Interview mit Mando Diao

Interview mit Mando Diao

Welchen Song Mando Diao nicht mehr live spielen, warum „Bang“ das dreckigste Album der Schweden ist und welches zweite Standbein die Musiker sich womöglich aufbauen wollen.

Mit Karacho, einfach nach vorne – das war das Ziel, das sich Mando Diao mit ihrem neuen Album „Bang“ gesetzt hatten. Auch im Interview vor ihrer Show im Schlachthof Wiesbaden preschen Sänger Björn Dixgård und Gitarrist Jens Siverstedt nach vorne. Eine neue Energie, die sich bereits 2015 nach der Trennung von Sänger Gustaf Norén angebahnt hatte. Und damit fühlen sich die Schweden sichtlich wohl.

Was liebt Ihr am Touren, was nicht?

Björn und Jens: Natürlich das Musikspielen! (lachen)
Björn: Aber ja, es gibt auch Dinge, die wir nicht mögen. Zum Beispiel, dass wir lange von unseren Familien getrennt sind.
Jens: Ich mag auch diese langen Reisetage nicht sonderlich. Aber das gehört nun mal dazu und wir haben uns auch daran gewöhnt.
Björn: Wir versuchen unsere Tourneen so kurz wie möglich zu halten. Auch dieses Mal sind wir nur zwei Wochen unterwegs, am Freitag war die erste Deutschland-Show in Hamburg.

Wie war denn das Konzert in Hamburg?

Björn: Oh je, ich kann mich kaum erinnern. Dementsprechend war es sehr gut. Vor allem war unser Schlagzeuger „on fire“. Er liegt auch gerade noch im Backstage und schläft sich aus. Ich hoffe, er hat seine Energie bis zum Auftritt wiedergefunden. (lacht) Mal gucken, was wir tun müssen, um ihn wieder auf die Beine zu bekommen. Vielleicht eine kleine Massage. Darin sind wir sehr gut. Wir haben gerade etwas Neues ausprobiert, vielleicht wird das ein zweites Standbein. Etwas für den ganzen Körper. Und es ist mehr als eine Person involviert. Aber mehr sage ich mal nicht dazu. Rätselhaft, nicht wahr? (grinst)

Eure Shows in Deutschland sind fast alle ausverkauft. Unterscheidet sich eure deutsche Fanbase von der in Schweden oder in Dänemark?

Björn: Wir haben eine sehr loyale Fanbase. Gerade rufen wir unsere Fans zum Beispiel dazu auf, einen Song von uns zu covern. Und gerade in Deutschland ist das was ganz Besonderes. Es war ein langer Weg und wir freuen uns jedes Mal, hier spielen zu dürfen, auch weil das Publikum sehr textsicher ist.

Da gibt es doch bestimmt den einen oder anderen Song, bei dem die Zuschauer ausrasten.

Björn: Ja, auf jeden Fall! „Down in the Past“ natürlich, „Dance with Somebody“ oder „Gloria“ – gerade die Klassiker eben. Aber in Hamburg mochten sie auch „Long Long Way“ vom neuen Album sehr gern.

Gibt es Songs, die Ihr nicht mehr spielt, weil sie Euch auf die Nerven gehen?

Björn: Wir spielen zum Beispiel „Sheepdog“ nicht mehr so oft und so gerne. Dieser Song ist sehr alt und es war auch mehr Gustafs Ding. Ich glaube nicht, dass wir ihn so bald noch einmal spielen. Wir wollen lieber neue Sachen spielen und kreativ sein.
Jens: Ja genau, das ist das, worauf es ankommt und was uns eben Spaß macht. Wir wollen einfach das machen, worauf wir Lust haben.

Apropos neue Sachen – sprechen wir doch mal über Euer neues Album „Bang“. Björn, in einem Interview hast du gesagt, dass es das „dreckigste Album“ von Mando Diao ist. Warum?

Björn: Es fühlt sich zumindest so an. Es ist handgemacht, einfach wir fünf in einem Raum, während wir Musik machen. Es sollte nicht zu überproduziert klingen.
Jens: Es sind zum Beispiel viele markante Gitarrenriffs. Wir wollten die Dinge dieses Mal nicht verkomplizieren, sondern einfach nur unserem Gefühl folgen. So sind wir einfach drauf, wir folgen unserer Intuition. Und deswegen klingt es so handgemacht, so…
Björn: Roh!
Jens: Wir planen den Sound nicht so richtig. Es ist jedes Mal etwas anderes, wir wollen jedes Mal wieder überraschen.
Björn: Wir haben immer sehr viele Ideen. Alles andere wäre auch schlecht – denn sonst würde unsere Karriere den Bach runtergehen (lacht).

„Don’t tell me“ hat mich mit am meisten überrascht. Was steckt hinter dem Song – und vor allem dem ja doch etwas morbiden Video?

Björn: Es geht um Autoritäten, gegen die man sich auflehnen sollte. Das ist die einfache Message.
Jens: Wir kamen mit dem Thema Sekten und Kulte in Kontakt, schauten verschiedenste Dokus an und waren fasziniert, wie sehr sich Menschen beeinflussen lassen. Das war die Basis für das Video. Und unser Regisseur Gustav Hugo Olsson hat es super umgesetzt. Wir wussten vorher nicht, wie genau es aussehen wird und waren dann richtig glücklich damit.

Ein weiterer wichtiger Song ist „Society“. Was hat es damit auf sich?

Björn: Wir wollten einfach die Frage stellen, ob es möglich ist, dass wir uns ändern. Und ob die Menschen offen für Wandel sind. Es ist ein sehr dystopischer Song über die Gesellschaft an sich.

Habt Ihr Angst, dass die Menschen nicht bereit für Veränderungen sind?

Björn: Ja, manchmal schon. Aber genau das wollten wir in „Society“ zum Ausdruck bringen. Einfach gerade heraus.
Jens: Das ist aber auch etwas, das sich durch das gesamte Album zieht. Nicht nur die Musik sollte roh klingen, auch an den Texten wollten wir nicht zu viel herumschrauben.
Björn: Wenn du unsere Texte hörst, verstehst du sie einfach sofort.
Jens: Wir wollten auch hier intuitiv arbeiten. Natürlich hätten wir smartere Lyrics schreiben können, aber das wollten wir gar nicht. Eben einfach: Bang!

Ihr kommt aus verschiedenen Regionen von Schweden. Hat das Auswirkungen auf Euren Sound?

Jens: Oh ja! Nehmen wir mal unseren Schlagzeuger Patrik. Er kommt aus dem Norden, Finnland liegt dort ganz in der Nähe. Finnische Musiker haben einen anderen Vibe, wenn sie spielen. Es ist mehr gerade heraus, effizienter, weniger gefühlvoll.
Björn: Das kann man gut mit einer Dampflokomotive vergleichen. (lacht) Unser Bassist Carl-Johan kommt aus Halmstad, das liegt an der Westküste. Und er liebt zum Beispiel amerikanische Westküsten-Musik wie America oder die Doobie Brothers – da gibt es also eine Verbindung.
Jens: Ich komme aus Stockholm. Das ist eher das Soulige und der Urban Rock ’n Roll.
Björn: Und unser Keyboarder Daniel und ich kommen eher vom Land. Wir bringen Blues und Country ein.

Eure schwedischen Wurzeln habt ihr ja auch schon einmal auf einem schwedischsprachigen Album verewigt. Würdet ihr das noch einmal machen?

Björn: Tatsächlich fangen wir im Januar mit den Aufnahmen für das nächste an. Zumindest ist es der Plan – aber wer weiß was noch kommt. Vielleicht machen wir es auch auf Finnisch. Oder mit einer Balalaika.

Foto: Gustaf Elias

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Online-Redakteurin
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