Bratze – Korrektur Nach Unten

Band Bratze
Label Audiolith
Musikrichtung Electro, Punk
Redaktion
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„Bratze? Was ist das denn?“ Dies oder ähnliches mag man vielleicht denken, wenn man den Namen dieses Duos das erste Mal zu Ohren bekommt. Das hinter diesem nicht gerade ,hübschen‘ Namen Kevin Hamann, alias ClickClickDecker und Norman Kolodziej, alias Der Tante Renate stecken lässt sich so nur schwer erahnen.
Beide Künstler sind bei genauerer Betrachtung aber keine Unbekannten in der deutschen Musiklandschaft. Während Norman als Der Tante Renate mit elektronischen Rhythmen und Beats sonst Solo durch die Republik und deren Clubs tourt, stand Kevin mit seiner kleinen Band und unter dem Pseudonym ClickClickDecker schon auf dem ein oder anderem Festival wie dem Melt oder Omas Teich auf der Bühne. Mit ihrem Projekt Bratze vereinen beide Künstler ihre Leidenschaft zur Musik und machen Electro-Pop mit leichter Punkattitude. Schon 2007 erschien das erste Album des Duos mit dem Titel „Kraft“, welches in der deutschen Indie- und Electroszene mit Jubel aufgenommen wurde. Nach zahlreichen Touren und Konzerten mit Kollegen wie Egotronic oder Frittenbude gingen Bratze Ende 2008 wieder getrennte Wege und bauten ihre Solokarrieren weiter aus. Die Schreie der Fans nach neuem Material blieben aber nicht ungehört und so erschien im März 2010 das zweite Album „Korrektur nach unten“. Schon die erste Single „Ohne das ist es nur noch laut“ machte einige Wochen vor dem Erscheinungsdatum des Albums klar, dass Bratze nicht nur so geblieben sind, wie sie es noch vor einigen Jahren waren, nein: Sie haben sich sogar, und das besonders textlich, noch weiterentwickelt. Das erste Stück auf „Korrektur nach unten“ mit dem Titel „Die auswendigen Muster“ ist instrumental ein Hochgenuss und auch Text sowie Gesang sind so typisch für Bratze: Immer kritisch und stets präsent. Wo dieser Titel aber noch sanft das Gehör massiert, geht das nachfolgende „Menschen im Minus“ schon auf‘s Ganze und wirkt mit seinen kräftigen Beats ehr wie ein Dampfhammer. „Mnchn, schon wieder dunkel“ bietet einen Gastauftritt von Ira Atari und präsentiert sich so vor dem instrumentalen „Dazu kann man gut klatschen“ äußerst facettenreich. „Das einfache Fluten“ weckt die ein oder andere Erinnerung an „Hightower Herz“ vom ersten Album, denn thematisch geht es in diesem Stück um die Abhängigkeit der Menschen zum World-Wide-Web und Portalen wie Facebook. Zum Schluss beendet „Molfsee“ mit einem äußerst tanzbaren und einprägendem Beat „Korrektur nach unten“ mehr als zufriedenstellend.
Bratze haben sich ohne Frage im Vergleich zu ihrem ersten Album „Kraft“ noch gesteigert. Die Texte sind tiefgängiger, die Beats treibender und ausgefeilter. Im Gegensatz zu manch anderer Scheibe aus dem leicht überfluteten Genre ,Electro‘ ist „Korrektur nach unten“ weder stumpf noch überkandidelt und weiß in nahezu jeder Sekunde zu gefallen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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