Ancst – Summits Of Despondency

Band Ancst
Musikrichtung Metalcore, Blackened Hardcore
Redaktion
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Release-Maschine, Tausendsassa – das sind nur zwei Attribute, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn es um das Berliner DIY Kollektiv Ancst geht. In Summe stehen 23 Releases seit der Gründung 2011 im Back-Katalog der Band und auch die Zeit seit dem letzten Album (“Ghosts Of A Timeless Void”) wurde mit diversen Veröffentlichungen gefüllt. 

Ancst begannen als Zwei-Personen- Studioprojekt, das sich durch ein Kollektiv an Musikern für die Live-Auftritte ergänzt. Seit dem Ausstieg von Torsten Bellafonte 2017 besteht das Studio-Line-up ausschließlich aus Tom Schmidt, der sich nicht nur für die Kompositionen und Texte verantwortlich zeigt, sondern auch alle Instrumente selbst einspielt. Der Ancst-Sound verbindet Elemente von Death, Black Metal und Metalcore, wobei einige der Releases auch bewusst Drone-/Ambient-Parts aufgreifen. 

Stand auf älterem Material noch mehr der Black Metal-Einfluss im Vordergrund, ist das neue Album “Summits Of Despondency” ganz klar im Metalcore älterer Schule verwurzelt. Das geht soweit, dass man sich bei der ersten Minute des Openers (“Kill You Inner Cop”) unweigerlich irritiert umschaut, ob man nicht aus Versehen die “Whatever It May Take” von Heaven Shall Burn aufgelegt hat. Dazu kommen dann aber verschiedene Death Metal-Elemente und eben moderner Black Metal, wie man ihn etwa von Deafheaven oder Mol kennt und eher dem Hardcore zugeordnete Einflüsse (besonders deutlich beispielsweise bei “…of Dying”). Dadurch entsteht ein Sound der gleichsam retro und sehr modern ist. 

Das Album reißt mit und kommt auch relativ abwechslungsreich daher, was nicht unbedingt zu erwarten ist, wenn gut 50 Prozent der Platte aus Blast Beats oder Double Bass-Gewitter bestehen. Man merkt deutlich, wie Schmidt versucht hat, Abwechslung in die 12 Songs mit in Summe 45 Minuten zu bringen – und zwar nicht nur dadurch, dass beim Tempo bewusst regelmäßig auf die Bremse getreten wird. So wird mit “Burden of Hope pt. 1” ein eher ruhiges Interlude eingebaut, “Razor Eden” beginnt ebenfalls mit einem ruhigen Intro, unterstützt durch sphärischen, weiblichen Gesang, der auch im letzten Song “Monolith” wieder seinen Raum findet.

 

Gleichzeitig ist “Summits of Despondency” aber eine Platte, die Aufmerksamkeit braucht. Ansonsten droht das Hörerlebnis zu verschwimmen und es kommt doch der Eindruck der Eintönigkeit auf. Der Grund liegt zum einen darin, dass sich die Harmonien der Grundakkorde zwischen den einzelnen Songs häufig ähneln. Deutlich merkliche Wechsel auf diesem Gebiet, wie zum Beispiel im Schlussteil von “Monolith”,  findet man selten. Davon hätte es gerne mehr geben können.

Zudem ist leider die Produktion nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Nicht von ungefähr liegt der Vergleich mit einem HSB Album von 2002 nahe. Einerseits unterstreicht das die Rohheit der Musik, der Wut und der Emotionen, die transportiert werden sollen. Anderseits klirren die Becken einfach ein wenig zu sehr, wummern die Bass-Drum und die Toms ein wenig zu stark. Wenn dann auch noch mehr als drei Gitarren dazu kommen, wird es schnell matschig.

Insgesamt ist auch dieses Release aus dem Hause Ancst allerdings eine gute Platte, die zu entdecken Spaß macht. Moderne Elemente treffen auf einen klaren Retro-Vibe. Es braucht nur die Muße, die Platte bewusst zu hören. Wenn man nur auf den nächsten Catchy-Chorus einer modernen Metalcore Platte wartet, wartet man hier vergebens.