Deutsche Laichen – Team Scheiße

Label D.I.Y.
Musikrichtung Hardcore Punk
Redaktion
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Verfolgt man die aktuellen Entwicklungen in Teilen der deutschen Gesellschaft, bekommt man immer mehr das Gefühl, dass hier nicht der Schuh drückt, sondern dass die Zehen schon erste Quetschungen erlitten haben. Mitten in diese besorgniserregenden Entwicklungen stößt die Hardcore-Punk-Combo Deutsche Laichen mit ihrer neuen EP „Team Scheiße“.

„Ich mach mein Maul auf!“

Deutsche Laichen sind nur am Nörgeln – ja, und das ist auch gut so. Denn diese Band will der Stein im Schuh, die Fruchtfliege im Weißwein und der schwarze Ölfleck auf den neuen Hipster-Sneakern sein. Ihre neue EP „Team Scheiße“ ist dabei Bestandsaufnahme und ein Appell zu mehr zielgerichtetem Aktionismus zugleich. War das Debüt noch eine vertonte Selbstreflektion für eine Gesellschaft, die sich zumindest in vielen Bereichen festgefahren hat und nicht so recht weiß, wie man und wer jetzt den Karren aus dem Dreck rausziehen könnte, gibt die EP eher ein paar ewig gestrigen was vor den Latz. Drei Songs in guten fünf Minuten – auf die Fresse.

Ein Thema, das die Band auf ihrem Debüt nicht angefasst hat, jetzt veröffentlicht sie gleich eine ganze EP dazu. Damit die Message auf jeden Fall rüberkommt, hat das Quartett einen der drei neuen Songs mit englischem Text versehen. Übersteigerter Nationalismus ist eben ein internationales Problem. Und dem treten die Göttingerinnen entschieden entgegen: mit eindeutigen Texten, die wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nehmen und rumpelndem Asi-Punk, der wunderbar roh und nach Proberaum klingt. Musikalisch macht das richtig Laune, ist aber zugegeben auch nicht mehr als Durchschnitt – einen Extra-Stern gibt’s allerdings für die klare Attitüde und fürs Maul aufmachen. Denn letztlich schrecken die Musikerinnen in „Szeneputzen“ auch nicht davor zurück, der komplette Szene ins Gewissen zu reden, dass sie einfach nicht reagiert hat.

„Du machst jetzt dein Maul auf!“

Deutsche Laichen möchten einfach so lange Nerven, bis sich endlich was bewegt. Muss das sein? Ja! Man könnte auch sagen: Spielverderber with a cause. Denn nur von gutem Zureden hat sich bisher nichts gebessert. Darum gibt’s ein klares weiter so und die Vorfreude auf den nächsten Longplayer wächst mit jedem Durchlauf von „Team Scheiße“.