.dunctonwood – Interview

.dunctonwood - Interview

.dunctonwood – Interview

.dunctonwood ist ein Onlineradiosender, der von jungen und musikbegeisterten Menschen gestaltet und verwaltet wird. Wir haben mit dem Gründer Torsten und Phi Tan, einem weiteren Mitglied der „dunctonwood-Familie“, über ihr Projekt  gesprochen.

Wie kommt man auf die doch außergewöhnliche Idee einen Radiosender zu gründen? Torsten:

Auf die ganze Webradio-Geschichte aufmerksam gemacht hat mich ein Freund, Kai, der mir erzählte, man könne bei laut.fm sich für die Betaphase eines User Generated Radios bewerben. Da ich zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem neuen Projekt war habe ich mir die ganze Sache einmal angeschaut und mich beworben. Am Anfang war das nur Spielerei, aber mit der Zeit habe ich dann angefangen mir Freunde ins Team zu holen und die ganze Sache ist immer weiter gewachsen. Und trotzdem ist es für uns immer noch ein kleines Abenteuer, eine Herausforderung, wie wir einen Radiosender gestalten und welche Möglichkeiten wir mit der gesamten kleinen Welt haben, die um .dunctonwood herum gerade entsteht.

Phi Tan:

Ich bin erst später zum Team hinzugestoßen, nachdem ich auf  .dunctonwood aufmerksam geworden bin und einige Teammitglieder bereits vorher kannte – wie z.B. Alex. Das Grundgerüst und –konzept stand da bereits, die Idee hat mich sofort gereizt. Vor allem, da ich selbst zu dem Zeitpunkt überhaupt kein Radio mehr gehört hatte und darin einen Weg sah, dies zu ändern – sowohl für mich, als auch andere, die sich für ähnliche Musik interessieren.

Wolltet ihr einfach nur eine Alternative zu den etablierten Radiostationen sein oder gab es noch andere Ziele?

Phi Tan:

Ich denke, ich kann für das gesamte Team sprechen, wenn ich sage, dass „einfach eine Alternative sein“ niemandes Ansprüchen genügen würde –und unseren Hörern sicherlich auch nicht. Eine Alternative zu sein ist sicherlich eins von mehreren Motiven, aber Ziele haben wir andere. So haben wir z.B. im letzten Jahr auch damit angefangen, Konzerte mit Bands aus unserem .dunctonwood-Kosmos zu veranstalten und haben vor, dies fortzusetzen und auszubauen. Wir sehen uns als Plattform, wo sich Musikbegeisterte, Musiker oder einfach Interessierte sich austauschen können – und dabei ziehen wir keine Grenze zwischen Team, Mitwirkenden oder unseren Hörern und Supportern. Jeder kann mitmachen. Wir haben natürlich konkrete Vorstellungen, wohin wir wollen, wohin nicht und diskutieren das auch regelmäßig. Einfach alternativ zu sein, reicht da nicht. Zumal man heutzutage bei so vielem „alternativem“ eh nicht mehr weiß, wozu es noch die Alternative sein soll. Letzten Endes bündeln wir unsere gemeinsame Begeisterung für verschiedenste Musikstile, Denkweisen, Lebensbereiche, die da mit einfließen können, und versuchen andere Menschen mitzureißen. Torsten würde sagen: „Wir können alles und alles können wir sein“.

Torsten: „Eigentlich singen das ja die Jungs von Turbostaat. Aber mittlerweile ist das schon zu einer Hymne für unser kleines Radio geworden, das wir es als Leitspruch adaptiert haben.“

Was für Schwierigkeiten ergaben sich im Laufe eurer Planungen?

Torsten:

Einen wirklichen Plan für das ganze kann man glaube ich nicht entwerfen, dafür ist das alles viel zu großes Neuland für uns. Was uns dabei hilft ist eine strukturierte Vorgehensweise und vor allem das große Team. Wir haben so vielfältige Charaktere versammelt, das wir mit verschiedenen Blickwinkeln und Erfahrungen an die ganze Sache gehen können, was die ganze Sache auch so spannend macht. Herausforderungen gibt es immer wieder, die größten sind eigentlich die ganz simplen Sachen: wie mobilisiere ich Hörer. Oder die Frage, wie man einen Sendeplan aufeinander abstimmt, ohne das es  Übergänge gibt, welche wie Wände wirken, aber auf der anderen Seite auch die Eigenheiten der Sendungen nicht unter de Tisch fallen. Auch die Finanzierung des ganzen ist jedes mal wieder ein kleiner Kraftakt.

Phi Tan:

Ich kann Torsten da in allen Punkten nur zustimmen. Wir sind noch im Wachstum und suchen unseren Weg. Bisher funktioniert das meiner Meinung nach sehr gut und vielversprechend. Von den genannten Schwierigkeiten kann ich gerade in punkto Finanzierung das Wort „Kraftakt“ nur noch mal betonen. Momentan sind es  nur die Konzerteinnahmen und Spenden der Teammitglieder, die dieses Projekt ermöglichen, das ja im Grunde ein DIY-Projekt ist. Aber da wir noch weiter gehen wollen, suchen wir natürlich nach weiteren Möglichkeiten, sinnig Geld zu machen und werden bald auch Merchandise anbieten.

Was den Sendeplan angeht, bin ich einfach froh, dass Torsten das macht, haha.

Inzwischen habt ihr ja einen festen Kreis an Hörern. Wieviele Hörer lauschen euren Sendungen denn so im Schnitt? Nur damit man mal eine Vorstellung hat, wieviele Leute ihr erreicht.

Torsten:

Das ist schwer zu sagen, da die Hörerzahlen durch viele Faktoren beeinflusst werden. Es kommt immer darauf an wie viel Werbung für eine Sendung gemacht wurde, wie regelmäßig der DJ eine neue Playlist erstellt und eben auch, wie die Sendezeiten sind. Und was wir gemerkt haben: Es kommt ganz stark auf das Wetter an, haha. Im Schnitt werden wir pro Tag 300-400mal eingeschaltet, unsere Spitzenwerte bei Sendungen liegen knapp über 30 Hörern. Einen Zuhörerschnitt kann man aber nicht konkret nennen. Dafür sind einfach auch Sendungen dabei, die einen sehr speziellen Geschmack bedienen und wo Leute, die ungezielt einfach das Radio einschalten recht schnell wieder ausschalten. Wir freuen uns natürlich immer, wenn die Hörerzahlen die 20er Marke knacken, aber wenn man zum Beispiel ein sehr persönliches Feedback von unbekannten bekommt, die einem erzählen das man seit einem halben Jahr regelmäßig die Sendung hört, dann wiegt das auch eine eher „schlechte“ Einschaltquote auf. In der letzten Zeit lässt sich bei den Hörerzahlen auf jeden Fall ein leichter Aufwärtstrend beobachten.

Phi Tan:

Torsten hat die Frage ja schon ausführlich beantworten. Anzumerken wäre vielleicht noch, dass die Hörerzahlen nicht unser Hauptaugenmerk sind. Zumindest ist mir persönlich aufgefallen, dass darüber bei den Teamsitzungen und auch im Forum nie gesprochen worden ist. Ich mache z.B. drei Sendungen, bei denen die von Torsten genannten Faktoren sich jeweils sehr unterschiedlich in der Hörerzahl niederschlagen. Ich erreiche sowohl die Spitzenwerte, als dass ich auch Sendungen nur für mich mache. Macht dadurch nicht weniger Spaß.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft von Dunctownwood? Wie groß soll das ganze Projekt noch werden, wenn es nach euch gehen würde?

Phi Tan:

Nun, wie bereits erwähnt sind es wohl vor allem die Konzerte, die wir etablieren wollen. Mit dem JKC in Troisdorf haben wir eine seit Jahren (nicht nur lokal) bekannte Konzertlocation, überlegen natürlich dennoch, wo wir sonst noch unter günstigen Konditionen unsere Events in Zukunft veranstalten können. Wir sind ständig auf der Suche nach Bands, die bei uns auftreten wollen, die dazugehörigen After-Show-Partys mit unseren Radio-DJs sollen noch mehr Besucher locken – da ist also schon einiges zu tun.

Ein anderer Schritt Richtung Etablierung ist der baldige Launch unserer Website. Diese soll .dunctonwood in einem neuen, schönen Gewand klarer und griffiger präsentieren. Unsere social media Profile erfüllen dann ihren vorteilhaftesten Zweck: direkte Kommunikation, so unmittelbar und schnell wie möglich und nötig. Quasi dazwischen steht dann unser Forum, wo wortwörtlich jeder mitmachen und –reden kann; Team, Hörer und Schreibwütige.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass wir erstmal ein festes Fundament schaffen wollen, bevor wir darüber Gedanken verlieren, wie groß es noch werden soll. Das wird schon schwer genug sein – aber umso mehr freuen wir uns darauf.

Torsten:

Vor allem in den letzten Monaten wurden viele Schritte unternommen, um uns eine solide Basis zu schaffen, auf der wir aufbauen können. Nach außen hin am deutlichsten ist hierbei wohl die Arbeit unseres neuen Grafikers Reno von avantgarde87.de, welcher uns in den letzten Wochen einen völlig neuen Look verpasst hat. Außerdem haben wir unsere ersten beiden Konzerte veranstaltet, die beide eine sehr positive Resonanz nach sich gezogen haben. Unser Sendeplan wurde neu strukturiert, wir haben, wie Phi Tan schon sagte, unser Forum online gestellt und es wurden neue Flyer und auch Aufkleber in Auftrag gegeben. Gerade vor ein paar Tagen ist eine Merchandise-Sammelbestellung abgesendet worden, wo Teammitglieder und Hörer rund 80 Shirts und Beutel bestellt haben. Eine Zahl, von der wir nicht einmal geträumt haben. Wir wünschen uns für die Zukunft vor allem, dass wir uns etablieren und in den Köpfen festsetzen können. Daher ruhen wir uns nicht auf solchen Erfolgserlebnissen aus, sondern arbeiten weiter konsequent an noch bestehenden Baustellen und an einem weiteren Ausbau des Mikrokosmos .dunctonwood.

Warum findet ihr es wichtig, dass Hörer und die Radio-Mannschaft ein Team bilden?

Phi Tan:

Es ist tatsächlich so, dass wir viel Wert auf den Mitmach-Gedanken legen, es fühlt sich für uns auch sehr familiär an. „Familie“ passt wahrscheinlich auch besser, als „Team“. Wir regen unsere Hörer und Konzertbesucher auch stets dazu an, sich an .dunctonwood zu beteiligen, egal in welcher Form sich das ausdrückt, sei es das Einschalten der Lieblingssendung oder eine uns gewidmete Postkarte (was uns übrigens sehr gefreut hat). Wichtig ist uns das vor allem deshalb, weil wir selbst Fans, Musiker, Hörer sind und hinter .dunctonwood keine professionellen Ambitionen steckten. Damit diese Familie weiter wachsen und noch mehr schaffen kann, ist es daher wichtig, dass die eingeschlagene Richtung eine ist, die wir möglichst alle wollen. Wir als tatsächliches Team geben die Richtung vor – aber wir wollen schon, dass die Leute uns auch folgen. Das heißt auch, dass sie sich im Zweifelsfall beschweren dürfen und erhört werden. Abgesehen davon darf die Inspiration und die sich ergebenden Möglichkeiten, die dieser Input mit sich bringen kann, nicht unterschätzt werden.

Torsten:

Es ist für uns immens wichtig, eine Bindung zu unseren Hörern herzustellen. Wenn jemand einmal unser Radio einschaltet ist das eine schöne Sache, ein Erfolg ist es aber erst dann, wenn er danach sagt: Das hat mir gut gefallen, das Drumherum stimmt, das schalte ich öfters ein. Und geht es ja auch nicht darum, eine möglichst große Hörerzahl zu bekommen, sondern Spaß bei der ganzen Sache zu haben und wirklich Leute zu erreichen. Wenn mir jemand erzählt das er wegen mir schon zwei, drei Band kennengelernt hat, welche er jetzt häufig hört, dann bedeutet mir das mehr als eine kalte Statistik in der steht das gerade fünf Leute eingeschaltet haben. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir uns nicht auch über Hörer freuen, zu denen wir keinen Kontakt haben, die uns aber regelmäßig hören, ganz im Gegenteil. Es freut uns aber immer besonders, wenn wir im direkten Kontakt zu den Hörern stehen, der Community-Gedanke hinter dem ganzen Projekt ist wahnsinnig stark und trägt das ganze. So schaffen wir es Beispielsweise, das wir auf unseren Konzerten unbekannte Bands spielen lassen können und denen eine Chance geben, im Rau Köln zu spielen, weil es in unserem Hörerkreis viele sehr offene, interessierte Musikhörer gibt die auch auf Konzerte rennen, wenn die Band nicht gehyped wird oder aus den lokalen Dorfhelden besteht. Und dafür sind wir sehr dankbar, dafür investieren wir all das Herzblut.

Habt ihr keine Angst davor, dass dadurch immer neue Leute dazukommen, alles irgendwann zu unpersönlich werden könnte oder seht ihr darin gar kein Problem?

Torsten:

Wenn das ganze Projekt unpersönlich werden würde, dann wäre das für uns auf jeden Fall ein Problem und wir hätten irgendwas falsch gemacht. Die Gefahr, dass so etwas passiert, sehe ich aber nicht. Das Team besteht ja aus einem sehr festen Stamm an Leuten, die sich zum großen Teil schon vorher oder ansonsten inzwischen alle persönlich kennen und schätzen. Dadurch fällt es uns sehr leicht, neue Leute in unser Team zu integrieren. Zudem ist .dunctonwood primär ein Projekt von Freunden und wird das auch immer bleiben. Die meisten Leute, die in das Team kommen, kennen wir schon lange persönlich und wissen, was dabei auf uns zukommt. Inzwischen gibt es auch einige wenige Teammitglieder, die wir nicht persönlich kennen, die sich jedoch auch blendend integrieren und die familiäre Atmosphäre bei .dunctonwood erhalten. So haben wir zum Beispiel seit längerer Zeit zwei Teamler aus Berlin, mit denen wir im regen Kontakt stehen. Und als letztens ein Teammitglied für ein paar Tage in Berlin war hat er sich mit den beiden auf einem Konzert getroffen und die Jungs hatten einen netten Abend. Es ist für uns auch immens wichtig, dass die Teamler sich einbringen, .dunctonwood ein Gemeinschaftsprojekt bleibt, denn der sehr familiäre Gedanke und dieses Gefühl bildet einfach das Fundament dieses Radios. Wenn wir einfach ein paar Leute wären, von denen jeder seine Radiosendung macht und das war es, dann würde sicherlich heute keiner mehr Lust auf die ganze Sache haben. Aber zum Glück ist genau das Gegenteil der Fall, wir haben ein wahnsinnig motiviertes Team, das uns trägt.

Phi Tan:

Die Gefahr besteht natürlich, aber so wie Torsten denke ich ebenfalls, dass das in unserem Fall eher unwahrscheinlich ist. Die Jungs und Mädels, die bei uns mitmachen sind diejenigen, die das auch wirklich wollen und dementsprechend auch bereit sind, dafür Kraft, Zeit und in manchen Fällen sogar Geld zu investieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das sonst noch so viele Leute freiwillig antun würden, haha.

Ab dem 30. Januar  hat nun auch Stageload.de einen Sendeplatz bei .dunctonwood. Jeden Montag von 17-18 Uhr, jeden  Mittwoch von 2-3 Uhr und jeden  Donnerstag von 11-12 Uhr wird unsere Sendung bei .dunctonwood gespielt, mit Songs aus unseren CD-Reviews. Die Setlist wechselt alle 2 Wochen. Zu Empfangen ist .dunctonwood über  www.laut.fm/dunctonwood oder die Myspace-Seite.

Autor Jannik Holdt
Wohnort Mönchengladbach
Beruf Student
Dabei seit 2008
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, Präsentationen, Gewinnspiele
Top-Alben Have Heart - The Things We Carry / The Chariot - Long Live / Rise Against - Siren Song Of The Counter Culture / Another Breath - Mill City
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