Interview mit All Aboard!

Interview mit All Aboard!

Die Punkrock-Band All Aboard! hat vor Kurzem ihr Album „Aficionado“ auf den Markt gebracht, nun stellen sie es auf ausgedehnter Tour der Hörerschaft vor. Könnte es also einen besseren Grund geben, sich ein bisschen mit Gitarrist und Sänger David (zweiter von links) über die Platte, das allererste Musikvideo der Band und die Releaseshow zu unterhalten?

Für alle, die euch noch nicht kennen, erstmal zu den Basics: Wer seid ihr und was macht ihr in der Band?

DAMN – David, Artur, Marius und Nils. In dieser Reihenfolge: Gesang/Gitarre, Gitarre, Schlagzeug und Bass.

Wann und wie kam es zur Gründung von All Aboard!?

Anfangs war die Idee eher, ein Akustikprojekt mit zwei Gitarren zu starten. Daraus wurde dann auf wundersame Weise das, was wir heute eine Punkrockband schimpfen. Die ersten Schritte waren Anfang/Mitte 2009, an Halloween 2009 war es dann schließlich „All Aboard!“.

Wart ihr schon immer im Punkrock unterwegs?

Mehr oder weniger, ja. Wir haben vorher alle schon in diversen Bands gespielt. Wenn man “Punkrock” so weit auslegt, wie es sein sollte, dann gehören ja diverse Spielarten wie Trash, Hardcore oder sogar Ska-Punk auch dazu. Unser aller Wurzeln sind auf jeden Fall ähnlich.

Ihr bietet euer Album „Aficionado“ bei Bandcamp zum kostenlosen Download an. Seid ihr (noch) an dem Punkt, bei dem euch es primär mehr darum geht, eure Musik so weit wie möglich zu verbreiten, anstatt den größtmöglichen Profit daraus zu schöpfen?

Das „noch“ kann man denke ich einfach mal ganz aus dem Satz streichen. Wir hatten und haben nicht vor, reich oder berühmt zu werden. Wieso auch? So wie es ist, ist es glaube ich der einfachste und ehrlichste Weg. Wir machen das, was wir wollen, und dabei soll es auch bleiben. Wenn Leuten unsere Musik gefällt – super! Aber wenn es nicht so ist, ist es fast genauso super, denn wir mögen, was wir tun und das ist doch mehr wert, als die paar Groschen, die man nebenher verdienen könnte. Wir alle haben Berufe, in denen wir aufgehen können. Die Musik war, ist und bleibt ein Hobby.

Was hat es mit dem Albumtitel „Aficionado“ auf sich? Wikipedia sagt beispielsweise „Liebhaber“, Google aber „Amateur“. Was seid ihr davon?

Eine Kombination aus beidem trifft es ganz gut. Zwar war unser Gedanke eher auf die Liebhaber-Variante bezogen, aber dennoch sind wir Amateure. Mal unter uns – ich kann nicht mal Noten lesen.

Eure Releaseshow fand am 3. Oktober statt. Zunächst einmal: Warum feiert man eine Releaseparty eigentlich erst fünf Wochen nach Albumrelease?

Der 3. Oktober sollte das Releasedate zu den Platten sein, die wir ursprünglich veröffentlichen wollten. Da aber so ziemlich alle Presswerke im scheinbar endlosem Vorlauf ausgebucht waren, hat sich diese “Pay-want-you-want”-Download-Geschichte entwickelt. Wenn wir unser Album also eh verschenken, dachten wir, wieso sollen wir dann mit der Veröffentlichung noch warten? Ist doch auch eine schöne Sache, wenn die Songs auf der anstehenden Tour bereits der ein oder anderen Person bekannt sind. Nach der Releaseshow lässt sich auch sagen, dass das kein verkehrter Gedankengang war.

Wart ihr vor der Show sehr aufgeregt oder hielt sich das in Grenzen? Lief alles so wie es sollte, beziehungsweise so wie ihr euch das vorgestellt habt?

Aufgeregt ist da das falsche Wort. Wir waren heiß drauf, wieder zu spielen! Und das sind wir auch immer noch. Es ist ja in letzter Zeit konzerttechnisch sehr still um uns geworden. Sei es nun aus Produktionsgründen oder beruflich begründetem Zeitmangel. Wir hatten einen sehr schönen Abend mit vielen Freunden und großartigen Bands, mit denen wir uns die Bühne teilen durften. Es gibt, glaube ich, immer etwas, das in irgendeiner Weise nicht so abläuft, wie man sich das im Vorfeld vorgestellt hat, aber Probleme sind schließlich da, um gelöst zu werden. An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an alle, die diesen Abend ermöglicht und daran teilgenommen haben!

Wie war die Resonanz zum Album bisher?

Die Resonanz war bisher sehr gut. Das hat aber meiner Meinung nach auch sehr viel mit der Art und Weise zu tun, wie es veröffentlicht wurde. Leute, die nicht im Ansatz wussten, wer oder was „All Aboard!“ eigentlich sein soll, wurden dadurch aufmerksam und zeigten Interesse an den älteren Sachen.

Bis auf eine Zeile – und den Titel des Songs natürlich – singt ihr generell auf Englisch. Warum ist das bei „Wir bleiben hier!“ nicht so? Ist das ein Song, der euch besonders wichtig ist und deswegen herausstechen soll?

Ja und ja. „Wir bleiben hier!“ ist ein O-Ton von unserem Aufenthalt in der Villa Nachttanz in Heidelberg. Und genau darum geht es auch in dem Lied. Es war ein unglaublich tolles Erlebnis dort zu sein und wir waren nicht mal fünf Kilometer gefahren, als ich angefangen hatte, diesen Text zu schreiben. Was ich mir dabei genau gedacht habe, kann ich eigentlich gar nicht wirklich erklären, aber „Wir bleiben hier“ fühlte sich einfach richtig an.

Kürzlich habt ihr zu genau diesem Song auch euer allererstes Musikvideo veröffentlicht, ein reines Performance-Video. Erzählt uns davon: Wie ist es so, beim Spielen eine Kamera ins Gesicht gehalten zu bekommen?

Wir haben im Anschluss leider kein Reflexionsgespräch geführt, also kann ich da nur für mich sprechen: Es war – egal?! Wir haben das gemacht, was uns Spaß macht und Nico und Jannik haben ihren Part hinter der Kamera übernommen. Hier und da kamen dann man hochprofessionelle Regieanweisungen, aber im Grunde haben wir einfach nur unseren Song gespielt.

Warum habt ich euch für „Wir bleiben hier!“ für das erste Video entschieden?

Gute Frage. Es war halt die „Debütsingle“ und da man das Album ja eh in voller Länge kostenlos streamen und laden kann, haben wir nicht die Notwendigkeit gesehen, ein anderes Lied zu pushen.

Habt ihr das Video in einem Wohnzimmer gedreht, um die „Wir-Gehen-Nicht-Weg“-Aussage noch mehr hervorzuheben? Gibt es deswegen vielleicht auch keinen Switch zu einer anderen Location?

Das Wohnzimmer war lediglich die Konsequenz daraus, dass wir zu faul waren die Instrumente durch ein enges Treppenhaus, hoch auf den Dachboden zu schleppen. Man könnte sicherlich ganz viel Interpretation in die Auswahl der Location und der Schnittabfolgen legen, aber unsere Intention war es, ein kleines, simples Video zu präsentieren, das im Grunde genau so ist, wie unsere Musik. Ohne viel Schnickschnack. Einfach, echt.

Auf der Tour spielt ihr unter anderem mit Typesetter zusammen. In einem anderen Interview habt ihr mal gesagt, dass ihr gerne mal für Slime, Hot Water Music oder für die Descendents, die ihr ja auch als Einfluss nennt, Support machen würdet – würden sie noch aktiv sein selbstverständlich. Wie sähe denn euer absolutes Traum-Line-Up aus?

Sowas gibt’s nicht. Es kann sein, dass die Anderen mir dafür beim nächsten Zusammentreffen den Kopf waschen, aber ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich mich frage: Wozu? Um mit einer großen Band auf der Bühne oder auf dem Flyer zu stehen? Es gibt unzählige Bands, von denen noch nie irgendjemand etwas gehört hat und die haben es meist richtig drauf. Musikalisch und menschlich. Da bevorzuge ich dann eher den kleinen schäbigen Kellerraum mit klebrigem Boden und begeistertem Publikum, als die große Halle mit Musiksnobs, die bei Chuck Ragan – als Vorgruppe von The Gaslight Anthem – rummeckern „der soll mal aufhören rumzuschreien“. Bands sind wie Handys in den 90ern – je kleiner, desto besser.

Abschließende Worte?

Danke für das Interesse! Da es ja Ende der Woche wieder in den Van und auf die Straße geht, hier noch mal die Erinnerung die Tourdaten auszuchecken, sich das Album zu beschaffen und einfach mal bei einer Show aufzukreuzen.

Unser Review zu „Aficionado“ von All Aboard! findet ihr hier.

Fotos zur Releaseshow findet ihr hier.

Hinterlasse einen Kommentar