Cold War Kids – Hold My Home

Album Hold My Home
Label Downtown
Musikrichtung Indie, Blues, Rock
Redaktion
Lesermeinung
5

Das Schicksal ist bekanntlich gern’ mal ein mieser Verräter – im Falle der Cold War Kids seit 2011 in trauter Regelmäßigkeit. Und alles nur, weil Nathan Willett es Leid war, Musik für die Indie-Nische zu machen: Willett wollte endlich was ab haben vom Kuchen. Es folgte „Mine Is Yours“ und später „Dear Miss Lonelyhearts“. Zwei höchst gefällige Werke, besonders letzteres; die willett’schen Ambitionen befriedigen konnten sie beide nicht: Auch 2014 wird der Kuchen immer noch anderen kredenzt. Was der Kurswechsel mit dem Erfolg so nicht vermochte, das gelang ihm zu allem Überfluss par excellence am Personalkarussel. Das dreht sich seit dem nämlich ohne Unterlass!

Nach sieben langen Jahren in Originalbesetzung ist es mittlerweile gute Cold War Kids-Tradition geworden, mit jedem neuen Album ein Bandmitglied über Bord gehen zu lassen. Diesmal war Drummer Matt Aveiro der Auserwählte. Ebenso routiniert läuft ergo auch das Nachfolger-Casting, denn das Beuteschema scheint klar: Kam 2012 Dann Gallucci, folgte diesmal Joe Plummer. Vormaliger Arbeitgeber beider Herren: Modest Mouse – und ja, die wissen nur zu gut wie der Kuchen schmeckt. Als Modest Cold War Mouse wird also der nächste Griff nach den Sternen in Angriff genommen werden. In der Hoffnung auf eine wohlwollende Laune des Schicksals. Seine Hausaufgaben jedenfalls hat das Quartett mit Bravour gemacht: „Hold My Home“ ist ein wahnwitziges Werk – angestachelt vom Selbstbewusstsein eines Unerschütterlichen.

Und dessen breite Brust scheint zu Beginn beinahe zu platzen! „All This Could Be Yours“ kokettiert da noch vergleichsweise elegant mit seinem markant-kruden Piano-Stakkato. Willetts Botschaft ist längst brachial: “I have been waiting, but you would need a sign, all of this could be yours, be yours tonight! I have been patient, but you’ve got to try, all of this could be yours, be yours tonight!” – wer hier immer noch nicht zuhört, dem ist halt nicht zu helfen! Und im Wissen was folgt, kann man gefahrlos so tönen: “First” ist vielleicht der beste Indie-Track des Jahres, ganz gewiss aber das bisherige Meisterstück der Cold War Kids: Perfekt pointiertes Schlagzeug, trifft auf euphorieschwangere Melodie und Stimme, die den Soul gepachtet hat. So sexy klangen die Kalifornier noch nie!

„Hold My Home“ ist so als innige Bitte an die Zurückbleibenden zu verstehen, „bewahrt die gute, alte Heimat“, denn alles an diesem Album schreit nach Aufbruch – gerne auch gen Arena! Selbst Nathan Willetts Paraderolle, der reuige, oder noch beliebter, der sehnsüchtig Leidende wurde diesem geopfert. In „Drive Desperate“ singt er sich förmlich der Sonne entgegen, während herrlich zuckende Gitarren um ihn herum tänzeln und Plummer sich immer mehr zum Stareinkauf mausert. Ihren Höhepunkt findet die neue Leichtigkeit in „Drive Anywhere“: „I write and I play, I live and I breathe it’s incredible how little I need“ – die Cold War Kids auf Wolke sieben und Willet im Freuden- oder anderweitigem Rausch. Dieser endet nach fünf Hits am Stück, doch geht er glücklicherweise nicht vollends in Kater über. Mit „Nights & Weekends“ und „Go Quietly“ sind zwar zwei Filler im Boot, aber auch ohne die Anfangs-Ekstase bietet „Hold My Home“ noch Qualität. Allen voran der Titeltrack mit seinem unwiderstehlichem Bass, aber eben auch der Klassiker „Harold Bloom“: Willett und sein Organ allein auf weiter Flur – ein unschätzbarer Trumpf.

„can you be wise if you never leave the room? don’t heave your heros up so high, that you cant touch“
Wer jetzt also auch noch cleveren Pop-Appeal auf derart kunstfertige Art & Weise mit Blues und Indie paart, dem sollte das Schicksal eigentlich ja hold sein. Denn was immer “Hold My Home” diesem Quartett nun bescheren wird; Grammy, Fernsehgarten oder wieder nur einen neuen Kollegen für Nathan Willett: Besser haben die Cold War Kids bis dato nicht geklungen.

Einen Haken hat „Hold My Home“ dann doch noch: Der offizielle Europa-Release wurde auf den letzten Drücker mal eben auf März 2015 verschoben.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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