Foals – Total Life Forever

Foals - Total Life Forever

Foals – Total Life Forever

Die Griechenlandkrise ist momentan mit das Gesprächsthema Nummer 1. Die Ouzo-Liebhaber werden eher ungern gesehen oder sogar verspottet. Im Fall von Yannis Philippakis sollte man dies allerdings tunlichst unterlassen, da dieser mit seiner Band „Foals“ (zu dt. „Fohlen“) schon einige Jahre auf sich aufmerksam macht und bereits viele Freudengesichter gezaubert hat. So waren doch Hits wie „Cassius“, „Balloons“ oder „Hummer“ aus dem 2008 erschienenen Debüt-Album „Antidotes“ stets gern gesehene Gäste in jeder Disco. Selten bekam man so tanzbaren und trotzdem spielerisch anspruchsvollen Indie-Rock zu hören!


Nun erscheint jetzt das zweite Album der Fohlen, welches den Namen „Total Life Forever“ trägt. Wer nun auf weitere hektische, schweißtreibende Partysmasher in Form der oben genannten Songs hofft, wird leider enttäuscht sein. Schon mit „Red Socks Pugie“ und „Big Big Love“ aus dem Vorgänger zeigten die Londoner, dass sie auch durchaus mehr können, als „nur“ gut tanzbaren Indie zu spielen. So findet man auf „Total Life Forever“ kaum einen Song unter der 4-Minuten-Marke. Alles klingt erwachsener, überlegter und entspannter. Auch die Stimme von Herrn Philippakis wirkt ausgereifter und es wird unter der Gruppe sehr viel mit Chorgesängen gearbeitet. Damit rutschen die Fohlen nun mehr in die progressive Post-Rock oder sogar psychedelische Schiene, ohne aber dabei ihre frühere Verspieltheit vermissen zu lassen. Natürlich sind nicht mehr so viele Math-Einflüsse wie bei der „Antidotes“ vorhanden, allerdings klingt alles immer noch sehr leichtfüßig und exotisch. Auch die beiden Gitarren klimpern immer noch wundervoll vor sich hin und ergänzen sich perfekt. Highlights wie „Black Gold“ oder das bemerkenswerte, gegen Ende sogar tanzbare „After Glow“ brauchen ihre Minuten um in Fahrt zu kommen und entfalten sich erst nach mehrmaligem Anhören. Apropos tanzbar: Songs wie „Miami“, „This Orient“ oder der Titelsong „Total Life Forever“ laden dann trotzdem noch zum fröhlichen Dance-In ein, auch wenn alles ein wenig langsamer ist als noch auf dem Vorgänger. Besonders auffällig ist auch, dass die Gitarren eher in den Hintergrund gerückt sind um den Sound zu untermalen. Das liegt hauptsächlich an der Produktion und ist auch sicherlich gewollt. So baut sich eine viel dichtere Atmosphäre auf als bei der poppigeren Produktion von „Antidotes“. Damit kommen besonders Atmosphäre-Monster wie „2 Trees“ oder das sehr lange „Spanish Sahara“ zur Geltung. Da wird einem grandioser, emotionaler (nicht melancholischer) Post-Rock zum Träumen geboten. Wahnsinnig gut! Auch die Texte sind gewohnt kryptisch gehalten und lassen viel Freiraum für Interpretationen. So bleibt zum Abschluss zu sagen: Man muss es mögen oder nicht. Fans von Songs wie „Cassius“ werden sich schwer tun, aber wer sich trotzdem darauf einlässt bekommt ein verträumt gefühlvolles und abwechslungsreiches Album, das einen so schnell nicht mehr loslässt und seinen ganz eigenen Klang hat. Für mich jetzt schon eines der Highlights 2010.

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