Boston Manor – Be Nothing

Album Be Nothing
Musikrichtung Pop-Punk, Emo
Redaktion
Lesermeinung
5.5

Drei EPs haben Boston Manor bereits veröffentlicht: “Here/Now”, “Driftwood” und “Saudade” – und sich auf jeder immer von einer neuen Seite präsentiert. Im Stageload-Interview im Frühjahr diesen Jahres erklärten sie, es hätte daran gelegen, dass sich das Hintergrundgeräusch immer wieder verändert habe. Aber auch, dass sie sich musikalisch inzwischen immer wohler miteinander fühlen würden. Es schien, als seien Boston Manor nun endgültig bereit fürs Debütalbum – für ihren vielleicht finalen Sound. Kurz darauf wurde es mit “Be Nothing” auch angekündigt und die Erwartungen stiegen folglich ins Unermessliche, gelten Boston Manor schließlich vielen als das “next big thing” des britischen Pop-Punk.

Vielleicht, weil sie eben nicht generisch klingen und ihren Mut für Neues schon das ein oder andere Mal unter Beweis stellen konnten. Doch was es auch immer sein mag, das die Pressestimmen zu wahren Lobeshymnen anschwellen lässt – “Be Nothing” greift es kaum auf. Denn das Niveau des neuen Werkes bleibt gekonnt auf betont niedrigerem Level. Schlecht ist es dabei nicht unbedingt, enttäuschend aber definitiv. Weil man die Band eben schon von einer (viel) besseren Seite gesehen hat – oder von exakt derselben, leider.

“Laika” brachte als erste Single Ende Juli die Welle der Vorab-Tracks ins Rollen und hatte den Fans noch genau das geboten, was sie hören wollten: Nichts Neues, aber dafür etwas, das perfekt an seine Vorgänger anschließen würde. Damit steht der Song jetzt aber alleine da.

Die persönliche Note der Band war stets der verzweifelte Ton von Sänger Henry Cox. Die nicht zu überhörenden, beinahe überkochenden Emotionen. Eben genau das, was auch schon den Wonder Years zu dem ein oder anderen Fan verholfen hat. Oder das, wofür Trash Boat jüngst bei ihrem Debütalbum “Nothing I Write You Can Change What You’re Been Through” rühmlich gelobt wurden. Inzwischen klingen Cox und Co. aber in den meisten Fällen schlicht heillos gewollt und überladen. Zur Rettung stehen da nur die starken Refrains oder “This Song Is Dedicated To Nobody” bereit. Die allseits beliebte Eingängigkeit und zumindest zeitweise auch der unverwechselbare Sound, den man ansonsten völlig vermissen würde.

Zu modernem Pop-Punk mit schicken Melodien, wunderbaren Ohrwürmern und den großen Gefühlen sind Boston Manor aber trotzdem noch in der Lage. Im Gegensatz zu den Begeisterungsstürmen, die ihre EPs “Here/Now”, “Driftwood” und “Saudade” ausgelöst hatten, sorgt “Be Nothing” allerdings lediglich für Schulterzucken und manchmal sogar auch für Resignation. Anders als bei vielen anderen Bands, darf der Standardspruch bei Boston Manor schon jetzt fallen: Früher waren sie besser. Die Enttäuschung siegt, aber die Hoffnung bleibt – auf das gefürchtete zweite Album.

Hinterlasse einen Kommentar