Forkupines – Islands

Album Islands
Band Forkupines
Musikrichtung Alternative-Rock
Redaktion
Lesermeinung
7.5

„No Man Is an Island“, sinnierte der englische Dichter John Donne einst, aber der wusste auch noch nichts von Corona, sondern hatte höchstens die Pest am Hals. Für ihr zweites Album haben sich die Braunschweiger Forkupines dennoch für den Titel „Islands“ entschieden, als Metapher für das Alleinsein und die Einsamkeit.

Gründe für einen solchen Zustand gibt es viele, und pandemiebedingte Isolation mag heuer zwar der naheliegendste sein, für die Band aber bedarf es etwas herkömmlicher lediglich des guten alten Liebeskummers beziehungsweise Weltschmerzes. Und den packen die Forkupines in ein knappes Dutzend kompakter Alternative-Dreiminüter, die ihre norddeutsche Herkunft gekonnt verschleiern.

Während sich eine melancholische Grundstimmung und der jederzeit greifbare Emo-Einschlag durch die ganze Platte ziehen, wird verschiedenen Genres zugezwinkert: So stolpert „Envy“ durch den Pop-Punk und „Letters“ dreht sich in Richtung Post-Hardcore der etwas zermürbenderen Sorte. Im Großen und Ganzen aber bleibt die Band ihrem bewährten Rezept treu: fette Gitarre, tighte Drums, knarziger Bass und hymnische Vocals. Punk ist das nicht mehr, aber vor der Ausfahrt Richtung Stadion-Rock kriegen die Forkupines noch rechtzeitig die Kurve.

Apropos Stadion: Eine gewisse Ähnlichkeit zum Power-Trio Biffy Clyro, das nun passenderweise auch von einer Insel kommt, lässt sich nicht wegdiskutieren. Gerade die Art und Weise, wie die Forkupines in den C-Teilen von „Moving On“ oder „Lie To My Face“ verschiedene Riffs hintereinander basteln, die sich dann zu furiosen Finalen auftürmen, erinnert immer wieder an die Glasgower und besonders deren 2009er-Werk „Only Revolutions“, ohne jedoch in dessen orchestralen Bombast einzutauchen.

Die meisten Songs verlassen sich auf eine eingängige Hook, und die Band hat durchaus ein Händchen für ausdrucksstarke Melodiebögen. Für sich genommen ist das effektiv, in der Kontinuität des Albumkontexts aber erweckt das Wiederholen dieser Formel mitunter den Eindruck von Beliebigkeit und wirkt ein bisschen ermüdend – vor allem, wenn sich die Gesangsspuren dann auch noch ähneln („To Death“, „Waves“). Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, denn so druckvoll, wie „Islands“ aus den Boxen dröhnt, schüttelt es vermutlich auch die größten Schlafmützen wach.

Manch ein Hörer mag sich vielleicht mehr Ecken und Kanten wünschen, im sauber produzierten Breitwand-Rock aber liefern die Forkupines mehr als bloß solides Handwerk. Bestimmt lassen sich die Songs noch individueller ausgestalten, und vielleicht entdecken die Drei ihren Mut zum Experiment ja auf dem nächsten Album. Mehr Schreiausbrüche wie in „Straight“ oder eine konsequentere Abkehr vom Verse-Chorus-Verse-Schema würden den Forkupines super zu Gesicht stehen – sowie eine dreckigere Produktion.

Auf eine klassische Ballade hat die Band verzichtet, und Akustikgitarren waren offenbar verboten (es sei ihnen nicht verübelt), also nimmt der Closer „Roads“ diese Rolle ein und macht seine Sache ebenfalls anständig. „You’re not alone“, tröstet Sänger und Gitarrist Simon, „I’ll make you smile, I’ll make you stay alive.” Wie John Donne schon wusste: Am Ende muss niemand eine Insel sein.