Chain Reaction – Figurehead

Album Figurehead
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
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Rise And Fall galten fast ein Jahrzehnt lang als eine der wichtigsten Hardcore-Bands Europas und eine der wenigen, die es nicht nur auf ein us-amerikanisches Label geschafft haben, sondern auch in Übersee auf Tour waren. Nach vier Alben war 2013 dann Schluss.

Sänger Bjorn hat anschließend Chain Reaction gegründet und fängt mit seiner neuen Band quasi bei Null an. Nach einer Demo erschien die erste EP „Hangman“ 2017 beim kleinen belgischen Label Control Records. Seitdem haben Chain Reaction nicht nur Bands wie No Warning oder Protester supportet und Festivals zusammen mit Comeback Kid gespielt, sondern jüngst mit „Figurehead“ eine weitere EP veröffentlicht.

„Figurehead“ sucht seinen Platz irgendwo zwischen dem frühen Hardcore der New Yorker-Schule und gegenwärtigen Bands wie Backtrack, erinnert mit seinen Solis und Riffs in „Bleak Reality“ oder „Certain Death“ an Leeway oder die Cro-Mags. Somit ein ganz anderes Fahrwasser als Rise And Fall, die sich an Integrity oder Ringworm orientierten. Einzig allein die Stimme von Sänger Bjorn ist es, die noch an seine alte Band erinnert.
So geht es bei Chain Reaction mal kurzweilig daher, wie im nur 40 Sekunden langen Opener „Disconnect“, mal groovig-melodisch wie im Titeltrack „Figurehead“. Das Songwriting wirkt so über die Gesamtlänge von rund 14 Minuten dynamisch und durchdacht. Hier merkt man die Erfahrung, die die Mitglieder aus ihren vorherigen Projekten mitgebracht haben.

Allerdings wird im Hardcore das Rad nur selten neu erfunden und Innovationen sucht man zumeist vergebens. Auch Chain Reaction wiederholen altbekannte Schemata, die einfach gut funktionieren: Breakdowns, Gangshouts, Solis – meist auch in genau der Reihenfolge. Das mag manchen langweilen, für andere aber gewohnt gute Kost sein. Kritisieren lässt sich an der Umsetzung auf „Figurehead“ allerdings nichts. Die Lyrics sind sozialkritisch bis nachdenklich und bearbeiten Themen wie Fake News oder Ausgrenzung, die Produktion knackig und nicht zu glatt. Auch wenn die Mitglieder von Chain Reaction weit über 30 sind, merkt man zu jeder Sekunde die Energie, die von der Band ausgeht. Und die kann, trotz Wiederholung altbekannter Schemata, mitreißen.

So ist „Figurehead“ bei Weitem kein „Must Have“, allerdings eine mehr als solide EP, die zeigt, dass Hardcore auch mit Ü30 Spaß machen kann. Und das ist zugleich ein Plädoyer für alle, die sich zu alt fühlen, um eine Gitarre oder einen Drumstick in die Hand zu nehmen: Macht es einfach. Hardcore ist für alle da und kennt keine Altersgrenze.