For Them All – Thoughts

Album Thoughts
Musikrichtung Alternative, Pop-Punk, Emo
Redaktion
Lesermeinung
7.8

Moose Blood haben vergangenes Jahr mit „Blush“ ein fantastisches Album veröffentlicht. Vielseitig, verspielt und bis heute nicht langweilig – und das sieht das For Them All-Trio wahrscheinlich auch ganz ähnlich. Diesen Anschein macht zumindest ihre neue EP „Thoughts“.

Sechs Songs, die sich zwar bisweilen ähneln, als großes Ganzes aber trotzdem eine Menge Abwechslung bieten. Geht Opener „Dolor Fantasma“ trotz ausgeprägtem Intro ohne großes Vorgeplänkel mit seinem melodischen Emo-Pop-Rock gleich in die Vollen, kommt bei „Every Night“ noch die angeraute Stimme hinzu. Hin und wieder scheint sie kurz davor zu sein, wegzubrechen. Dass die Texte persönlich sind und nicht einem Poesiebuch entnommen, wird durch den verzweifelten Unterton der Vocals nur allzu deutlich: „And do you know that I care after all, that I miss you sometimes when it’s cold?

Selbiges Qualitätsmerkmal zieht sich glücklicherweise die komplette EP. Ist „Shiver“ so beispielsweise zum größten Teil locker-leicht, wird als Kontrast der Gesang zwischenzeitlich mit allerlei Filtern und Effekten unterlegt, wodurch die gesamte Songstruktur aufzubrechen scheint – und das bei Weitem nicht zum Negativen, ganz im Gegenteil. „Thoughts“ bekommt vor allem dadurch die so benötigte Abwechslung, die die EP schlussendlich auch ausmacht. Unterstrichen wird diese außerdem besonders durch die Reihenfolge der Songs. Fällt „Ferment“ nämlich in die bereits bekannte Kategorie „rauer Emo-Alternative-Rock“, wird es am Ende mit „Fade Away“ nochmal richtig spannend, post-punkig und shoegazig – alles nur bedingt, aber nichtsdestoweniger herrlich überraschend.

Das Highlight der „Thoughts“-EP ist es trotzdem nicht, dieser Platz auf dem Treppchen geht ganz klar an „Listen“. Gegenteile treffen hier aufeinander und Unmögliches scheint plötzlich zu funktionieren. Denn wie kann es sein, dass repetitive Melodien viereinhalb Minuten Spielzeit auf einmal absolut kurzweilig werden lassen? Wie kann es sein, dass For Them All offensichtlich mit aller Energie spielen, ihre Instrumente dennoch so klingen, als würden die Gitarren- und Basssaiten nur leicht angeschlagen und die Schlagzeugfelle nur bedingt berührt werden? Großes Kino auch bei den Vocals: Freilich wurde „Listen“ ebenso kraftvoll eingesungen, wie auch die anderen, trotzdem klingt es, als hätte Sänger Dominik Schmitt an dieser Stelle nur geflüstert.

Zu jeder Zeit erinnern For Them All an Moose Blood, an die poppige Leichtigkeit, die zuletzt auch „Blush“ ausgemacht hat. Wie eine billige Kopie erscheinen die Rheinland-Pfälzer dabei aber nicht. Sie fahren ihren eigenen Stil, trauen sich Dinge und überraschen mit ihrer Eigenwilligkeit. Sie zeigen, wie die Kombination aus Alternative-Rock, Emo und Pop-Punk made in Germany klingt. For Them All sind die deutsche Antwort auf Moose Blood.

Hinterlasse einen Kommentar