Interview mit A† Daggers Drawn

Interview mit A† Daggers Drawn

A† Daggers Drawn aus Berlin stehen für modernen Hardcore am Puls der Zeit. Via e-Mail fanden wir die Zeit uns ausführlich mit Sänger George zu unterhalten.

Stageload: Erst mal der Klassiker: Ihr habt jüngst mit „New Bruises“ eine neue Platte herausgebracht. Was sind deine Eindrücke? Wie sind die Resonanzen bisher ausgefallen?

George: Bis jetzt scheint es als haben wir das Richtige getan. Die Platte wird gut und sehr interessiert angenommen und vor allem, was für uns sehr wichtig ist, nicht als nahtlose Weiterführung dessen gesehen, was wir bis jetzt gemacht haben. Für uns ist es, wie für jede andere Band denke ich, wichtig, dass die Leute sehen, dass wir uns weiter entwickeln und immer interessiert an neuen Einflüssen bleiben. Ich denke das wir mit New Bruises einen guten Mix geschafft haben. Es ist zum Teil das, was Mensch von uns gewohnt ist und kennt und auf der anderen Seite dem, was wir alle gerne einmal ausprobieren wollten und uns selber als neue Wegsteine gesteckt hatten. Ich denke dass wir uns in Zukunft gerne weiter vom klassischen Modern HC entfernen wollen bzw. uns nicht nur darauf festlegen wollen. So wie wir uns alle natürlich auch privat weiter Entwickelt haben / werden.

Stageload: Auf „New Bruises“ setzt ihr vermehrt auf rockigere Parts, die das Ganze immer wieder auflockern. Ein Weg, den nicht erst Soul Control oder Ritual mit ihren neuesten Werken gegangen sind. Ist das der Weg, den „Modern Hardcore“ in Zukunft gehen wird?

George: Wie kann man das genau sagen? Soul Control und Ritual haben diese rockigen Elemente wie ich finde anders eingesetzt und dadurch auch einen unterschiedlichen Sound geschaffen, den man jetzt nicht unbedingt gleich setzten kann. Aber klar es ist wohl immer so dass Hardcore alle paar Jahre eine neue Kante bekommt mit der sich dann eine Weile beschäftigt wird und die das Ganze fast in eine neue Richtung drückt. Aktuell denke ich sieht es ja eher danach aus, dass Modern HC ala „The Wave“ in Richtung Screamo geht. Bands wie Touché Amoré sind ja gerade sehr erfolgreich mit einer Art Hardcore/Screamo Mix der schon seit Jahren in den Screamo Szene etabliert ist und so gesehen überhaupt nichts neues ist. Trotzdem ist es ja schön zu sehen dass diese Bands so gut laufen und dadurch eine von mir geliebte Musik wieder populär machen.

Stageload: Es liegt gerade einmal gut ein Jahr zwischen der Veröffentlichung „Serving Sorrow“ und „New Bruises“. Das lässt darauf schließen, dass ihr entweder noch Material aus der letzten Schreib-Session übrig hattet, oder ihr echt fix im Schreiben neuer Songs seid. Was war der Fall, was hat euch beim Schreiben der neuen Songs beeinflusst und woher habt ihr die Ideen genommen?

George: Sind wir schnell? Eigentlich überhaupt nicht, zumindest fühlt es sich nicht so an.  Seit Serving Sorrow ist ja bei uns in der Band viel passiert. Alles fing damit an, dass kurz vor der Recording Session für Serving Sorrow unser Leadgitarrist ausgestiegen ist und wir damals eigentlich kurz vor dem Punkt standen die Platte zu verschieben. Wir haben uns dann mit viel Mühe zusammengerauft und die Platte trotzdem rausgebracht. Danach haben wir mit verschiedenen Gitarristen weiter gemacht und waren eine Weile recht viel unterwegs, bis wir dann im Sommer einen jobbedingten weiteren Gitarrenwechsel hatten, der uns zu Simon brachte, welcher die neue Platte maßgebend mit beeinflusst hat. Wir hatten nach der Erfahrung, Serving Sorrow im Studio und unter hohem Zeit- und Finanzdruck aufgenommen zu haben, alle Lust einen entspannteren und auch billigeren Weg zu finden eine neue Platte zu machen. Deshalb haben wir uns dann kurzer Hand dazu entschlossen, die Recording Session selber zu machen und uns nur beim Mixen und Mastern von Rob (Tonmeisterei) helfen zu lassen. Die Songs zur Platte haben wir in ca. drei Monaten geschrieben und sie dann auch gleich begonnen aufzunehmen. Zwar war unser Zeitkonzept trotzdem etwas zu kurz gefasst aber letztendlich haben wir es mit einiger Verspätung geschafft und sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Nach der Recording Session und einen intensiven Tour durch Russland haben wir dann einen weiteren Line-Up Wechsel vollzogen und spielen jetzt ( hoffentlich für immer !! ) mit unserem neuen Gitarristen Adam.

Stageload: Das Kreuz in eurem Namen ist dazu da, Verwechslungen mit einer Koblenzer Metalcore-Band aus dem Wege zu gehen. Im Internet liest man immer wieder von Leuten, dass eure Musik so schwer zu finden sei. Von Downloads und Co. mal abgesehen, aber wie wichtig ist es als Band heutzutage, da eine gute Präsenz zu zeigen?

George: Tja, das mit dem doppelten Bandnamen ist irgendwie eine Bürde, die wir nicht mehr los werden. Um das ganze mal kurz zu erläutern: als wir uns gründeten haben wir natürlich eine Backgroundcheck was unseren Namen angeht gemacht. Damals schien es so, als ob die anderen Bands die diesen Namen in Verwendung hatten ( haben ) schon seit einer Weile inaktiv wären und wir hatten eigentlich nicht damit gerechnet, das wir da irgendwelche Probleme bekommen. Aber es stellte sich heraus das die Koblenzer At Daggers Drawn nur eine kleine Ruhezeit eingelegt hatten. Nun hieß es für beide At Daggers Drawn’s einen Kompromiss zu finden der mehr oder weniger alle zufrieden stellt. Wir haben lange überlegt ob wir vielleicht noch mal einen Namen finden sollten, haben uns dann aber dagegen entschieden, da wir der Meinung waren, dass wir einfach schon zu viel Zeit und Mühe in unseren Namen gesteckt hatten um wirklich nochmal von vorne anzufangen. Auf der einen Seite sehe ich das heute immer noch so, allerdings war ich mir damals nicht im Klaren dass das für uns mit so viel Komplikationen verbunden sein würde. Es kommt häufig zu Verwechslungen und natürlich verlaufen sich oft Leute auf die falsche Bandseite und geben dann die Suche auf. In Zeiten, in denen Internetpräsentation zu einen Kernelement wurde, ist das natürlich nicht von Vorteil. Aber auf der anderen Seite haben wir es ja trotzdem geschafft auf uns aufmerksam zu machen und spätestens wenn man uns live gesehen hat und danach irgendwelche Infos finden will oder einfach nur unsere Platte umsonst runterladen will, findet man auch einen Weg.

Stageload: Ihr kommt ja aus Berlin. Die Stadt ist für eine sehr geschlossene Szene bekannt, bei der es schwer ist als Band von außerhalb ein gutes Standing zu bekommen. Wie siehst du das? Und wie gut ist der Support in eurer Heimat?

George: Also das sehe ich eigentlich genau andersrum. Berlin hat eine riesige Szene oder eher gesagt viele kleine Szenen, die sich zu einer riesigen zusammenschließen. Für Bands von außerhalb gibt es auch immer eine angemessene Resonanz. Allerdings sollte man sich als Band, die in Berlin spielen möchte, klar sein, dass man, wenn man hier in dieser Stadt lebt, Tag für Tag mit einer Unmenge von Konzerten überflutet wird und es daher schwerer ist sich für neue Bands zu begeistern. Wenn pro Woche drei deiner Lieblingsbands performen, wird es schwer noch Zeit für neues zu finden. Der beste Tipp, den ich an Bands geben kann ist es, zu versuchen, auf gute Line-Ups zu kommen, bei dem man die Zielgruppe größerer Bands nutzt um auf sich aufmerksam zu machen. Dann klappt es beim zweiten Besuch bestimmt auch allein. Ich muss aber auch ehrlich sagen dass die Berliner Szene nicht gerade dankbar über die „eigenen” Bands ist. Nachdem man die ersten paar Konzerte gespielt hat, auf denen noch alle Freunde und Bekannte vorbei geschaut haben wird es schwer, wirklich breite Begeisterung aufzubauen. Was nicht zu guterletzt mit obrig erwähnter Überflutung an guten Bands zu tun hat. Aus meiner Erfahrung zählt für die Berliner Szenen vor allem, was die Band außerhalb macht. Hat eine Band in Deutschland oder Europa Erfolg, wird sie auch hier wahrgenommen und geschätzt. Das ist wirklich Schade, da es wirklich super Bands in der Berliner Szene gibt. Da wären Coup D’ Etat, Driftwood Fairytales, Smile & Burn, Earthship, From This Day On und viele mehr…

Stageload: Ihr seid mit The Effort durch halb Europa gereist und habt zuvor bereits Osteuropa betourt. Was war dein schönstes/schrecklichstes/bemerkenswertestes Tourerlebnis? Wie ist die Szene in Osteuropa im Speziellen?

George: Also mein schrecklichster Tag auf Tour bis dato war auf  dem Heimweg von unserer ersten Russland Tour im Winter 2010 mit Daggers. Wir waren wie gesagt auf dem Rückweg und sollten die vorletzte Show in Prag spielen. Die Tour war wirklich extrem in allen Richtungen, unter anderem Temperaturen von -20 bis -30 C°, lange und kalte Fahrten und natürlich sehr kurze Nächte mit viel Alkohol. Ich hatte mir ein paar Tage zuvor eine Erkältung inklusive Mandelentzündung eingefangen und konnte schon seit zwei Tagen kaum noch Essen und Trinken, da mein Hals total angeschwollen war und ich folglich in einer miserablen Verfassung war. Ich hatte mir vorgenommen, wenigstens die Prag Show noch irgendwie zu überstehen, da wir noch nie dort gespielt hatten und sich alle auf die Show gefreut hatten. Als wir dann angefangen haben zu spielen ist mir Schwarz vor Augen geworden und ich musste mich übergeben. Ich habe mir ein Handtuch geschnappt und musste merken, dass ich nicht einfach Erbrochenes sondern Blut gespuckt hatte. Ich habe das Konzert abgebrochen und mich erst mal ein paar Stunden zurückgezogen. Da ist mir ziemlich deutlich klar geworden wie viel einem das Ganze manchmal abverlangt. Aber im nachhinein war es das allemal wert!
Osteuropa und Russland ist einfach eine Sache für sich, die Leute sind viel dankbarer und haben im Durchschnitt viel mehr Spass auf den Shows und gehen dabei ( auch wenn es schon mal rabiat zugeht ) viel freundlicher und gemeinschaftlicher miteinander um. Es macht viel Spaß zu spielen und man bekommt eine Menge gutes und ehrliches Feedback zurück.

Stageload: Zum Abschluss noch mal ein Klassiker: Mit wem würdest du dir in Zukunft gerne mal die Bühne teilen? Und welche Ziele hast du/habt ihr noch mit der Band?

George: Mein absoluter Traum wäre es, einmal mit Refused, Envy und At The Drive In auf tour zu sein. Diese Bands begleiten mich schon lange und haben mich sehr beeinflusst.  Wir haben viele Ziele, sehen uns aber natürlich auch mit typischen Problemen des Erwachsenwerdens konfrontiert. Alle haben viel zu tun, Jobs und Studium und die Zeit zum touren wird immer kürzer. Trotzdem planen wir viele tolle Sachen und Touren und ich hoffe das man noch viel von uns hören wird. Danke!

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben American Football - American Football, Have A Nice Life - Deathconsciousness, Deafheaven - Sunbather, Duster - Stratosphere, Julien Baker - Turn Out The Lights
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