Biffy Clyro – A Celebration Of Endings

Label Warner
Musikrichtung Alternative-Rock
Redaktion
Lesermeinung
0

Quo vadis, Biffy Clyro? Erst letztes Jahr haben die drei Glasgower auf ihrem quasi-regulären Soundtrack-Album „Balance, Not Symmetry“ alles Mögliche ausprobiert, was ihnen so in den (stellenweise definitiv vernebelten) Sinn gekommen ist. Das Ergebnis war zwar maximal zerfasert, aber auf jeden Fall unterhaltsamer als die letzte ordnungsgemäße und bestenfalls okaye Nummer-Sicher-Platte „Ellipsis“.

Im Rock-Olymp jedoch ist es bekannterweise einsam, und Bands an der Spitze wollen dort auch meistens bleiben, deswegen sind zumindest Biffys Singleauskopplungen seit Jahren oft wohlbekömmliche Stadion-Hits. Das Corona-Sommerloch hat das mehrfach verschobene Opus Nr. 9, „A Celebration Of Endings“, nun übersprungen, und die Spannung wurde unerträglich. Ergötzen sich Biffy Clyro etwa weiterhin an größenwahnsinnigem Pomp, den auch die nicht so Rock-affine Schwiegermutter dankend abnickt, oder gewinnen schrullig-skurrile Späße und die in letzter Zeit maximal noch durchschimmernde Extravaganz wieder die Überhand?

„Instant History“ mit seinen unterkühlten 80er-Beats hatte erstmal kaum Gitarren, dafür aber Synthies, huch. „This is the sound that we make / Can you hear it?” lautete die Drohung und ließ das Schlimmste befürchten. Wie um die bestimmt nicht wenigen Fans, die daraufhin einen Herzkasper erlitten haben, zu entschädigen, flirtete die zweite Single „End Of“ ein bisschen mit psychotischen Math-Licks wie ganz früher. Sie kippte dann zwar doch in Richtung Foo Fighters, schaffte es aber auch wieder zurück.

„North Of No South“ kombiniert nun auf ähnliche Weise verschroben-schiefe Akkorde mit einer Breitwand-Hook, ist mit seinen verzerrten Backgroundgesängen dabei den geradlinigeren Nummern im Biffy-Kosmos aber einen Schritt voraus. „The Champ“ kokettiert mit klassisch angehauchter Filmmusik, bevor es zu einem typischen Stampfer mutiert. Den Spaß am Experiment hat diese Band nie verloren, legt aber nun wieder vermehrt falsche Fährten – und das mit breitem Grinsen im Gesicht.

Nörgeln Fans erster Stunde gegen Pop-Rock, kontern Biffy mit einem Jahrhundertwerk wie „Opposites“, auf dem sie zeigen, wie man den richtig angeht, und worauf sich auch das schmissige „Tiny Indoor Fireworks“ gut gemacht hätte. Vor Kitsch triefende Liebeslieder wie „Space“ mit Streichern und Falsett kann man getrost peinlich finden, wenn sie von Westlife stammen, aber bei Biffy gehen auch diese immer wieder klar. „Weird Leisure“ ist Biffy by numbers, aber mit Stil, und interessanter als das etwas unspektakuläre „Worst Type of Best Possible“. Mindestens eine Bombe platzt dann noch zum krönenden Abschluss: „Cop Syrup“ ist eine kleine Rock-Oper mit mehreren Parts, die von chaotischem Geballer über Spoken-Word-Passagen bis zu Soundtrack-artigem Prog reichen. „I’ve been saved from the darkest place. Fuck everybody. Woo!“ Chapeau.

„A Celebration Of Endings“ ist in etwa das, was dabei herauskommen würde, wenn man „Toys, Toys, Toys, Choke, Toys, Toys, Toys” und “Many Of Horror” in den Mixer schmeißt. Also die Biffy-Variante des viel beschworenen Rückbesinnens auf alte Stärken und ein Abarbeiten der Markenzeichen-Checkliste, gerne auch mal alle in einen einzigen Song gepackt.

Wahrscheinlich werden Biffy Clyro keine dramatische Kehrtwende mehr hinlegen oder außerhalb ihrer oft bekloppten B-Seiten-Compilations irgendeinen Sound ins Extrem führen, sind die Headliner-Slots auf den beliebtesten Festivals für nächstes Jahr doch bestimmt schon gebucht. Aber auch wenn ältere Kaliber auf ewig den Geheimtipp-Zeiten, in denen sie noch mit wenigen Eingeweihten „Mon the Biff!“ grölen konnten, hinterhertrauern werden: Diese Band hat es immer noch drauf. Oder, verehrtes „Ellipsis“: wieder.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
Top-Alben Jawbreaker - Dear You | Elliott Smith - Either/Or | The Smashing Pumpkins - Siamese Dream
Die besten Konzerterlebnisse Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Foxing (Darmstadt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

Hinterlasse einen Kommentar