ClickClickDecker – Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten

Label Audiolith
Musikrichtung Folk
Redaktion
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Vier Jahre hat sich der Hamburger Kevin Hamann alias ClickClickDecker für sein neues Album Zeit gelassen. Zeit, die er in Studios in Hamburg, Berlin und Nordfriesland verbracht hat. Zeit, in der er, der eigentlich als Solokünstler bekannt ist, mit seinem beiden neuen alten Bandkollegen Oliver Stangl und Sebastian Cleemann an neuen Sounds feilte. Zeit, die „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ zu einem besonderen Album machen.

Dass ClickClickDecker dieses Mal mit Bandsound experimentiert, fällt sofort auf. Die Musik klingt voller, noch vielschichtiger als auf früheren Platten. Gleich der erste Track „Mandelika“ kommt mit einem fast schon orchestralen Intro daher, eine Minute lang, bis die altbekannte Stimme Hamanns einsetzt, untermalt von akustischen Klängen: „Ich weiß einen Scheiß über Dich / Es interessierst mich einfach nicht.“ Verspielte Melodien, ausgeklügelte Arrangements aus Gitarre, Schlagzeug und vielen anderen feinen Instrumenten prägen das Album, immer in einem Wechselspiel zwischen freudigen Klängen, aber auch melancholisch-düsterem Moll.

Herzstück des Albums ist sicherlich „Schreckmensch“, eine anderthalbminütige Betrachtung seiner Depression, die Hamann während der Aufnahmen durchlebte: „Was ich von mir halte? Ich bin der schrecklichste Mensch der Welt.“ Überhaupt handelt „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ viel vom Scheitern, wie auch die Songs „Läuft es eher daneben“ und „Zu spät, zu blöd“ beweisen. Doch in all dem Scheitern und Kummer („Stoßlüften“) findet ClickClickDecker auch einen Weg, sich so zu akzeptieren wie er ist, nämlich „ein wenig anders, ein bisschen seltsam“. Das thematisiert er im überraschend schnellen und kraftvollen Track „Festschwimmen“. „Wenn ich ein Rätsel bin, würdest du in mir nach Lösungen graben?“ – solche und andere philosophische Fragen stellt Hamann seinem Gegenüber, um schließlich zur angesprochenen Selbstakzeptanz zu finden.

„Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ hat die Zeit, die Hamann investiert hat, gut getan. Eine gelungene Platte mit feinfühligen und vor allem einfühlsamen Songs. Wem noch der passende Soundtrack zum Herbstblues fehlte, hat ihn mit ClickClickDeckers neuem Album gefunden.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Online-Redakteurin
Dabei seit November 2014
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