Any Given Day – Overpower

Album Overpower
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
8

Neben den Genre-Urgesteinen Caliban und Heaven Shall Burn, die seit vielen Jahren die hiesige Metalcore-Szene dominieren, haben sich Any Given Day als Nachwuchshoffnung mittlerweile fest etabliert. Durch ein Rihanna-Cover sind sie bekannt geworden, mit „My Longest Way Home“ lieferte die Band anschließend ein Debüt-Album ab,  das in der deutschen Szene schnell die Runde machte. Auch mit dem Zweitling „Everlasting“ offenbarten Any Given Day ihren Hunger auf mehr, wenngleich es hier und da noch Luft nach oben gab. Da stellt sich natürlich die Frage: Geht die Band mit „Overpower“ den nächsten Schritt?

Eines vorweg: Mussten sich Fans bei „Everlasting“ noch auf einige Veränderungen einstellen, scheinen Any Given Day mit eben jenem Album ihren Sound gefunden zu haben, denn „Overpower“ schließt grundsätzlich recht nahtlos an den Zweitling an. Das bedeutet natürlich auch, dass Dennis Diehls mächtige Stimme weiterhin die Refrains der Band dominiert.

Wer keine Lust auf dünne Stimmchen hat, ist bei Any Given Day weiterhin goldrichtig. Manchem Hörer könnte der Pathos in Diehls Stimme gleichwohl ein wenig too much werden, denn diese droht immer mal wieder ins (leichte) Leiern abzudriften – das mag die Mehrheit womöglich aber auch ganz anders sehen. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Ganz in diesem Sinne muss man weder auf klassisch melodiöse Metal-Riffs, wie gleich die ersten Sekunden im Opener „Start Over“ klar machen oder aber – Achtung Anspieltipp – „In Deafening Silence“  beweist, noch auf tief wummernde Gitarren im Stile von „My Longest Way Home“ verzichten – siehe etwa „Devil Inside“. Letzteres offenbart allerdings zugleich, dass Any Given Day auch durchaus mal in recht generische Gefilde abrutschen. So klingen auch „Fear“ und das balladenhafte „Lonewolf“ recht unspektakulär und einfallslos.

Ein positives Gegenbeispiel ist hingegen „In Deafening Silence“, das dynamisch zwischen donnernden Blastbeats, großartig getragenem Main-Riff und groovigen Nackenbrecher-Passagen wechselt. Oder aber „Savior“ mit seinen temporeichen Strophen. Daher macht „Overpower“ durchaus vieles richtig und ist ein Album, für das man sich keinesfalls schämen muss. Nur mangelt es eben, wie schon bei „Everlasting“, hier und da am entscheidenden Funken Kreativität und Dynamik im Songwriting, der Any Given Day in die erste Liga hieven könnte.