Blink-182 – Nine

Album Nine
Band Blink-182
Musikrichtung Pop Punk
Redaktion
Lesermeinung
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Blink-182 sind sowas wie die Metallica des Pop-Punk. Alles was nach dem selbstbetitelten Album von 2003 veröffentlicht wurde, ist für Die-Hard Fans Schrott. Beim aktuellen Album kann man den Unmut sogar schon fast nachvollziehen. Nach einer zweijährigen Tour für das Vorgängeralbum von „Nine“, „California“, kümmerten sich die Jungs erstmal wieder um andere Projekte.

DeLonge-Ersatz Matt Skiba widmete sich seinem Alkaline Trio und Travis Barker mischte in diversen Hip-Hop-Projekten mit. Und Mark Hoppus? Verfiel in Depressionen. „Ich bin momentan nicht in der Lage, fröhliche Uptempo-Songs zu schreiben„, erklärte Mark in einem Kerrang-Interview. “Walls of isolation inside of my pain/ I don’t know if I’m ready to change” heißt es dann auch im Song “Happy Days”, der ausnahmsweise von Hoppus völlig allein gesungen wird. Gemeinsam mit dem Opener “First Time” erinnern die Songs noch im weitesten an frühere Machwerke wie “Miss You” oder “Adam’s Song”.

Auf dem neusten Werk werden durchweg ernste und persönliche Themen angeschnitten – seien es die soeben erwähnten Songs oder das darauffolgende “Heaven”, inspiriert durch den Amoklauf 2018 in Thousand Oaks/ Kalifornien, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen. Doch daraufhin wird es schwierig. “Darkside” und “Blame It On My Youth” sind optische Täuschungen für die Ohren und je nachdem, wie man es betrachtet, hört man entweder Good Charlotte oder Katy Perry. Aber das soll wohl so sein. Gegenüber der LA Times sagte Drummer Travis Barker jedenfalls: “Sich zu vergewissern, dass Blink nicht anders ist als moderne Musik – und nicht der Vergangenheit angehört – ist für mich eine große Leistung.

“Generational Divide” sticht nochmal mit seinem Tempo und wenig Geschnörkel hervor, bevor Hoppus’ Stimme in “Run Away“ einmal mehr dem Autotune zum Opfer fällt; elektrogeschwängertes Intro, das wieder nicht von moderner Pop-Musik zu unterscheiden ist, gefolgt vom gitarrenlastigen Part mit typischen Blink-Harmonien. Songs wie “Black Rain”, “I Really Wish I Hated You” oder “Ransom” folgen dem gleichen Schema. Tom DeLonges markante Stimme und seine Riffs wie in “What’s My Age Again?”, “Dammit” oder “Stay Together For The Kids” werden hier schmerzlich vermisst. Dennoch fügt sich Matt Skiba gut ein und funktioniert mit Hoppus.

Blink-182 ist lange nicht mehr die Band, deren Mitglieder nackt durch Musikvideos rennen oder lyrische Ergüsse wie “Family Reunion” verfassen. Aber wie früher will man eben auch nicht mehr klingen. Das macht „Nine“ sehr deutlich – und das ist auch absolut in Ordnung. Dennoch stellt sich die Frage, ob weniger dann doch mehr gewesen wäre.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
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