Brandon Flowers – The Desired Effect

Musikrichtung Indie, Pop
Redaktion
Lesermeinung
4

„I love pop music. I definitely have a knack for it.” Wenn Brandon Flowers seine zweite Soloplatte mit einer solchen Aussage ankündigt, sind alle Erwartungen erfüllt. Die Kritiker jubeln. Als Aushängeschild einer der größten Indie-Rock Bands unseres Jahrzehnts galt Flowers lange als Verfechter lackierter Fingernägel und schwarz geschminkter Augen. Mit fortschreitendem Wachstum ihrer Musikwerke kam auch der Wandel im Sound. Die rockigen Gitarren wichen zurück und machten Platz für poppige Synthies – „Day&Age“ und „Battle Born“ sind die Zeugen. Seine große Liebe zum Pop hatte Flowers nun bereits mit Solo-Platte Nummer eins (“Flamingo”) der Musikwelt offenbart. Allerdings waren die Killers-Einflüsse immer noch hörbar. Mit seinem neuen Album befriedigt er nun alle Hoffnungen der Musikpresse auf eine Platte, die sich vollkommen dem Pop hingibt. „The Desired Effect“ ist eine Hommage an ein Genre, das ihm sehr am Herzen liegt. Und mit Produzenten wie Ariel Rechtshaid und Alan Moulder, die schon für Bands wie Haim oder Vampire Weekend zauberten, ist er in bester Gesellschaft.

Das Album beginnt mit einem Tusch. Trompeten, Geigen und Trommeln schlagen einem entgegen. Von diesem Marsch begleitet, verkündet Flowers als Amerikaner durch und durch – Träume werden wahr. Ein Lied, das nicht zuletzt durch den Frauenchor im Hintergrund so auch direkt zum Ohrwurm mutiert. Das rasante Tempo wird alsbald durch klassische Killers-Synthies eingefangen. Karibik-ähnliche Trommelschläge und aufjaulende Gitarren machen „Can’t Deny My Love“ zu einem Song, der zwangsläufig hängen bleibt. Mit den ersten Keyboard-Tönen wird dann auch die erste Ballade angestimmt. Ein Chor aus unzähligen Flowers‘ verläuft sich in einem hypnotischen Singsang und bettelt verzweifelt „I can change for you“, während der Song immer weiter in die Tiefen irgendeiner Disco wandert. Begleitet von einer schnellen Keyboardmelodie lässt „Still Want You“ als nächstes den Pop der 80er wiederauferstehen und Flowers ungewöhnliche Stimme macht sich gut im Duett mit dem altmodischen Frauenchor.

So weit so gut. Es folgt die nächste Ballade und mit dieser beginnt der Sinkflug. Öde Klaviertöne treffen auf längst bekannte Synthesizer-Melodien. Die Folge: Langeweile pur. Mit einem Trompetensolo verheißt der nächste Song („Lonely Town“) zunächst einmal nur Gutes. Natürlich fehlt es hier auch nicht an elektronischen Spielereien, allerdings bleibt es auch hier dabei: der Song hebt einfach nicht ab. Spätestens bei „Diggin‘ Up The Heart“ wird klar, dass es nicht mehr besser werden wird. Der Song wird schnell zum Schlager-Horror und nimmt „Never Get You Right“ gleich mit in den Abgrund. Dieses ist, ganz überraschend, geprägt von elektronischem Geklimper und nervt damit genauso wie „Untangled Love“ einfach nur maßlos. Mit dem letzten Song kommt dann die erleichternde Erkenntnis, dass das Album endlich zu Ende ist. Allerdings schafft es „The Way It’s Almost Been“ mit seinen Gitarren und kirchenähnlichen Orgelklängen wenigstens den geringen Anspruch einer guten Ballade zu erfüllen.

„The Desired Effect“ sollte wie eine Bombe einschlagen. Ist es auch, allerdings hat sie das Bild eines Sängers zerstört, der mit seiner Band viele erfolgreiche Alben produzierte. Vor allem nach seinem ersten Soloalbum ist „The Desired Effect“ einfach nur enttäuschend. Pop trifft auf Schlager und gemeinsam treffen sie auf eine niedergeschlagene Fan-Gemeinde, denen der Synthesizer so langsam aus den Ohren rauskommt. Nach vier Songs kommt der musikalische Absturz und am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass Flowers mit seinen Bandkollegen zu alter Form zurückfindet.

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