Interview mit More Than Life

Interview mit More Than Life

Eines muss man More Than Life definitiv zu Gute halten: Langeweile kommt mit ihnen nicht auf. Das liegt zum einen natürlich an ihren unstrittigen musikalischen Fähigkeiten, zum anderen aber auch an einem ähnlich gut ausgeprägtem Talent ihre Fans auf die Folter zu spannen. Die gute Nachricht folgt aber bekanntlich zum Schluß, denn nach der vermeintlich letzten Euro-Tour und der munteren Break-Up-Kokketerie haben die Briten doch tatsächlich ein neues Album aufgenommen! Die Fragezeichen der Vergangenheit stehen natürlich trotzdem noch zuhauf im Raum und genau diesen haben wir im Interview auf den Zahn gefühlt, ohne aber dabei den Blick in die nahe Zukunft zu vergessen!

Stageload: 2011 habt ihr groß eure „last European tour ever“ angekündigt, kurz darauf kamen sogar Gerüchte auf, ihr würdet ganz die Segel streichen und jetzt seid ihr nicht nur immer noch als Band zusammen, sondern bald auch wieder auf Tour durch Europa. Wie passt das alles zusammen?
Wir waren damals in einer Situation, wo wir uns alle miteinander sicher waren, nicht mehr auf Tour zu gehen. Es ging nie darum zu sagen, „wir touren ein letztes Mal!“, nur um dann doch zurückzukommen und gut Kohle zu scheffeln oder andere bescheuerte Gründe, die sich Leute vielleicht zusammengebastelt haben. Es gab zu dieser Zeit eine lange Liste an privaten Gründen, die uns das Gefühl gaben, nicht mehr touren zu können. Das waren wirklich private Sachen, daher sehen wir auch jetzt keine Notwendigkeit uns groß zu erklären.

Eine ganze Weile später hatte sich dann Einiges geändert und wir entschieden für uns doch wieder touren zu wollen. Wenn jemand mit dieser Erklärung nicht zufrieden ist oder gar ein ernsthaftes Problem damit hat, kein Problem, ist völlig ok: Komm halt einfach nicht zu den neuen Shows!

Stageload: Mit dem Sound eurer jüngsten Single „Do You Remember“ habt ihr ja eure Fans gehörig überrascht. Was hat euch dazu bewogen, diesen doch ziemlich anderen Stil auszuprobieren?

Der Song ist entstanden, einen Tag bevor wir mit den Aufnahmen für das neue Album anfangen wollten. Wir waren gerade dabei noch mal alle neuen Songs durchzugehen, als Joe anfing diesen Riff zu spielen, den er eigentlich für was Anderes geschrieben hatte. Jedenfalls waren wir alle direkt begeistert davon und haben einfach losgelegt. Der komplette Song war dann in knapp 20 Minuten im Kasten; wir sind ihn drei, viermal durchgegangen, jeder hat noch ein paar Dinge geändert und bevor es uns selbst so richtig klar war, hatten wir einen Song von dem wir wussten, er würde die Single der neuen Platte sein.

Genau so entstehen die besten Songs: Wir haben nichts erzwungen – er ist einfach so passiert! Dabei waren wir noch nie bewusst darauf aus mal einen neuen Stil auszuprobieren, wir schreiben einfach was uns gerade vor die Füße fällt. Dass der Song viele Leute überraschen würde war uns aber natürlich klar. Hoffentlich war’s eine positive Überraschung.

Stageload: Können wir auf dem neuen Album dann mehr Songs dieser Machart erwarten?
Joe: Ja und nein. Einige Songs gehen schon in die Richtung von „Do You Remember“, aber insgesamt sind die Songs recht verschieden. Schnelle Parts, langsame Parts, wir haben von allem ein bisschen reingepackt. Es klingt jedenfalls immer noch nach More Than Life.

Stageload: Wir ordnet ihr das neue Album in eurer Entwicklung als Band ein, verglichen mit euren vorherigen Sachen?

Wie schon gesagt, es klingt immer noch nach More Than Life, aber die Produktion etwa ist ein Riesenfortschritt verglichen mit „Love Let Me Go“. Wir haben diesmal mit Neil Kennedy in „The Ranch“ (Southampton) aufgenommen und er hat einen Wahnsinnsjob gemacht! Das neue Album klingt wirklich genau so wie wir uns es vorgestellt haben. Am Ende des Tages sind wir aber immer noch eine Punk-Rock Band. Unsere Alben sollen nicht perfekt produziert klingen. Dieses raue Feeling gefällt uns besser. Es hat einfach mehr Charakter finden wir. Natürlich ist es trotzdem eine feine Sache auf einem gewissen Level aufnehmen zu können, sodass man am Ende auch tatsächlich hört, was in einem Song alles passiert.

Ich würde sagen die Songs auf „What’s Left Of Me“ haben eine bessere Struktur, es klingt insgesamt ein wenig „erwachsener“ so langweilig sich das auch anhört. Wir sind definitiv ein Stück weit aus unserem Soundkosmos herausgetreten, aber ich würde trotzdem sagen es sind genügend Songs drauf um alte und neue Fans zu begeistern. Zumindest hoff’ ich’s mal.

Stageload: Diese unscharfe Produktion fällt einem beim Hören von „Love Let Me Go“ ja immer wieder auf. War die so von euch gewollt?

Die Aufnahmen zu „Love Let Me Go“ waren ziemlich hektisch und wir hatten auch nur ein enges Budget zur Verfügung. Eigentlich sollten wir damals eine Split mit Dead Swans aufnehmen. Daraus ist dann aber nichts geworden, nur war das Studio eben schon gebucht und so haben wir das komplette Album in nur vier Tagen aufgenommen, um das Geld nicht vergeudet zu haben.

Stageload: Joey und Brandon haben mit Swan Dive noch eine andere Band und mit Hardcore hat die ja wenig zu tun, stattdessen spielen sie da Indie/Shoegaze. Wirkt sich das auch auf euer Songwriting bei More Than Life aus?

Hmm, vielleicht. Beides sind aber zwei völlig verschiedene Bands. Mit More Than Life haben wir schon immer melodischen, etwas leichteren Hardcore gespielt, es ist für uns also seit je her normal mit Hall-Effekten zu hantieren. Außerdem sind wir mittlerweile drei, bzw. vier Jahre älter seit dem Release unserer letzen Platte, da verändern sich auch Ansichten und Einflüsse.

Stageload: Neben einer anderen Band habt ihr ja auch noch normale Jobs (oder zumindest einige von euch), James arbeitet ja z.B. als Tätowierer. Wie bringt ihr Arbeit und Band unter einen Hut?
Einfach ist das definitiv nicht. James macht sehr viel in seinem Tattoo-Studio, Joel hat einen eigenen Siebdruckbetrieb, ich arbeite in meinem Familienunternehmen und um alles noch komplizierter zu machen, ist Tony gerade mit seiner Frau nach Berlin gezogen. Optimal für eine Band ist das nicht gerade (lacht). Aber wir lieben es einfach nach wie vor Musik zu machen.

Neue Orte bereisen, bisher unbekannte Dinge für sich entdecken, eine Menge cooler Leute treffen, einfach eine gute Zeit haben und dabei fantastische Shows spielen; all das macht es für uns aus in einer Band zu spielen und damit im Hinterkopf versuchen wir immer Mittel und Wege zu finden, das Ganze am Laufen zu halten. Trotzdem müssen wir natürlich wie oft Angebote ausschlagen, weil gerade wieder nicht alle Urlaub nehmen oder machen können.

Stageload: Was waren denn eure musikalischen Highlights letztes Jahr und worauf freut ihr euch in diesem ganz besonders?

Joe: Kendrick Lammar – Good Kid, Mad City und My Bloody Valentine – MVB.

Joel: Light Years – I Wont Hold This Against You, The Dangerous Summer – Golden Record und Real Friends – Put Yourself Back Together. Und dieses Jahr warte ich gespannt auf “Guilty Of Everything” von Brandons anderer Band „Nothing“, die solltet ihr unbedingt mal auschecken! Vielleicht bringen ja auch Slowdive was Neues raus, neben den ganzen Reunion-Shows, das wäre klasse.

Stageload: Zum Abschluss: In einem eurer letzten Statements hieß es, das nächste Album werde das letzte sein. Ist nach „What’s Left Of Me“ also wirklich Schluß?

Du siehst ja was aus unseren letzten Plänen geworden ist (lacht). Wer weiß schon, was in Zukunft alles passieren wird, aber wir haben schon neue Songideen, also hoffe ich doch, wir bringen irgendwann ein weiteres Album raus!

Stageload: Vielen Dank für das Interview und eine gute Zeit auf Tour!

Ebenfalls vielen Dank und hoffentlich sieht man sich im März/April!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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