All Aboard! – Aficionado

Album Aficionado
Label -
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
6

„Aficionado bedeutet Liebhaber“, weiß Universalquelle Wikipedia. Google wirft als alternative Übersetzung noch „Amateur“ mit ein. Betrachtet man das Cover des neues Albums von All Aboard! wäre auch eine Kombination beider Begriffe durchaus denkbar – ein vernarbtes Herz von rostigen Nägeln durchbohrt. Ob die Band allerdings nun mehr aus Liebhabern als aus Musikern besteht, lässt sich schlecht beurteilen. Im Gegensatz dazu lässt sich freilich ausgezeichnet darüber diskutieren, ob die Mitglieder Amateure in dem sind, was sie abliefern. Bietet doch das nun zweite Studioalbum der Punkrocker aus Mönchengladbach die beste Gelegenheit dafür.

Seit Halloween 2009 laden All Aboard! dazu ein, das Schiff des deutschen Punkrock zu betreten. Geboten haben sie den Passagieren bislang jedoch nicht allzu viel. Die letzte Veröffentlichung liegt bereits drei Jahre zurück, das Debütalbum, „Twelve Little Compliments“, feiert sogar schon seinen vierten Geburtstag. Ohne Frage: Die Zeit für ein neues Album ist reif. „Aficionado“ bietet zehnmal schicken Punkrock, der nach vorne geht. Und was sofort auffällt: Die Vocals wirken durch den gedämpft klingenden Sound noch rauer. Macht nichts, so kennt man das von früheren Punkrock-Platten und so bekommt diese zusätzlich ihre eigene Note. Etwas, das sie von anderen des „modernen“ Punkrock angenehm abhebt. Im Großen und Ganzen ist das aber auch schon fast das einzige, was „Aficionado“ einzigartig macht. Das Album hat zwar sehr schöne Momente, das akustische und phasenweise mehrstimmige „Dead Lord“ beispielsweise, doch leider hat man alles schon in ähnlicher Weise irgendwo anders gehört. Schlecht ist es dadurch keinesfalls. Nur eben nichts Neues mehr.

Nichtsdestotrotz stechen neben „Dead Lord“ noch weitere Songs hervor. „All The Kings Horses“ sorgt für Ohrwürmer und Sing-a-longs: „I think that everything is broken, broken inside of me. I’m longing for some super glue to get it back together in my head. I still know every word we’ve spoken, every single word, that I don’t know how to get back to you“. „Wir Bleiben Hier!“ ist der einzige deutschsprachige Moment des Albums – wenn auch wegen nur einer wiederkehrenden Zeile – und „Love Is Where You Find It“ bietet neben männlichem auch weiblichen Gesang.

All Aboard! geben als Einflüsse die Descendents, Bukowski und Pizza an. Freilich ist es schwierig – obgleich unfair – mit einer so prägenden Band wie den Descendents verglichen zu werden. Allerdings ist gut vorstellbar, dass „Aficionado“ zu den Klängen ebenjener Band entstanden ist – und dass Bukowski beim Texten geholfen und Pizza die Mönchengladbacher am Leben gehalten hat.

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