, der mehr Anleihen von Alternative- und Progressive-Rock a la Dinosaur Jr. hat als von Punk, wusste die Band zu überzeugen und ich muss sagen, dass sich Soul Control in den letzten Jahren (ich habe sie bereits 2009 und 2011 gesehen) immer wieder gesteigert haben. Auch die neuen Songs der gerade über Bridge 9-Records erschienen EP „Bore Core“ wussten zu überzeugen.

Und nun ein paar Zeilen mit Wehmut: Ritual spielten das dritte und letzte Mal in ihrer Karriere in Braunschweig (2010 spielten sie mit Reason To Care und Way Down in Braunschweig und 2009 mit Carpathian und Anchor). Die Band aus Recklinghausen wird sich im September auflösen. Grund genug, an diesem Abend noch einmal alles zu geben – für Band und Publikum. Das Set enthielt nahezu alle großen Hits der Band: Von „Nation Of Flies“, „Clouds“ über „Stone And Glass“ bis zu „Absolute Devotion“. Auffallend war jedoch, dass allgemein, und nicht nur bei den neueren Songs von „Paper Skin“, wenig Interaktion von Seiten des Publikums zu vernehmen war. Das ist schade, da besonders diese Platte, wenn sie auch anders als die vorherigen Veröffentlichung von Ritual sein mag, das persönlichste und puristischste Werk der Band ist. Nichtsdestotrotz keineswegs ein enttäuschender Auftritt, ganz im Gegenteil: Ritual begeistern immer wieder, auch kurz vor ihrer Auflösung.

Gegen 22 Uhr standen dann Verse auf der Bühne, nachdem zuvor noch kurz Veezer an der Reihe waren. Veezer, das ist die wohl beste Weezer-Coverband überhaupt (glaubt man den Mitgliedern, und die spielen ja immerhin bei Verse und Soul Control).
Nach diesem kurzen und durchweg unterhaltsamen Intermezzo war es dann soweit: Der Raum war bis in die letzten Ecken gefüllt, die Show war ausverkauft und schon bei den ersten Riffs ging es rund. „Can I have more photgraphers on the monitor please?“ gab nach dem ersten Song „The New Fury“ der Gitarrist von Verse zum Besten, immerhin waren vier Leute mit Kameras auf und vor der Bühne nicht gerade wenig, wo diese doch eh relativ klein war. Verse aber ließen sich vom Blitzlichtgewitter nicht beirren, ob nun bei „Suffering To Live, Scared To Love“, „Start A Fire“ oder der abschließenden „Story Of A Free Man“. Passend gewesen wäre auch der Spruch „Can I have more stagedives on the monitor please?“, denn davon gab es an diesem Abend auch nicht gerade wenig.
Verse sind natürlich eine gute Band, die zurecht gefeiert wird, aber wer sie auf ihrer (in Anführungszeichen) „letzten“ Tour vor vier Jahren schon mal gesehen hat, der wird merken, dass doch etwas an Energie verlorengegangen ist. Man wird ja eben doch nicht jünger. Und die neuen Songs, von denen Verse an diesem Abend zwar nur drei Stück zum Besten gaben, konnten, zumindest mich, live nicht wirklich mitreißen.
Wie dem auch sei, es war sicht- und hörbar für alle Zuschauer ein toller Abend mit vier tollen Bands, die durchweg gut waren und ob die Reunion von Verse wirklich so gefeiert werden sollte, das ist eine andere Geschichte. Ich war eh immer schon mehr der Have Heart-Fan.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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