Drug Church – Cheer

Album Cheer
Musikrichtung Punkrock
Redaktion
Lesermeinung
8

Groß, sauber und in ganz neuem Glanz präsentieren sich Drug Church auf ihrem neusten Machwerk – und ja, so nah wie auf „Cheer“ stand das End Of A Year/Self Defense Family-Nebenprojekt um Frontmann Patrick Kindlon dem Pop noch nie – und im Hintergrund hört man schon die ersten Szenewächter Ausverkauf schreien.

Kindlon sieht es nüchtern: Nach den Beweggründen für den Sound auf dem Album gefragt, stellte der Bandkopf die Gegenfrage, was man wohl mache, wenn einem die Leute mehr Geld geben? Diese Frage stellte sich die Band auch, und da die Mitglieder, ihm eingeschlossen, wohl zu dusselig wären, sich die Taschen voll zu machen, steckten sie den Mehrertrag einfach in eine fettere Produktion.

Das schlägt sich in von Grunge inspiriertem Punkrock mit flirrenden Gitarreneffekten nieder, der zuweilen Anleihen an die frühen Foo Fighters durchklingen lässt. Post-Grunge nennt sich das dann und ist in diesem Fall ein poppiges Album mit Ecken und Kanten, dessen Midtempo-Songs immer dann eine Wendung nehmen, wenn sie drohen zu beliebig zu werden und Geschichten über die Schattenseiten der Gesellschaft erzählen, wie in „Unlicensed Hall Monitor“, das mit den unangenehmen Zeilen „There’s a guy with a search history darker than a sea trench telling you how to live. Closet, crawlspace, and attic full of skeletons. A grown man who can’t handle his life for shit. A scummy fraud who wants to be your boss, can’t handle his shit.“ beginnt. Auch in die Texte sei viel Geld geflossen, verrät Kindlon. Habe er sonst nie mehr als vier Stunden an den Lyrics gesessen, habe er sich dieses Mal gleich mehrere Tage Zeit genommen.

Trotz ihrer Eingängigkeit sind die Songs weit entfernt davon, nach Kaugummi und Limonade zu klingen. Ein wenig abgefuckt darf es dann schon sein: Wäre der Pop auf „Cheer“ ein kürzlich gewaschener Putzlappen, ziehen ihn Drug Church mit Freude noch einmal durch die ölige Kette ihres frisch eingesauten BMX‘. Dazu raunt Kindlons rasselndes Organ durch die Platte und erinnert immer wieder an Fucked Ups Pink Eyes. Die Zeit, die sich die Band für ihren Neuling genommen hat, ist hörbar. Die Songs reihen sich nahtlos aneinander, keine Ausreißer, und werden durch den markanten, von Gitarreneffekten geschwängerten Sound durchzogen. Was zu poppig ist, wird mit grungigen Momenten a la Nirvana aufgebrochen.

Deutet also alles auf ein durchweg gutes Album hin, wäre da nicht der eingangs erwähnte Vorwurf. Aber sollte auch jemand der Band Ausverkauf vorwerfen, stört das Kindlon nicht sonderlich. Schlussendlich hätte man den Jawbreaker auch vorgeworfen – und zwanzig Jahres später hätten die Leute eben dieses Album zu ihrem besten gekürt. Mit dieser Einstellung fahren Drug Church genau richtig, denn Angst war noch nie ein guter Begleiter, vor allem nicht, wenn es um Kreativität geht. Gut, dass sie eben dieser auf „Cheer“ ihren freien Lauf gelassen haben, damit die Platte jetzt dem nahenden Winter noch ein paar Sonnenstunden abringen kann.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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