Interview mit Boston Manor

Interview mit Boston Manor

Drei Jahre gibt es Boston Manor inzwischen und genauso viele EPs haben die Briten bislang auch auf den Markt gebracht. Und obwohl zügig hintereinander geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht, klingen „Here/Now“, „Driftwood“ und „Saudade“ allesamt völlig verschieden. Mit ihrem kommenden Debütalbum soll sich dies aber nun ändern- denn endlich hätten sie herausgefunden, welche Band sie sein wollten. Dabei werden sie doch schon jetzt von vielen als „the next big thing“ gehandelt. Wir haben bei Bassist Don Cunniff (zweiter von links), Gitarrist Ash Wilson (zweiter von rechts) und Sänger Henry Cox (rechts) mal nachgehakt.

Lasst uns doch gleich die obligatorische Klischee-Frage hinter uns bringen. Keine Sorge, ich werde nicht nach eurem Bandnamen fragen, die Antwort kann man sich schließlich in nur wenigen Minuten ergooglen, aber nervt es euch eigentlich sehr, immer nach „Boston Manor“ gefragt zu werden? Oder nehmt ihr das einfach nur noch hin?

Don: (lacht) Die Frage haben wir tatsächlich schon lange nicht mehr gehört, wahrscheinlich ist sie doch nicht so interessant. Wenn wir auf Tour sind, kommt es allerdings öfter vor, dass jemand denkt, wir kämen aus Boston oder hätten uns nach einem Ort in London benannt.

Ash: Manchmal denken Leute auch, dass wir Joyce Manor kopieren würden oder wollen. Stimmt aber auch nicht (lacht).

Don: Ja, das ist echt dumm.

Ash: Zumal, wenn ich eine Band kopieren wollen würde, wären bestimmt nicht Joyce Manor(lacht).

Vor ein paar Wochen wart ihr bereits mit Crooks auf dem europäischen Festland unterwegs, jetzt seid ihr schon wieder auf Tour. Wird euer Booking eigentlich von den Anschlägen in Paris und Brüssel mitbestimmt?

Ash: Es kann sein, dass manche Shows, die wir in den Städten hätten spielen sollen, deswegen nicht mehr stattfinden. Wir machen uns deswegen jetzt aber keine großen Sorgen oder so. Als wir vor zwei Jahren das erste Mal in Europa gespielt haben, lief es schon nicht so optimal, weil wir in einem kleinen abgeschiedenen Dorf zwei Stunden von Paris entfernt gestrandet sind. Da war wirklich absolut nichts und es hat uns verrückt gemacht, nicht zu wissen, wie wir nach Hause kommen sollen. Nach so etwas kommt einem alles Andere gar nicht mehr so schlimm vor. Ich will natürlich nicht sagen, dass die Anschläge nicht furchtbar waren, aber wir machen uns keine Sorgen, wenn oder falls wir in Paris oder Brüssel spielen – auch wenn es alle Anderen tun (lacht).

Ihr habt gefühlt gerade erst in Köln gespielt, im Underground, heute steht ihr im MTC auf der Bühne – zusammen mit Knuckle Puck und Seaway. Sind das auch so die Bands, die euch immer begleitet und beeinflusst haben?

Henry: Würde ich nicht so sagen. Seaway machen momentan zwar Musik, die ich gerade in den frühen 2000ern gehört habe, aber wirklich beeinflusst haben sie uns nicht.

Don: Ich glaube, wir ziehen uns aus allen möglichen Genres etwas heraus. Alles von Bands wie Pink Floyd und The Smiths über Justin Timberlake, Daughter und Thrice.

Ash: Wir hören und mögen nichts Bestimmtes. Wir mögen Musik (lacht).

Im März 2013 habt ihr mit Boston Manor angefangen und eurer Debüt „Here/Now“ erschien bereits einen Monat später. „Driftwood“ folgte dann 2014 und „Saudade“ vergangenen November – zusammengezählt macht das demnach drei EPs in zweieinhalb Jahren, die allerdings alle immer unterschiedlich klingen. Woran liegt das?

Henry: Ich glaube ganz einfach daran, dass wir in der Zeit auch immer unterschiedliche Musik gehört haben, dass quasi das Hintergrundgeräusch anders war. Dass wir nicht nur immer andere Bands gehört haben, sondern sich die Bands auch selber verändert haben.

Don: Mit der Zeit haben wir uns von der musikalischen Seite untereinander auch immer wohler gefühlt und erkannt, was für eine Band wir sein wollen, was wir machen wollen, wie wir klingen wollen. An den Sound vom kommenden Album sind wir sozusagen schrittweise herangekommen.

Super, dass du es schon selber ansprichst. Bei Facebook hattet ihr es auch schon angekündigt, dass ihr mit den Aufnahmen fertig seid. Habt ihr vielleicht schon ein paar Details für uns?

Ash: Ich glaube, wir schweigen besser und verraten erst einmal nichts. Wir werden es einfach in die Welt hinauswerfen und schauen, was passiert (lacht).

Nicht mal den Release-Day?

Don: Vielleicht im September.

Ash: Wir haben doch gerade gesagt, dass wir nichts verraten wollen! (lacht)

Don: Ich habe doch auch „vielleicht“ gesagt (lacht). „Vielleicht im September“.

Dann lassen wir uns doch einfach mal überraschen (lacht). Ich habe irgendwo gelesen, dass ihr als „the next big thing“ in Sachen britischem Pop-Punk, bzw. als die große Hoffnung bezeichnet werdet.

Henry: Das ist lieb.

Ash: Sehr lieb, das hört man wirklich sehr, sehr gerne. Ich würde allerdings nicht sagen, dass wir Pop-Punk machen (lacht).

Henry: Wir sind inzwischen aber auch an einem Punkt angekommen, an dem wir wirklich nicht mehr das machen, was wir mal gemacht haben. Also abgesehen davon ist das wirklich cool! Wir versuchen einfach, in das, was wir da machen, irgendeinen Sinn zu legen und wenn den Leuten das Ergebnis gefällt und sie uns sogar als „the next big thing“ beschreiben, ist das natürlich umso besser.

Lasst uns trotzdem noch ein bisschen beim Pop-Punk bleiben. Die Musik kann man ja wahrscheinlich am besten als größtenteils „unschuldige gute Laune-Musik“ bezeichnen. Dennoch wird auch immer wieder sexuelle Belästigung mit dem Genre in Verbindung gebracht. Habt ihr in eurem Umkreis jemals so etwas bemerkt?

Don: Wir wissen, dass das immer wieder aufkommt, dass so etwas immer wieder passiert – leider –, aber selber haben wir das noch nicht erlebt.

Ash: Es wird einem aber auch schnell vorgeworfen, glaube ich, weil viel in Dinge hineininterpretiert wird. Wir selber haben das aber bisher nur aus den Medien mitbekommen.

Ihr seid zwar gerade auf Tour, aber habt ihr trotzdem mitbekommen, dass Parker Cannon, der Sänger von The Story So Far, während eines Konzertes ein Mädchen, das ein Selfie oder ein Video machen wollte, wortwörtlich von der Bühne ins Publikum getreten hat?

Henry: Haben wir. Bei uns passiert es auch sehr oft, dass die Leute zum Stagediven auf die Bühne kommen, was ich überhaupt nicht mag, das nervt echt total.

Don: Ich glaube, dass viele nicht verstehen, dass man auf der Bühne eigentlich total im Tunnel ist und sich ausschließlich auf die Show konzentrieren möchte. So was kann einen dann eben schon sehr überraschen und man sich in dem Moment dann auch nicht mehr wirklich kontrollieren.

Henry: Ich will The Story So Far deswegen auch gar nicht verurteilen. Ich mag Stage-Selfies selber auch echt gar nicht.

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