Captain Planet – Treibeis

Album Treibeis
Label Zeitstrafe
Musikrichtung Emo, Punk
Redaktion
Lesermeinung
7

Der Herbst steht vor der Tür, die Blätter fallen so langsam von den Bäumen und das innerliche Befinden ist kurz davor, den Jahrestiefpunkt zu erreichen. Was wünscht man sich da mehr, als eine helfende Hand. Wenn schon nicht in personifizierter Form, denn wenigstens in musikalischer. Captain Planet aus Hamburg veröffentlichen gerade jetzt ihr drittes Album „Treibeis“. Der rettende Anker? Die gerade erwähnte, helfende Hand?

Captain Planet stehen seit 2005 für deutschprachigen, auf den Punkt gebrachten Emo-Punk. Nie weinerlich, aber immer mit dem Herz am rechten Fleck präsentierte sich die Band auf den vergangenen Veröffentlichungen, ob es nun das letzte Album „Inselwissen“ oder die Split mit den Düsenjägern war. Auf „Treibeis“ setzen die Kapitäne ihre Fahrt fort, genau so wie bisher. Und das ist es auch, was im Laufe des Albums immer wieder auffällt: Hier hat sich nichts geändert, bis vielleicht auf die Produktion, die hier und da etwas ausgereifter wirkt als vielleicht noch vor fünf Jahren. So ist der Opener „Pyro“ kein Feuerwerk von Gitarrenriffs, Solis oder Effekten. „Pyro“ ist ein Captain Planet-Song in Reinkultur. Die Stimme von Sänger Arne, die markanten Strukturen der Lieder, die Stimmung der Gitarren, die Melodien – all das lässt einen bereits nach wenigen Sekunden wissen „Ja, das sind Captain Planet!“.
Ähnlich wie die inzwischen zum Majorlabel aufgestiegenen Turbostaat haben Captain Planet ihre eigene Nische, die nur sie einnehmen und die sie so unverwechselbar macht. Auch auf „Treibeis“ lässt die Band sich nicht zurechtbiegen. Von Anfang an veröffentlicht man über kleine Labels, wie Unterm Durchschnitt, Zeitstrafe oder auch mal ganz do it yourself. Und daran wird sich sicher auch nichts ändern. Captain Planet stagnieren, und das ist auch verdammt noch mal gut so.
Anders jedoch lyrisch: Immer wieder geht es um den Aufbruch, das Ausbrechen von Zuhause, aus den Strukturen, und das Erleben von Abenteuern in der großen weiten Welt. „Wer mit dir das Große und Ganze für immer durch die Felder in den grauen Morgen trägt, bis alle Flaschen leer sind. Nur eine Nacht lang in der keiner sagt, dass du es nicht wert bist.“ Große Emotionen, verpackt in die Worte des einfachen Mannes, in die Worte von dir und mir. Da stört es auch nicht, dass „Nationalpark“ von der Split mit den schon erwähnten Düsenjägern auch auf „Treibeis“ zu finden ist (Recycling, olé!). „Viel zu wenig Zeit um mal aufzustehen und auszusteigen“ heißt es im abschließenden Song „Gehwegflattern“. Doch wie so oft sollte man sich diese Zeit nehmen, damit man im Leben nicht vollständig ausbrennt. Dabei dann vielleicht Captain Planet hören, denn immerhin scheint es in dieser schnelllebig gewordenen Welt noch eine Konstante zu geben und das sind eben in diesem Fall Captain Planet. Mit „Treibeis“ manifestieren die Nordlichter ihre Postion als wohl herausragendste Emo-Punk-Kapelle des gesamten deutschsprachigen Raums auf‘s Neue.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  2 kommentare

  1. Oestlich Mohn [Facebook]

    freu mich !

  2. Sandra

    Bestes Album des Jahres bislang!

Hinterlasse einen Kommentar