Escapado – Montgomery Mundtot

Band Escapado
Musikrichtung Post-Hardcore, Screamo
Redaktion
Lesermeinung
7

Escapado sind zurück. Einstmals als Geheimtipp in der deutschsprachigen Musiklandschaft gehandelt, ist die Band seit 2007 auf dem von Tomte-Sänger Thees Uhlmann gegründeten Label Grand Hotel Van Cleef untergebracht, über welches sie mit großem Erfolg im selben Jahr das eindrucksvolle Album „Initiale“ herausbrachte.
Im Frühjahr 2009, nach ausgedehnter Deutschlandtour, verließen jedoch Sänger Helge und Bassist Gunnar die Band. Escapado standen vor dem Aus, wäre da nicht Felix Schönfuss gewesen, der den Nordlichtern neues Leben einhauchte.
Nach ersten Gehversuchen in neuer Besetzung, die von vielen Fans der Band äußerst skeptisch betrachtet wurden, folgt nun das neue Album mit dem Titel „Montgomery Mundtot“, welches alle Zweifel wegblasen soll.
Betrachtet man das Äußere dieser Veröffentlichung, so scheint alles beim Alten zu sein: Leicht maritim sieht es aus, der Deich, die Bojen. Schon „Initiale“ bot auf dem Artwork einen Dampfer mit passender Hafensilhouette. Aber ist auch musikalisch alles unverändert geblieben?
„Petenwell“ heißt der Opener und nachdem nach knapp 70 Sekunden der Gesang, oder besser gesagt das Geschrei, des neuen Frontmanns Felix eingesetzt hat wird klar, dass sich trotz neuem Sänger nicht viel verändert hat. Klar, Vorgänger Helge hatte eine nahezu einzigartige Stimme, was Schrei- sowie Singparts angeht, aber der Neue, der macht seine Sache hörbar gut. Auch der nachfolgende Titeltrack „Montgomery Mundtot“ klingt, als wäre alles noch beim Alten. Einzig und allein die ruhigeren Parts der Stücke, in denen es gesanglich etwas sanfter zugeht, wirken nicht so geschmeidig wie noch bei älteren Songs der Band, beispielsweise „Solange du weißt“ oder „Welches Leben“, und wecken manchmal sogar Erinnerungen an Turbostaat. Lyrisch gab es zwischen den beiden Bands, die ja aus der selben Ecke von Schleswig-Holstein kommen, ja schon immer Parallelen.
Auch hier sind diese, wie schon im Titeltrack und auch in „Weil es so einfach ist“ und „Durchatmen“ wieder vorhanden. Ansonsten geht es um die Themen, welche auch schon auf den älteren Veröffentlichungen angesprochen wurden: Verzweiflung, Hass, Angst. Kein neuer lyrischer Zündstoff also, insgesamt aber gewohnt explosiv rübergebracht, was nicht nur am emotionalen Geschrei von Frontmann Felix liegt, sondern auch an der guten instrumentalen Untermalung. Gitarrist Sebastian beweist hier, wie schon auf „Initiale“, ein unglaublich gutes Händchen für klasse Melodien und Riffs. Besonders im instrumentalem Stück „Sphären“ zeigt er sein ganzes Können und das kann sich wirklich hören lassen!
Escapdo wirken, trotz teilweise neuer Besetzung, authentisch wie eh und je und haben sich musikalisch gegen alle Erwartungen kaum, ja eigentlich gar nicht, verändert.
Aus Kreisen von Liebhabern deutschsprachiger Musik hört man, dass Escapado ihre Zeit schon längst überschritten haben. Ähnliche Bands wie Kurhaus, Jet Black oder Yage haben sich bereits vor Jahren aufgelöst und das Ende einer Ära eingeläutet. Scheinbar ist das Ende dieser Ära aber etwas, mit dem Escapado sich nicht anfreunden wollen. Die Band legt mit „Montgomery Mundtot“ die Karten offen auf den Tisch: Sie wollen bleiben. Und verdient, ja dass haben sich die Nordlichter das Bleiben mit dieser durchweg guten Leistung auf jeden Fall und wer denkt, dass durch Helges und Gunnars Weggang alles Feuer erloschen ist, der irrt sich gewaltig!

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News, Facebook
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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