Big Cheese – Punishment Park

Album Punishment Park
Band Big Cheese
Musikrichtung Hardcore Punk
Redaktion
Lesermeinung
8

Nachhaltig seinen Fußabdruck in einer derart schnelllebigen Musikrichtung wie dem Hardcore zu hinterlassen, gelingt nur wenigen Bands. Bei vielen ist der Hype zu Anfang zwar groß, verfliegt jedoch mindestens genau so schnell wieder, wie er gekommen ist – spätestens jedoch nach dem ersten, zumeist schwierigen Album.

Big Cheese konnten in den letzten Jahren nicht nur zwei Europatouren und Supportslots für beispielsweise Turnstile oder Culture Abuse verbuchen, sondern haben mit „Aggravated Moppery“ Ende 2017 auch eine der frischesten EPs des Hardcore-Jahres veröffentlicht. Hält auch das erste, sehnsüchtig erwartete Album der Band aus Leeds dieses Niveau oder verfliegt der Hype?

„Punishment Park“ ist angelehnt an das gleichnamige Filmdrama der 70er Jahre, welches eine dystopische Zukunftsversion auf die Leinwand projizierte: Der Vietnamkrieg nahm globale Ausmaße an und die Vereinigten Staaten wurden durch einen Miltärputsch zu einer Diktatur. Politische Wiederstandskämpfer fanden sich nach ihrer Inhaftierung in sogenannten „Punishment Parks“ wider, welche eine Mischung aus martialischen Vergnügungsparks und Gefängnissen darstellen, in denen nur die Stärksten überleben.
Survival of the fittest ist ein gerne gesehenes Thema im Hardcore. Bands wie Terror oder Biohazard zelebrieren den (Sozial)Darwinismus seit ihren Anfangstagen. Big Cheese allerdings verpassen der Thematik ein kritisches Gewand und gehen der Ursache auf den Grund, warum es überhaupt soweit kommen muss, dass die Stärkeren in der Gesellschaft die Einzigen sind, denen eine Überlebenschance eingeräumt wird. Der Grund liegt ganz klar im System verankert, in der Politik und der zunehmenden Verrohung der Werte.

„Kick me whilst I‘m down or tied to a tree / their methods are complex, I ain‘t got it sussed / they‘ll go all night til I‘m paggered to dust.“

Der „Punishment Park“ ist hier also eine Kopfsache, die es zu überwinden gilt. Big Cheese gelingt dies mal melodisch wie in dem religionskritischen „Tower To The Sun“, mal groovig in „Mad At The World“. Gerahmt wird das Ganze von „Pennine Scrubs“ und „Identity“, zwei absoluten Ausnahmesongs, die aufzeigen, was in dieser Band steckt. Hier geben sich Rest In Pieces und Killing Time die Klinke in die Hand. Big Cheese recyceln jedoch nicht einfach nur den rohen New York Hardcore, sondern verpassen ihm einen neuen Anstrich, welcher nicht einfach nur zeitgemäß, sondern auch gesellschaftskritisch ist.

Wäre „Punishment Park“ vor 30 Jahren erschienen, würde das Album heute in einem Atemzug mit „Set If Off“ oder „Scratch The Surface“ als eines der prägendsten Hardcore-Alben der frühen 90er gelten. Aber auch heute hat „Punishment Park“ das Zeug dazu, eines der besten Alben des Jahres oder ja, vielleicht sogar des Jahrzehnts zu werden. Ein Hype wäre dementsprechend mehr als berechtigt.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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