Bombay Bicycle Club – So Long, See You Tomorrow

Label Universal
Musikrichtung Indie, (Dream) Pop
Redaktion
Lesermeinung
5

Ab heute ist es offiziell: Wir haben Frühling! Dieses Jahr quetscht der gemeine Nachrichtenredakteur den meteorologischen Frühlingsanfang allerdings wohl nur aus reiner Pflichtschuld noch hinter die Ergebnisse der Kreisklasse D. Frühling ist schließlich gefühlt seit dem 1. Dezember, also dem Herbstende, und so konnten Bombay Bicycle Club schon Anfang Februar die ersten Krokusse begrüßen. Passenderweise kam der Release von „So Long, See You Tomorrow“ dabei für sie dem Ende eines Winterschlafes gleich! Fast drei Jahre haben sie an ihrem Viertling rumgewerkelt, in der Zeit gingen vorher gleich drei full lengths vom Band, doch stand auf denen eben auch kein Frühjahrsputz auf der Agenda – Zeit für kontrollierten Neustart!

Der beginnt damit, dass man seinen Bandnamen endlich „ernst“ nimmt und den Blick gen fernen Osten richtet. Meistens passiert das unterschwellig, doch sind es letztlich gerade die Stücke mit dem offensivsten Bollywood-Einschlag („Overdone“/“Feel“) die am meisten Spaß machen! Was jetzt ein wenig nach nettem Strohfeuer klingt, ist das Urprinzip der Platte: BBC emanzipieren sich endgültig vom Indiehype und gehen neue, eigene Wege. made a plan to be someone, mess it up when the moment comes, step away step away stay numb, it’s alright now, I don’t wanna wait

Ihre lockerleichte Spielfreude kommt den London boys da natürlich zu pass, war sie doch schon immer vielleicht ihr wichtigster Trumpf überhaupt. Andere Bands suchen krampfhaft diese natürliche Unaufgeregteit, ihnen strömt sie aus jeder Pore. Und so gelingt dann ein elektronisches Effektmonster „Carry Me“ ebenso unbeschwert und gut wie die klassisch anmutende Indiepopnummer „Luna“. Ebenfalls mit sich im Reinen ist der Ausflug in den Dreampop. „Whenever Wherever“ lässt parallel zum Synthieteppich in Gedanken ein sonnengeflutetes Blumenpendant aufziehen, wie es sich für die heiteren Gemüter gehört. Denn trotz der melancholieschwangeren Texte hat hier Schwermut einmal mehr keine Chance. Grund für etwas Trübsal bietet höchstens „Eyes Off You“. Vielleicht wollten die Herren bei all dem frischen Wind nicht auch noch das hochheilige Balladengebot brechen, die knapp vier Minuten hätte man jedenfalls lieber in Intro, Outro oder weißes Rauschen investiert.

Am Gesamteindruck ändert dieser kleine schwarze Fleck freilich wenig, dafür ist das Album einfach zu stark und vor allem seine Grundstimmung zu angenehm. Die kleine Revolution im Hause Bombay Bicycle Club ist also gelungen und darf gerne Vorbild für Kollegen sein; gut gemachten Indie-Pop kann es schließlich nicht genug geben. Hätten wir jetzt nicht ohnehin längst Frühling, spätestens mit „So Long, See You Tomorrow“ nähme er Einzug!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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