Dads – I’ll Be The Tornado

Band Dads
Label 6131 Records
Musikrichtung Indie, Emo, Rock
Redaktion
Lesermeinung
6

„I’ll be the tornado that keeps you warm“ verspricht John Bradley, der singende und trommelnde Teil der Dads aus New Jersey. Kein unpassendes Versprechen nach dem Wirbel, den das Emo-Duo die letzten Jahre gemacht hat. Zwei EPs, ein Album und unzählige Shows ließen die Fan-Familie stetig anwachsen.

Erwachsener sind die Dads deshalb aber lange nicht geworden. Auch auf ihrem zweiten Langspieler „I’ll be The Tornado“ werden die Songs bestimmt vom vielgesichtigen Gefühlschaos ihres Lebens. Die zentrale Figur dabei ist John Bradleys Vater, ein offensichtlich schon lange von Krankheit geplagter Mann. Bereits am Ende der letzten EP „Pretty Good“ saß Bradley an seinem Bett. Das eingangs erwähnte Versprechen, es ist an seinen Vater. Aus dessen Schicksal zieht Bradley die Lektionen für sein eigenes Leben – wütende, verzweifelte, trotzige, zuversichtliche Lektionen.

Mit dem Opener ziehen die Dads den Zuhörer auch gleich mit ins Auge des Orkans. „Grand Edge, MI“ beginnt akustisch, zaghaft, einsam, intim. Ein beeindruckender Einstieg, der alle Logik über Bord wirft: Sonst lassen Künstler den Zuhörern Zeit, sich gegenseitig näher zu kommen. Normalerweise tasten sie sich von der Oberfläche ins Innere vor. Hier schwappt einem die Intimität gleich zu Anfang ins Gesicht, überraschend und überwältigend. Die Wellen werden mit „Chewing Ghosts“ aber schnell wieder geglättet, fast schon wirkt der Song in seiner frickeligen Leichtheit nach dem berührenden Einstieg zu flach.

Für sich genommen ist diese Abrechnung mit einer destruktiven Beziehung durchaus unterhaltsam, richtig mitreißend wird „I’ll Be Tornado“ aber doch immer dann, wenn Bradley sich wieder mit seinem Vater auseinander setzt. „Fake Knees“, „But“, oder „Only You“ sind die Stücke, die am tiefsten gehen und am meisten bewegen, zumindest textlich. Musikalisch nämlich ist der mit Indie und Emo versetzte Rock der Dads oft zu quirlig und luftig, um den bedrückenden Texten genug Gewicht zu geben. „I’ll be the Tornado“ ist nur zeitweise ein aufwühlender Wirbelwind, aber immer öfter eher nur ein laues Lüftchen: Angenehm, verspielt, aber auch nicht allzu mitreißend.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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