Bright Eyes – Down In The Weeds, Where The World Once Was

Musikrichtung Singer-Songwriter
Redaktion
Lesermeinung
8

Haben die Bright Eyes nach neun Jahren etwa ihre Indie-Wurzeln vergessen? Das mag sich der Hörer fragen, wenn er das neue Album „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ abspielt. Denn zunächst geht es in eine Kneipe, eine Frauenstimme moderiert Musiker auf Spanisch an, es wird applaudiert und angestoßen. Dann ertönt Dixieland-Jazz, man wird quasi ins US-amerikanische Omaha, die Heimat der Band, katapultiert. Schließlich erzählt eine weitere Frauenstimme etwas über ihren Garten, die Kneipenbesucher lachen sich kaputt. Und endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit versorgen Bright Eyes ihre Fans mit neuer Musik.

„What they need right now is to feel like there’s something to look forward to. We have to hold on“, sagt eine Stimme im Intro. Und man freut sich auf die Songs, die das Trio um Conor Oberst bietet. 2011 erschien ihr letztes Album, da ist es kein Wunder, dass auf der neuen Platte 14 Tracks gelandet sind. Doch der Satz drückt auch eine gewisse Verzweiflung aus, die Oberst mit zerbrechlicher Stimme sowie emotionalen Texten und Metaphern auszudrücken versucht.

Ein Beispiel ist „One and Done“, auf dem es heißt: „This whole town looks empty but we knew it wouldn’t last. Behind bulletproof windows they’re still wiring the cash. Whatever they could scrape up, whatever that they had. There’s a lot of mouths to feed through this famine.“ Doch in all der Verzweiflung gibt es auch immer einen Lichtblick – denn man kann immer singen und tanzen, wie Oberst auf „Dance and sing“ klar macht: „I’ll grieve what I have lost. Forgive the firing squad. How imperfect life can be. Now all I can do is just dance on through.“

Musikalisch bewegen sich die Bright Eyes zwischen Folk („Persona non grata“), Indie („Forced Convalescence“), Singer-Songwriter („Tilt-A-Whirl“) und sogar Elektro-Pop („Pan and Broom“). Dafür haben sie sich auch prominente Unterstützung von Flea, Bassist bei den Red Hot Chili Peppers, geholt. Er spielt die meisten Basslinien auf dem Album – und das sehr gut.

Die Pause und die Erfahrungen, die die Bandmitglieder in dieser Zeit gemacht haben, haben ihrer Musik gut getan. Sie vergessen nicht ihre Wurzeln, bringen aber dennoch frischen Wind in das etwas angestaubte Singer-Songwriter-Genre. Dazu regt Conor Oberst mit seinen Texten zum Nachdenken über das aktuelle Zeitgeschehen an – eine gute Mischung. Quasi ein Gesamtkunstwerk.