Code Orange – I Am King

Album I Am King
Musikrichtung Hardcore, Metal
Redaktion
Lesermeinung
7

Blutjung und voller Tatendrang, das waren Code Orange Kids im Winter 2012, als mit „Love Is Love // Return To Dust“ das Debütalbum der Kombo aus Pittsburgh erschien. Mit Anfang 20 auf einem Label wie Deathwish Inc. unter Vertrag stehen, durch die ganze Welt touren, das kann längst nicht jeder von sich behaupten. Jetzt, zwei Jahre später sind Code Orange Kids immer noch blutjung und voller Tatendrang, aber sie haben sich auch weiterentwickelt. Das zeigt das zweite Album „I Am King“ mehr als deutlich.

Der nur zweieinhalb-minütige Titeltrack und Opener bereitet mit seinem Gemisch aus verstimmenden, noisigen Intro- und Outro-Parts und brachialen Riffs nicht nur leichte Magenschmerzen, sondern auch keines Wegs auf das vor, was mit „Slowburn“ folgt: Eine zermürbende Bassline, Presslufthammer-artige Riffs und Breakdowns – ein Monster. Das atmosphärische, gar shoegazige „Dreams In Inertia“ kommt da gerade recht, bevor die Band mit „Unclean Sprit“, zu welchem Scott Vogel von Terror Guestvocals beigesteuert hat, wieder die Löwen aus den Käfigen lässt und mit brutalen Riffs über den Hörer herfällt. Das Gemisch aus Atmosphäre und Brutalität, welches Code Orange (Kids) auf „I Am King“ servieren ist schlicht und ergreifend atemberaubend und in den letzten Jahren – wenn überhaupt – noch nicht in dieser Form da gewesen. 32 Minuten, die wahrlich kein Auge trocken, keine alten Wunden unangetastet lassen.
Zwar wirkt „I Am King“ vor allem durch die eingängigen, ja für die Verhältnisse von Code Orange fast sogar ruhigen Songs „Dreams In Iternia“ und „Starve“ längst nicht so chaotisch wie „Love Is Love // Return To Dust“ oder die Split mit Full Of Hell (einzig „Your Body Is Ready“ erinnert noch an das chaotische Gemisch von Tracks wie „Flowermouth“ oder „My Mind Is A Prison“), setzt in den Punkten Brutalität mit Songs wie „My World“ oder „Unclean Spirit“ und Abstraktheit mit „Alone In A Room“ jedoch noch einen Oben drauf. Vor allem der Gesang von Gitarrist Eric, der auf „Love Is Love // Return To Dust“ so gut wie gar nicht zum Einsatz kam, verleiht „I Am King“ eine mehr als brutale Schlagseite. Keine leichte Kost, nein. „I Am King“ braucht vielleicht den ein oder anderen Durchgang, um sein volles Potenzial zu entfalten. Denn vor allem die atmosphärischen, ruhigen Passagen wirken nicht selten verstörend und fremdartig.
Am Ende darf dann aber Rebas cleaner Gesang in „Blind You“ auch nicht fehlen, bevor die Band mit „Mercy“ zum Schluss dann alles andere als Eben diese Gnade zeigt und dem Hörer noch mal mit Unterstützung von Joe Sanderson (Eternal Sleep) ordentlich eine Überzieht. Wer danach keine Pause braucht, nicht bis auf’s Mark verstört ist oder kauernd in der Ecke sitzt, drückt gleich wieder auf Play, denn „I Am King“ ist brutal-betörend. Leider muss man aber sagen, dass es Code Orange wohl kaum noch möglich sein wird, da noch etwas drauf zu setzen.

Mit „I Am King“ haben Reba, Jamie, Joe und Eric bewiesen, dass sie längst keine „Kids“ mehr sind. „I Am King“ ist ein Statement, stets sein eigener König zu sein und niemanden über sein Leben entscheiden zu lassen. Unvorhersehbar, abwechslungsreich und ein wahres Brett ist das neue Album und Code Orange eine der vielleicht besten und für ihr junges alter beeindruckendsten Hardcore-Bands dieser Tage.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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