Dinosaur Pile-Up – Celebrity Mansions

Label Parlophone
Musikrichtung Grunge, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
7

Ist der Grunge jetzt endlich tot oder immer noch nicht? Dinosaur Pile-Up aus Leeds haben zwar schon ein immer eine an Fanatismus grenzende Obsession mit dem letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends zur Schau gestellt. Auf ihrem Viertwerk „Celebrity Mansions“ aber schießen sie endgültig den Vogel ab, und das mit schwerem Geschütz.

Frönte das bemerkenswerte Debüt „Growing Pains“ noch dem süffigen, angsty Post-Grunge und hielt die eine oder andere bockstarke Nummer parat („Mona Lisa“, anyone?), war das Meiste danach eher generischer Dicke-Eier-Rock. Und jetzt? Das Riff-Recyclen geht weiter, neben der in Gestus und Habitus bereits bis zum Anschlag gefledderten Leiche des armen Herrn Cobain geht es nun auch anderen Zeitgenossen an den Kragen. Liebe Kinder, es gibt Hard Rock, Crossover, Pop-Punk! Und das ist gar nicht so schlimm, wie es zunächst den Anschein hat.

Tatsächlich zerbricht man sich am besten gar nicht den Kopf darüber, wo man das Riff des Openers „Thrash Metal Cassette“ schon überall gehört hat. Spätestens dann, wenn ein gut gelaunter Cheerleader-Chor, der direkt diversen High-School-Teeniefilmen aus der Hölle entsprungen zu sein scheint, die garagenrockende Nummer unterbricht, ist das Augenzwinkern offensichtlich, mit dem die Band hier am Werk ist. Die Single „Back Foot“ macht mit Kuhglocke und Rap-Einlage einen auf „Pretty Fly (For A White Guy)“. „Stupid Heavy Metal Broken Hearted Loser Punk“ (alleine dieser Songtitel kann doch nicht ernst gemeint sein!) tackert die Strophen von „Blitzkrieg Bop“ an einen dieser unverschämt eingängigen Neunziger-Refrains, die zwar cheesy wie Sau sind, aber eben auch runtergehen wie kaltes Bier. Und der Titeltrack dann schändet den Britpop so gut er kann – was wohl Beck oder Damon Albarn dazu sagen würden?

Die Halbwertszeit dieses fröhlichen Zitate-Ratens aber hält nur die halbe Platte. Wann immer sich die aufeinandergestapelten Dinosaurier im Anschluss nämlich weg vom „Teenage Dirtbag“-Feeling in Richtung ausladender Foo Fighters-Momente bewegen, wird es öde. „Round the Bend“ oder „Pouring Gasoline“ zum Beispiel sind zwar okayer Alternative Rock, fallen aber nach der großen Gaudi, die die ersten Songs vermittelt haben, kaum auf. Lyrics wie “I’m a big mouth when I’m getting drunk / If I’m freaking you out, I don’t give a fuck” („Professional Freak“) helfen da auch nicht mehr, die Coolsten auf dem Schulhof sind schon längst andere.

Dinosaur Pile-Up schreiben Songs, wie Quentin Tarantino Filme dreht. Ohne Scham und Anstand werden Versatzstücke sämtlicher Lieblingskünstler von anno dazumal geraubt, von ihren Spinnweben befreit und mit Gaffa-Tape so aneinander gepappt, dass es gerade so hält. Ist das noch Inspiration oder schon Kleptomanie? Laune macht es ein paar Songs lang halt doch irgendwie – ob aus Nostalgiegründen, oder weil man geistig ein bisschen in der Mittelstufe hängen geblieben ist und es nicht zugeben möchte, wen interessiert’s. Geigen braucht hier kein Mensch: Der Himmel hängt voller Powerchords und die Neunziger leben ewig.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Kyoto
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
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Die besten Konzerterlebnisse Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Foxing (Darmstadt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

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