Coldplay – A Head Full Of Dreams

Band Coldplay
Label Parlophone
Musikrichtung Pop, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
3

Die musikalische Reise von Coldplay hat ihren Höhepunkt erreicht. So beschreibt es zumindest Chris Martin. Die bisherigen sechs Alben hätten alle zum jetzigen Punkt geführt, an dem die Band so klingt wie er es sich immer vorgestellt hatte. Nachdem Martin auf dem letzten und auch traurigsten Album der Band, „Ghost Stories“, das Ende seiner Ehe verarbeitete, folgt jetzt ein „Album der Erkenntnis“. Mit neu gewonnenem Lebensmut begab sich die Band ins Studio und produzierte „A Head Full Of Dreams“. Dem Titel getreu ist es eine Platte, die grelle und knallbunte Bilder im Kopf produziert. Man könnte sie eben so gut mit einem LSD Trip vergleichen.

Wie durch eine geheime Tür im Kleiderschrank gelangt man an einen neuen Ort voller unbekannter Farben und Klänge. In weiter Ferne erklingen fröhliche Glockentöne und je näher man kommt desto lauter werden die Trommelschläge. Und dort steht Chris Martin und singt von einem Kopf voller Farben. Die aufjaulende E-Gitarre untermalt diesen Eindruck perfekt und provoziert ein stetiges Kopfnicken. Mit leicht wippendem Fuß und genussvoll geschlossenen Augen wird man sanft weitergetragen zum sehnsüchtigen „Bird“. Der Song dreht tempomäßig etwas auf und genehmigt sich gegen Ende ein schickes Geigen-Intermezzo. Besagter Vogel begleitet den Zuhörer dann tiefer hinein in den geheimnisvollen Wald und dort zwischen zwei Bäumen ertönt eine nur allzu bekannte Stimme. Das Coldplay-typische Klavier setzt ein und der rhythmische Beat im Hintergrund komplettiert den Sound zum perfekten Hip Hop und R’n’B Track. Die Kombination aus Beyonces Honigstimme und einem Trompeten-Ensemble sind definitiv das Highlight der Platte.

Dann wird das Licht weicher, die Geräuschkulisse leiser und übrig bleibt nur das Klavier: Die coldplaysche Paradedisziplin steht an, ein Liebeslied – „Everglow“. Martin singt vom Leuchten in der Dunkelheit und therapiert damit jeden Herzschmerz. So kuriert sieht man sich plötzlich einer wahren Farbexplosion gegenüber. Zu „Adventure Of A Lifetime“ ertönt eine Gitarrenmelodie, die einfach nur mitreißt. Es ist die Tanznummer des Albums, die mit Zeilen wie „You make me feel like I’m alive again“ jede Faser des Körpers erbeben lässt.

Die Euphorie aber findet ein abruptes Ende: „Fun“, ein Duett mit Tove Lo, ist nämlich einfach nur eintönig und langweilig. Von bunten Farben kann hier nicht die Rede sein. Doch zum Glück erlebt die Platte dann einen neuen Höhepunkt. Das Interlude „Kaleidoscope“ ist eine wahre Bereicherung. Das Gedicht „The Guest House“ von Rumi ist der perfekte Begleiter für dunkle Momente und man beginnt zu verstehen wie Martin sein Leiden überwunden hat – und warum der 38-Jährige nur so übersprudelt vor neuer Lebensfreude.

Aber zurück zum Farbenwald, denn hier wird es so langsam turbulent. Während Synthie- „Army Of One“ noch angenehm hörbar ist, geht es mit „Amazing Day“ bergab. Coldplay begeben sich immer weiter in die Abgründe der Dance-Musik. Der Sound wird merkwürdig mystisch und ungewohnt monoton. „Up&Up“ darf hier wörtlich genommen werden. Der Titel drückt die Stimmung wieder nach oben und überzeugt mit schönem Chorgesang. Zum Schluss rundet aber „Miracles“, eine für die Briten typische Akustik-Nummer, das bunt-verrückte Abenteuer harmonisch ab. Mit einem Knarren schließt sich die geheime Tür wieder und zurück bleibt ein Gefühl der wiedergefundenen Glückseligkeit – abgesehen von manchen grauen Schwachstellen.

A Head Full Of Dreams“ hinterlässt Farben im Kopf. Das Album ist eine Ode an das Leben, vollgepumpt mit Energie und Lebensfreude. Eine wahre Therapiesitzung für alle, die ein bisschen Aufheiterung im tristen Winter brauchen. Das beste Werk der vier Briten ist die Platte freilich nicht. Auch wenn einige Songs wirkliche Hits werden könnten, so fehlen doch die typischen Coldplay-Hymnen. Eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Es wird wohl doch nicht das letzte Album von Coldplay werden.

Kommentare

  1 kommentar

  1. Euphorie?

    für mich bisher das schwächste coldplay album… das ist mir alles zu viel dance und electro, schade! aber damit schwimmen sie halt genau im srom der zeit

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