Deftones – Koi No Yokan

Album Koi No Yokan
Band Deftones
Musikrichtung Alternative, Metal
Redaktion
Lesermeinung
8

Desto später das Jahr, desto schöner die Gäste. Im Falle der ursympathischen Deftones trifft diese Abwandlung wohl voll und ganz zu. Mit „Koi No Yokan“ steht das siebte Studioalbum der Kalifornier in den Auslagen guter Plattenläden und zeigt wieder einmal, warum diese Urgesteine den Niedergang des New Metal, zu dessen Mitbegründer sie einst zählten, ohne einen Kratzer weggesteckt haben und warum man auch nach 24 Jahren Bandgeschichte individuell und doch nach sich selbst klingen kann.

Geheimnisvoll klingt vor allem der Titel ihres neuen Werks. „Koi No Yokan“ ist eine japanische Redewendung, die sich nicht so recht ins Deutsche übersetzen lässt und das Gefühl beschreibt, wenn sich zwei Personen zum ersten Mal treffen und fühlen, dass sich in Zukunft ein inniges Verhältnis entwickeln könnte. Nicht zu verwechseln mit der Liebe auf den ersten Blick, die dagegen recht plump erscheint. Dieser Titel passt zum neuen Deftones Album wie Romeo einst zu Julia. Denn es beschleicht einen bei jeder neuen Veröffentlichung genau dieses Gefühl. Wer sonst versetzt einen in ein so außergewöhnliches Wechselbad aus bezaubernder Zartheit („Entombed“) und gnadenlos brachialen Soundwänden („Poltergeist“), wenn nicht die Herren um den charismatischen Frontmann Chino Moreno. Musste man früher eine gefühlte Ewigkeit auf ein neues Album warten, hat es die Gruppe dieses Mal in nur sieben Monaten geschafft, die Songs zu schreiben und aufzunehmen. Diese Frische und Unbeschwertheit ist beim Opener „Swerve City“ beinahe greifbar, oder wann haben die Deftones zuletzt so gerockt? Das dürfte nicht nur manchem Fan der ersten Stunde die Freudentränen in die Augen treiben. Dabei klingen sie noch immer nach sich selbst, was wohl auch der Grund dafür ist, warum man sie heute überhaupt nicht mehr mit New Metal in Verbindung bringen möchte. Die Deftones waren schon zuvor da und immer außergewöhnlicher als der Rest. Die Deftones waren vor allem schon immer mehr. Die Leidenschaft die sie auf „Rosemary“ oder „Leathers“ transportieren ist ergreifend und paralysierend zugleich. Chinos Stimme trifft sowohl textlich als auch klanglich noch immer genau ins Mark, während der Rest der Band in andere Sphären entführt. Mitverantwortlich dafür ist wohl auch Nick Raskulinecz (u.a. Foo Fighters), der wie bereits beim Vorgänger auf dem Produzentenstuhl Platz genommen hatte. Mit diesem Album kehrt der Spaß in den Bandkosmos zurück. Irrsinnige Bassläufe, die sich mit unglaublich warmen Gegenparts abwechseln, häufige Tempowechsel und dann doch wieder diese Harmonie, die jeden Song durchflutet. Diese Leidenschaft übertreffen die Deftones nur noch auf der Bühne.

„You’re cutting all ties! Now and forever! Time to let everything outside you“

„Koi No Yokan“ ist nicht nur ein weiteres Album der Deftones. Waren die letzten Alben seit dem unerreichbaren Meilenstein „White Pony“ durchweg gut, beschreitet „Koi No Yokan“ einen erneuten Gipfelsturm. Endlich haben sie wieder die Perfektion erreicht, die „White Pony“ bis heute zu der essentiellen Platte für jede Sammlung macht. Danke, dass wir daran teilhaben dürfen. Chapeau!

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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Kommentare

  1 kommentar

  1. Andre Wimmer

    Für mich nach White Pony wieder ein richtig gutes Ding von den Jungs!

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